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03.01.2005

07:05 Uhr

Beruf: Katastrophenmanager

DRK-Generalsekretär koordiniert Hilfen für die Flutopfer

VonPeter Thelen

Für den Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Clemens Graf von Waldburg-Zeil, 44, war es ein kurzer Weihnachtsurlaub. Unmittelbar nach den ersten Nachrichten am zweiten Weihnachtsfeiertag über die Flutkatastrophe in Südasien saß der Vater von fünf Kindern an seinem Schreibtisch der deutschen DRK-Zentrale in Berlin.

HB BERLIN. Die Stadt hatte der gelernte Wirtschaftsinformatiker mit Steuerberatungserfahrung erst gar nicht verlassen. „Mir steckte noch die Erfahrung von exakt vor einem Jahr in den Knochen, als die verheerende Erdbebenkatastrophe im iranischen Bam alle unsere Kräfte in Anspruch nahm“, sagt er dem Handelsblatt.

Bam war eine der ersten Großkatastrophen, die Waldburg-Zeil für das DRK zu bewältigen hatte. Er ist erst seit Anfang vergangenen Jahres oberster Manager der Hilfsorganisation. Vorher versuchte der gebürtige Münchener als Finanzdezernent des katholischen Erzbischofs von Berlin die maroden Finanzen des Hauptstadtbistums in Ordnung zu bringen. Zwar gelang es ihm, ein modernes Rechnungswesen einzuführen. Doch seine Versuche, die Kirche zum Sparen zu zwingen, scheiterten am Widerstand von Kardinal Sterzinsky. Genug Geld zu haben, ist auch für seinen heutigen Job entscheidend, weiß der gläubige Katholik aus dem Adelsgeschlecht derer von Waldburg-Zeil und Trauchburg, dessen Wurzeln ins 12. Jahrhundert zurückreichen. „Erst haben wir uns mit Hilfe der Uno und des Auswärtigen Amtes ein Bild von der Lage verschafft. Dann ging es darum, die Öffentlichkeit schnell zu informieren, um Spenden zu sammeln.“ Dabei müsse die kurze Zeit, in der die Katastrophe das öffentliche Bewusstsein beherrscht, genutzt werden, um genug für ein auf zwei Jahre angelegtes Hilfsprogramm zusammenzubekommen. Das klinge zynisch, räumt er ein. Doch allein mit öffentlichen Geldern, die von der Bundesregierung etwa für Trinkwasseranlagen kommen, gehe es nicht.

„Natürlich fangen wir mit der Hilfe nur an, wenn die betroffenen Länder sie wünschen.“ Bei der Koordination vor Ort spielen die nationalen Organisationen des Roten Kreuzes bzw. des islamischen Roten Halbmonds eine große Rolle. Sie stellen den größten Teil des Personals. „Wir schicken vor allem Spezialisten.“

Also alles Routine? „Auch“, sagt Waldburg-Zeil. Doch sieht er bei der Flutkatastrophe einen großen Unterschied zu früheren Unglücken mit ähnlich viel Opfern. „Noch nie war ein so großes Gebiet gleichzeitig betroffen, selten so viele Touristen.“ Um sie und ihre Angehörigen kümmern sich derzeit der Münchener Suchdienst des DRK und psychologisch geschulte Betreuer.

Und die Finanzierung? „Die Spendenbereitschaft ist überwältigend. Bis Silvester sind über drei Millionen Euro bei uns eingegangen, fast so viel wie nach dem Anschlag vom 11. September.“ Der Generalsekretär rechnet damit, dass es am Ende 25 bis 30 Millionen Euro sein werden.

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