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17.03.2013

18:31 Uhr

Berthold Beitz bleibt Chef der Krupp-Stiftung

„Ich musste einfach handeln“

Krupp-Patriarch Beitz will das Ruder in der Stiftung nicht abgeben. „Ich musste einfach handeln“, sagt er zum Rücktritt von Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme und kritisiert den „Größenwahn“ beim Stahlriesen.

Berthold Beitz (99), Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. dpa

Berthold Beitz (99), Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

München/EssenDer 99-jährige Berthold Beitz will an der Spitze der Essener Krupp-Stiftung bleiben und keinen Nachfolgekandidaten nominieren. „Ich mache weiter, solange ich das kann und noch klar im Kopf bin“, sagte Beitz der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe). Die Stiftung ist mit 25,3 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär des Großkonzerns, der zuletzt vor allem wegen misslungener Auslandsgeschäfte Milliardenverluste einfuhr und mit Korruptions- und Kartellvorwürfen zu kämpfen hatte. Auch Beitz war deshalb in die Kritik geraten.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Mindestens 2000 Stellen sollen in den nächsten Jahren im europäischen Stahlgeschäft gestrichen werden. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

Beitz äußerte sich auch zum Rücktritt des bisherigen Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. „Über Jahre habe ich gehört, bald werde alles besser, aber es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln“, sagte er. In Kreisen der Firma habe sich in den vergangenen Jahren „Größenwahn“ abgezeichnet.

Cromme hatte am 8. März überraschend seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp angekündigt und will auch sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung niederlegen. Noch im vergangenen Dezember hatte Beitz im Handelsblatt versichert: „Cromme bleibt“. An diesem Dienstag soll der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner zum Nachfolger Crommes als Aufsichtsratsvorsitzender gewählt werden.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.03.2013, 21:15 Uhr

Es ist nicht vorstellbar, daß hier irgendeine Instanz heil rauskommt. Weder Beitz, noch Cromme noch der übrige AR - zumindest wenn schon geraume Zeit dabei.

Hier wurden Milliarden der Aktionäre verbrannt.

Ja auch von Ihnen Hr. Beitz.
Setzen, sechs.

An_Interested_Reader

18.03.2013, 00:41 Uhr

Over the last half-year, in my various commentaries here in the Handelsblatt comments section I have stressed time and again that the culture in a firm flows downward from its most influential power-holders. Depending on the quality and character of such individuals, the bud of the rise can smell sweet, or the head of the fish can stink; at TK, the stinking fish is the head of the Krupp Stiftung.

With his statement of „Über Jahre habe ich gehört, bald werde alles besser, aber es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln“, mr. beitz has perfectly mirrored the statements of dr. chromme, where he claimed the AR trusted too long/reacted too late. Beitz and his lackeys are as clueless and impotent when it comes to implementing and enforcing Good Governance as the bozos on mr. chromme's dim-witted team were.

Now beitz, in his delusions of unique grandeur paints himself in the same colors of victimhood and irreplacible saviorhood as chromme did.

Let's recognize Beitz for the disaster is is and always has been during his long tenure at TK. Too often the press fixates on irrelevant topics pushed by the TK PR-dept, while the reality of the various existential TK disasters over the 60 years have happened while Beitz has run the joint.

The company, Stiftung and the public would be better off if the Stiftung liquidated its ThyssenKrupp assets and diversified them so that they could manage themselves and not continue to disasterously interfere in this single company.

An_Interested_Reader

18.03.2013, 04:14 Uhr

This is the text I sent to the editors of Süddeutsche Zeitung:

Opacity and opacity piled atop bad governance and incompetence pure.

The Krupp Stiftung was a solution to a demand of the German government as a condition of being recapitalized (the illiquidity of Die Firma was itself an outcome to Beitz's ill-advised expansion behind the iron curtain and the refusal of Deutche Bank to release credit to Krupp) that in the name of Good Governance the Alleininhaber structure be dismantled.

But what has really changed? Essentially nothing! In-fact, the governance structure of today's TK is more complicated, more concentrated, less transparent and more destructive than ever.

Mr. Beitz is essentially the Alleininhaber of the company, but the added destructiveness by financing his strategic blunders by leveraging others. Firstly by bolting-on capital via hostile acquisition and secondly by increasing capital via share sales (many to employees), while maneuvering to keep control over a quarter of the equity (this itself limits the flexibility of management to increase capital by limiting outside share sales to 3x the Stiftung's capital available for investment - which itself is very limited.)

The ridiculous culture at Die Firma leading to scandal after scandal while the company bleeds value is a direct result of Mr. Beitz's and The Stiftung's unfair, unquestionable and unimpeachable concentration of power atop the pinnacle of ThyssenKrupp.

Given decades of demonstrated poor performance and the ling-term decline of TK, it is well past time for Beitz and his Stiftung to be demoted to "nothing more" than a regular shareholder with no more rights or privileges than any other owner.

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