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25.02.2017

17:50 Uhr

Buch von Jack Nasher

Wie Sie kompetenter rüberkommen

VonThorsten Giersch

Jeder will kompetent wirken. Wie dumm, dass echte Kompetenz dabei nutzlos ist. Jack Nasher zeigt in seinem Ratgeber, wie jeder an seiner Eigendarstellung arbeiten kann – und warum der Schein wichtiger als das Sein ist.

Erfolg oder Misserfolg haben erschreckend wenig Auswirkung auf die Wahrnehmung von Kompetenz. Getty Images

Was kann der Chef?

Erfolg oder Misserfolg haben erschreckend wenig Auswirkung auf die Wahrnehmung von Kompetenz.

DüsseldorfHaben Sie das Talent, Menschen dazu zu bekommen, dass sie Sie mögen? Bestimmt. Sie geben sich freundlich, lächeln, machen Komplimente. Experimente haben gezeigt, dass sich die meisten da relativ leicht tun. Ganz anders sieht es aus, wenn Menschen zeigen wollen, dass sie kompetent sind. Man spricht hochgestochen, sitzt steif - kurzum: Viele scheitern kläglich.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Jack Nasher, Professor an der Munich Business School und Unternehmensberater, kennt solche Studien. Er kennt sich gleichermaßen in Theorie und Praxis aus. Ihm sind schon zuvor Bestseller gelungen und den Spitznamen “Lügenpapst” hat er sich nicht durch das Distribuieren von Unwahrheiten erworben, sondern durch seine Ratgeber zum Thema, wie man Lügen entdeckt. Jetzt geht Nasher in seinem Buch “Überzeugt”, das gerade bei Campus erschienen ist, das Thema Kompetenz an - mit großem Erfolg. Die Lektüre lohnt sich - einige Beispiele:

Studien zeigen, dass Kompetenz im beruflichen Kontext neben Glaubwürdigkeit und Beliebtheit die wichtigste Kompetenz ist. Wer Kompetenz ausstrahlen will, sollte wissen: Menschen können Kompetenz nicht sachgerecht bewerten. Es geht ergo nicht um die tatsächliche Kompetenz, sondern um die wahrgenommene. Man bekommt eher das, was man verhandelt, nicht das, was man verdient.

Das ist erwartbar. Überraschender aber ist die These: “Erfolg oder Misserfolg haben erschreckend wenig Auswirkung auf die Wahrnehmung von Kompetenz.” Man könne eben auch beim Scheitern kompetent wirken und im Erfolg inkompetent. Ergebnisse sprechen eben nicht für sich. Und von Gerechtigkeit kann keine Rede sein.

Schritt eins zum Glück: “Versuchen Sie nicht, eine gute Wahl zu sein. Eliminieren Sie alles, was Sie zu einer schlechten Wahl macht.” Man soll erkennen, was gegen einen spricht und genau diese Gegenargumente entkräften. Und vor allem rät Nasher: Demonstrieren Sie Zuversicht! Denn auf die reagieren Menschen noch positiver als auf gute Argumente. “Bescheidenheit dürfte die in Firmenkorridoren und Sitzungssälen am meisten verbreitete Form der Selbstzerstörung sein.”

Die Hirnforschung ist in den vergangenen Jahren weit vorangekommen und sagt zum Beispiel, wie wichtig das Framing einer Situation ist, also das man sie in die richtigen Bahnen setzt. Entsprechend ist die eigene Wahrnehmung von Erfolg oder Misserfolg entscheidend.

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