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08.07.2013

14:49 Uhr

Bericht

Großbritannien legt Plan zu Post-Privatisierung vor

Die Privatisierung der Royal Mail nimmt Konturen an. Großbritanniens Regierung will das staatseigene Unternehmen an die Börse bringen – ein Milliardengeschäft. Für die Mitarbeiter könnte es eine böse Überraschung sein.

Ein Postbote der Royal Mail bei der Arbeit: Die Arbeitsbedingungen der 150.000 Beschäftigten könnten unter der Privatisierung leiden. AFP

Ein Postbote der Royal Mail bei der Arbeit: Die Arbeitsbedingungen der 150.000 Beschäftigten könnten unter der Privatisierung leiden.

LondonGroßbritannien treibt einem Fernsehbericht zufolge die milliardenschwere Privatisierung der Post voran. Die Regierung werde bereits am Mittwoch Details zu den Plänen für die Royal Mail im Unterhaus bekanntgeben, berichtete der TV-Sender Sky News am Montag unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise. Ein Sprecher der zuständigen Behörde sagte, die Abgeordneten würden vor dem 18. Juli informiert, bevor sie sich in die Sommerpause verabschieden. Den in dem Bericht genannten Termin bestätigte er nicht. Die Post äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Großbritannien will die Royal Mail an die Börse bringen, das Geschäft hat ein Volumen von 2,5 Milliarden Pfund (2,9 Milliarden Euro). Die Post, deren Geschichte auf das Jahr 1516 und König Heinrich den Achten zurückgeht, und die Regierung versprechen sich vom Zugang zum Kapitalmarkt bessere Möglichkeiten, den Ausbau des Geschäfts vor allem mit Paketen voranzutreiben. Die Gewerkschaften befürchten jedoch, dass Post-Dienstleistungen gestrichen werden und sich die 150.000 Post-Beschäftigen auf schlechtere Arbeitsbedingungen einstellen müssen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.07.2013, 15:37 Uhr

Die Wasserversorgung wurde in UK privatisiert mit dem Ergebnis, dass aufgrund des nun maroden Netzes die Wasserversorgung im letzten Sommer mehrfach zusammenbrach, das HB berichtete.
Die Eisenbahn wude privatisiert mit dem Ergebnis, das nichts mehr investiert wurde, das Netz auf Verschleiss betrieben wurde. Bahnfahren ist in UK ein Erlebnis.
Um die größten Probleme der maroden Infrastruktur zu beheben investiert der Staat (nicht die sog. Investoren der Infrastruktur) nun Milliarden, wie man kürzlich im HB lesen konnte.

Gelernt haben die Briten daraus nichts. In einigen Jahren wird man - wieder mit Steuergeldern - das Postnetz regenerieren müssen.
Gewinne den "Investoren", die Verluste tragen die Steuerzahler! Neoliberalismus pur.

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