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17.10.2014

21:41 Uhr

Berlin schlechtes Vorbild

New York macht Ernst im Kampf gegen AirBnB

VonAxel Postinett

Die Vermietung von Zimmern mit der Wohn-Plattform AirBnB ist in einer teuren Stadt wie New York ein gutes Geschäft. Nicht nur für Privatleute. Missbrauch im Großen Stil treibt Blüten, wie ein Bericht jetzt offen legt.

Den Missbrauch der AirBnB-Plattform in New York legt jetzt ein Bericht offen. dpa

Den Missbrauch der AirBnB-Plattform in New York legt jetzt ein Bericht offen.

New YorkMit Klauen und Zähnen hatte sich das Start-Up AirBnB bis zuletzt gegen die Herausgabe der Daten ihrer Vermieter in New York City gewehrt. Doch Staatsanwalt Eric Schneiderman setzte sich durch. Jetzt wird klar, warum AirBnB die Daten lieber für sich behalten wollte.

Sie zeigen, dass die Vermietung über die Plattform ein sehr lukratives Geschäft ist: für das Unternehmen aus San Francisco selbst und eine große Zahl illegaler Geschäftemacher. Es sind alarmierende Erkenntnisse, die der Report „AirBnB in the City“ enthüllt. Rund 72 Prozent der Angebote in New York verstoßen demnach gegen aktuelle Gesetze. Nicht etwa arme Studenten oder einfache Mieter, die sich was dazu verdienen möchten, sind die größten Profiteure.

Es sind Großunternehmen. Ein Unternehmen alleine verdiente mit der Vermietung von 272 Einheiten in rund fünf Jahren 6,8 Millionen Dollar. Über 100 Anbieter kontrollieren je mehr als zehn Einheiten. Diese Gruppe alleine erzielte in dem Zeitraum der Untersuchung 59 Millionen Dollar der insgesamt 304 Millionen Dollar Mieteinnahmen in der Stadt.

Der Streit um Uber

Vermittlung gegen Provision

Uber vermittelt über seine Smartphone-App Uber Pop zwischen Fahrern und Gästen – dafür kassiert das Unternehmen eine Provision, die in der Regel 20 Prozent des Fahrpreises beträgt.

Konkurrenz für Taxifahrer

Der Fahrdienst macht der Taxi-Branche Konkurrenz. Er expandiert aggressiv, in Deutschland bedient er große Städte wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Das Unternehmen hat seit der Gründung 2009 rund 3,9 Milliarden Dollar Kapital erhalten, unter anderem von Google und Goldman Sachs.

Streit um offizielle Papiere

Streit gibt es vor allem um den Dienst Uber Pop, über den private Autobesitzer Fahrdienste anbieten (über Uber Black bekommen Nutzer Mietwagen mit Fahrer). In Deutschland haben mehrere Gerichte das Angebot zwischenzeitlich verboten. Viele Chauffeure haben keinen Personenbeförderungsschein – den brauchen sie aber, um auf gewerblicher Basis Fahrgäste befördern zu dürfen.

Nur eine Mitfahrzentrale?

Uber stuft die Fahrten als Mitfahrgelegenheiten ein: Wer als privater Fahrer andere mitnimmt und dafür Spritgeld nimmt, benötigt auch keinen Personenbeförderungsschein. Allerdings empfiehlt das Unternehmen einen Preis, der über den Betriebskosten liegen dürfte – damit bewertet das Personenbeförderungsgesetz die Fahrt als gewerblich.

„Rahmenbedingungen anpassen“

Uber ist sich der gesetzlichen Beschränkungen offenbar bewusst – das Unternehmen fordert immer wieder, die rechtlichen Rahmenbedingungen an neue Fahrdienste anzupassen.

Hier scheint die Grenze zur gewerblichen Vermietung und einem Hotelbetrieb weit überschritten. Auch die Prostitution hat offenbar ihren festen Platz. 2013 wurden 200 Einheiten mehr als 365 Tage pro Jahr vermietet. Es sind also sogenannte „Stundenhotels“. Die zehn meist frequentierten Einheiten brachten es auf 1.900 Übernachtungen im Jahr, hier geben sich die Gäste buchstäblich die Klinke in die Hand.

„Bisher drehte sich die Diskussion mehr um Anekdoten als um Fakten. Dieser Report soll diese Lücke schließen“, so das Büro des New Yorker Staatsanwalts. Er zeigt gleichzeitig, was für ein potenziell erfolgreiches Geschäftsmodell AirBnB gefunden hat, wenn das Unternehmen es schafft, es in legale Bahnen zu überführen.

Seit Anfang 2010, ergeben die Zahlen, haben sich die Reservierungen in New York verzehnfacht, der daraus erzielte Umsatz verdoppelt sich jedes Jahr. Im laufenden Jahr wird AirBnB alleine über 282 Millionen Dollar Umsätze in New York City verbuchen. Rund 20 Prozent dürften davon als Provision an das Unternehmen fließen.

Das Problem: die als illegal eingestufte Nutzung ist der größte Umsatzbringer. Während 94 Prozent der „Gastgeber“ maximal zwei Einheiten vermieteten, haben die restlichen sechs Prozent bis zu je 100 Einheiten und liefern damit 36 Prozent des Umsatzes. Ein Wegfall wäre ein enormer Aderlass für das Start-Up. Zumal New York nicht alleine ist.

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