Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2017

13:53 Uhr

Berliner Flughäfen

Streik ist vorerst beendet

Der Streik des Bodenpersonals an den Berliner Flughäfen ist beendet. Zumindest vorerst. Am Samstag hat das Bodenpersonal seine Arbeit wieder aufgenommen. Reisenden drohen jedoch weitere Unannehmlichkeiten.

Menschenleer ist der Check-in-Bereich im Terminal des Flughafen Schönefeld in Berlin. Die Gewerkschaft Verdi hatte die rund 2000 Beschäftigten des Bodenpersonals zum Streik aufgerufen.  dpa

Streik des Bodenpersonals an Berliner Flughäfen

Menschenleer ist der Check-in-Bereich im Terminal des Flughafen Schönefeld in Berlin. Die Gewerkschaft Verdi hatte die rund 2000 Beschäftigten des Bodenpersonals zum Streik aufgerufen. 

Berlin Reisende können erst einmal aufatmen: Das Bodenpersonal an den beiden Berliner Flughäfen hat am Samstag seine Arbeit wieder aufgenommen. Der Flugbetrieb in Tegel und Schönefeld sei wieder gut angelaufen, nur vereinzelt seien noch Beeinträchtigungen möglich, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft BER. Bereits in der kommenden Woche könnte es aber zu neuen Ausfällen kommen. Legen die Arbeitgeber im Tarifkonflikt kein neuen Angebot vor, will die Gewerkschaft Verdi den Druck erhöhen. „Es kann jederzeit losgehen“, sagte Verdi-Streikleiter Enrico Rümker.

Zugleich betonte er: „Wir lassen aber die ganze Zeit die Tür offen für die Arbeitgeber.“ Das Forum der Bodenverkehrsdienstleister Berlin-Brandenburg, in dem die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert sind, hält zunächst an seinem Angebot fest. Es setze bereits sehr hoch oben an, sagte ein Sprecher am Samstag. „Wirtschaftlich ist zurzeit kaum mehr drin.“

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Verdi fordert bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten einen Euro mehr pro Stunde für die Mitarbeiter des Bodenpersonals. Die Beschäftigten beim Check-in, beim Be- und Entladen der Flugzeuge und anderen Arbeiten auf dem Vorfeld erhielten derzeit etwa 11 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber boten zuletzt die schrittweise Erhöhung der Löhne in allen Entgeltgruppen an - bei einer Laufzeit von drei Jahren. Das Gesamtvolumen betrage acht Prozent mehr Geld als im Moment ausgegeben werde, so der Forumssprecher.

„Die Positionen liegen Lichtjahre auseinander“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Die Gewerkschaft hatte die rund 2000 Beschäftigten des Bodenpersonals zum Streik aufgerufen. Der Ausstand dauerte vom Freitagmorgen 4.00 Uhr bis Samstagmorgen um 5.00 Uhr. In einer Urabstimmung vor rund einer Woche hatten sich 98,6 Prozent der Verdi-Mitglieder für den Ausstand ausgesprochen. Die Beteiligung der Mitarbeiter habe dem entsprochen, sagte Rümker.

Bereits im Februar haben mehrere Warnstreiks für Hunderte Flugausfälle und Verspätungen gesorgt, nachdem frühere Tarifrunden ergebnislos gescheitert waren.

Streik in Schönefeld und Tegel: Hunderte Flüge in Berlin fallen aus

Streik in Schönefeld und Tegel

Hunderte Flüge in Berlin fallen aus

Passagiere auf den Berliner Flughäfen müssen am Freitag mit zahlreichen Ausfällen rechnen. Der Streik des Bodenpersonals sorgt dafür, dass in Tegel und Schönefeld fast alle Flüge gestrichen werden.

Am Samstag waren in Tegel laut Online-Auskunft die ersten beiden Flüge nach Amsterdam und Frankfurt (beide um 6 Uhr) sowie zwei Maschinen um 6.45 Uhr nach Frankfurt und Zürich gestrichen worden. In Schönefeld gab es laut Website am Samstagmorgen keine Ausfälle mehr. In Tegel waren am Freitag inklusive Frachtflügen insgesamt 455 Verbindungen gestrichen worden, in Schönefeld waren es 204.

Ein Chaos blieb nach Angaben der Flughafengesellschaft jedoch aus. „Die Airlines haben ihre Fluggäste so gut informiert, so dass diese meist gar nicht erst zum Flughafen gekommen sind“, sagte der Sprecher.

Vereinzelt hätten Fluggesellschaften - wie beispielsweise Turkish Airlines - eigenes Bodenpersonal eingeflogen, schilderte Verdi-Streikleiter Rümker. Bei Air Berlin sorgten laut „Berliner Morgenpost“ die Mitarbeiter dafür, dass Hunderte Urlauber ihre Reiseziele in der Karibik oder den USA erreichten, weil sie das Beladen der Maschinen übernahmen. Grundsätzlich sei es nicht ungewöhnlich, dass die Fluggesellschaften über Mitarbeiter verfügten, die derartige Aufgaben übernehmen könnten, sagte der BER-Sprecher.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×