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11.06.2014

04:19 Uhr

Benmosche tritt ab

AIG verkündet überraschend einen Chefwechsel

Der US-Versicherer AIG musste 2008 mit Steuermillarden gerettet werden. Robert Benmosche wurde 2009 aus dem Ruhestand geholt, um die Firma auf die Beine zu bringen. Jetzt verkündet das Unternehmen seinen Nachfolger.

Aus dem Ruhestand heraus, wieder in den Ruhestand zurück: AIG-CEO Robert Benmosche (Archivbild von 2011) räumt Ende August den Chefsessel. Reuters

Aus dem Ruhestand heraus, wieder in den Ruhestand zurück: AIG-CEO Robert Benmosche (Archivbild von 2011) räumt Ende August den Chefsessel.

Der US-Versicherer AIG bekommt einen neuen Chef. Peter Hancock löst zum 01. September Robert Benmosche ab, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Hancock leitet bei AIG zurzeit die Schaden- und Unfallversicherungssparte. Benmosche stehe dem Unternehmen nach seinem Rücktritt weiter beratend zur Seite, hieß es.

Dem "Wall Street Journal" zufolge galt Hancock als Favorit auf den Chefsessel, der Wechsel sei jedoch schneller gekommen als erwartet. Der 70-jährige Benmosche hatte erst vor kurzem sein Interesse daran bekundet, bis in die ersten Monate 2015 zu bleiben.

Benmosche wird wegen eines Krebsleidens behandelt, ist nach Angaben des Unternehmens aber so aktiv wie eh und je. Er war 2009 aus dem Ruhestand geholt worden, um AIG nach dem Beinahe-Zusammenbruch 2008 wieder auf die Beine zu bringen.

Das Milliardengrab AIG

2007:

Vor der Krise war AIG Ende 2007 mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar der größte Versicherer der Welt. Zum Vergleich: Die Allianz-Gruppe hatte zur gleichen Zeit einen Marktwert von 85 Milliarden Dollar, die Axa-Gruppe von 70 Milliarden Dollar. Mit über 100.000 Mitarbeitern und Vermögenswerten im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar schien AIG nahezu unantastbar.    

2008:

Für das 4. Quartal 2007 muss AIG als Folge der Subprime-Krise rund 11 Milliarden  Dollar auf das Kreditversicherungsportfolio abschreiben. Der Versicherer fährt einen Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar ein.

14. September 2008:

AIG bittet die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um die sonst drohende Abstufung des AIG-Ratings zu verhindern.

16. September 2008:

Die Fed gewährt dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug übernimmt der Staat fast 80 Prozent der AIG-Anteile.

9. Oktober 2008:

AIG bekommt weitere Rettungsgelder vom US-Staat im Wert von 37,8 Milliarden Dollar. Als Sicherheit erhält die Fed festverzinsliche Anleihen im gleichen Wert.

Dezember 2008:

Der Verkauf profitabler AIG-Teile geht voran. Am 22. Dezember 2008 kauft beispielsweise die Münchener Rück den Spezialversicherer HSB Group, einen der Marktführer bei Versicherungen gegen den Ausfall von Maschinen oder technischen Anlagen.

März 2009:

Der Versicherer meldet mit minus 61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust eines amerikanischen Unternehmens aller Zeiten. Wieder muss der Staat ran: Diesmal gibt es bis zu 30 Milliarden Dollar, dafür bekommt der Staat Anteile an lukrativen Unternehmenssparten von AIG. Im Gesamtjahr habe sich das Minus sogar auf 99,3 Milliarden Dollar belaufen.

Juli 2009:

Der Spiegel bezeichnet AIG als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. 

März 2011:

Die amerikanischen Steuerzahler mussten mit 182 Milliarden Dollar einspringen - die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise. Im November hatte das Finanzministerium das ausstehende Investment des Staates auf 120,6 Milliarden Dollar beziffert. Neben dem Ministerium hatte auch die US-Notenbank dem Versicherungskonzern unter die Arme gegriffen.

Benmosche sagte zum geplanten Wechsel: "Wir mussten einen Nachfolger benennen. Ein langer Übergang kann problematisch werden. Peter ist bereit, absolut fähig und vollkommen darauf vorbereitet, AIG zu leiten."

Board-Mitglied Robert S. "Steve" Miller machte die Hintergründe für die überraschende Ankündigung noch deutlicher. Offenbar wollten die AIG-Spitzenmanager damit zum Teil auch den Spekulationen innerhalb und außerhalb des Versicherungskonzerns ein Ende setzen. Das Verwaltungsgremium hoffe, die Entscheidung "würde dazu beitragen, reinen Tisch zu machen, damit die Leute sich aus dem Flurfunk zurückziehen und weitermachen könnten", so Miller.

Der 55-jährige Hancock wurde in London geboren und wuchs in Hongkong auf. Er hat als Banker und Risikomanager bei JP Morgan gearbeitet und gilt als zurückhaltender als seine beiden Vorgänger an der Spitze von AIG.

AIG wurde während der Finanzkrise 2008 von der US-Regierung mit 182 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch gerettet. Die Schulden sind mittlerweile beglichen. Derzeit durchläuft das Unternehmen einen Sanierungskurs.

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