Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2017

10:50 Uhr

Bücher über TED Talks

So halten Sie die perfekte Rede

VonThorsten Giersch

Bill Gates, Steve Jobs, die Clintons: Zahlreiche berühmte Menschen, aber auch Wissenschaftler haben aus den TED Talks die berühmteste Vortragsreihe der Welt gemacht. Jetzt kann jeder lernen, wie es geht.

Das frühere Apple-Chef hat sich monatelang auf Präsentationen vorbereitet und ließ sich vor TED-Konferenzen bereitwillig schulen. dpa

Steve Jobs war einer der großartigsten Redner

Das frühere Apple-Chef hat sich monatelang auf Präsentationen vorbereitet und ließ sich vor TED-Konferenzen bereitwillig schulen.

DüsseldorfIdeen sind im 21. Jahrhundert die härteste Währung. Doch sie nützen einem nicht viel, wenn man sie nicht unter die Leute bringen kann. Reden halten, Präsentieren, mit einem Vortrag inspirieren: eine Kunst, die jeder lernen kann. Und am besten lernt man von denen, die es am besten können.

Die TED Conference ist die berühmteste Vortragsreihe der Welt. Das Kürzel steht für Technology, Entertainment, Design. Wer live dabei sein will, legt vierstellige Beträge auf den Tisch. Inzwischen gibt es die Konferenz auch weltweit. Die besten Vorträge werden auf Youtube oder in der kostenfreien TED-App Millionen Male geklickt. Egal wie berühmt ein Redner ist: Er muss sich von den Machern der Konferenz beraten lassen. Es gibt eine intensive Begleitung über Monate hinweg. Und es gibt eine eiserne Regel: Kein Vortrag darf länger als 18 Minuten sein.

Wie Sie garantiert langweilig präsentieren

„Guten Tag, meine Damen und Herren“

Wenn Sie  - wie es meistens vorkommt - die meisten Zuhörer ohnehin schon begrüßt haben, sollten Sie auf diese Anrede dringlich verzichten, weil sie unnatürlich wirkt. Wenn Sie vor einer großen Gruppe referieren und eine Begrüßung sein muss, machen Sie diese erst nach einem flotten Einstieg.

„Zahlreich erschienen“

„Es freut mich sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind.“ Sagen Sie diesen Satz niemals! Erstens interessiert keinen der Zuhörer, was Sie persönlich freut. Und zweitens sitzen die meisten ohnehin nicht freiwillig dort.

„Entschuldigen Sie ...“

Man fängt zu spät an, der Beamer ist nicht hundertprozentig, die Luft ist schlecht, der Kaffee kalt und am besten entschuldigen Sie sich auch noch für die wenige Zeit, die für die Vorbereitung zur Verfügung stand. Lassen Sie es!

Lebenslauf vorstellen

Manchmal muss man erklären, wer man ist und woher das Wissen kommt, das hier vermittelt wird. Aber halten Sie diese Passage so kurz wie möglich!

Der Themen-Überblick

„Bevor ich zum Thema komme, lassen Sie mich kurz die Inhalte vorstellen...“ Werfen Sie die Inhaltangabe niemals an die Wand, nehmen Sie nicht die Spannung weg! Das raubt nur Zeit und das gerade am Anfang der Präsentation. Vergeuden Sie die jetzt noch starke Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer nicht mit einem langweilig Überblick!

Fragen stellen

„Ich bitte Sie, Ihre Fragen bis zum Schluss aufzuheben.“ Völlig falsch. Erstens nimmt das der Präsentation die Abwechslung, zweitens ist es unhöflich und drittens wirken Sie dadurch angreifbar. Außerdem müssen Verständnisfragen sofort geklärt werden.

USP, NGO und alles pushen

Fachbegriffe, Anglizismen – na wer so redet hat doch Ahnung, oder? Verzichten Sie darauf, machen Sie es den Zuhörern möglichst einfach!

„Kacke am Dampfen“

Auf der anderen Seite gehört Jugend- und erstrecht Fäkalsprache auch nicht in eine Präsentation. Verzichten sie auf Coolness, das gilt auch für das lässige Sitzen auf der Tischkante.

„Kennen Sie schon den?“

Niemals Witze erzählen! Erstrecht nicht über Minderheiten.

Dunkler Raum, große Leinwand

Dunkeln Sie niemals den Raum zu sehr ab, egal wie die Leinwand rüberkommt! Das ermüdet die Zuhörer und Sie selbst geraten häufig auch noch aus dem Blickfeld.

Notizen in der Hand

Ihre Hände sind ein wichtiges Kommunikationsmittel. Verzichten Sie daher wenn irgend möglich auf Notizen in der Hand! Auch Kugelschreiber gehören dort nicht hin. Gestikulieren Sie im Gegenteil, allerdings nicht übertrieben.

Der Blick

Viele Redner schauen, wenn sie unsicher sind, über die Köpfe der Zuhörer hinweg. Vermeiden Sie das, schauen Sie den Menschen vor Ihnen ins Gesicht!

Vielen Dank!

„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ – am besten nicht nur sagen, sondern auch noch auf die letzte Folie geschrieben. Lassen Sie das!

Nun kamen gleich mehrere Bücher in den Handel, die erklären, was die Top-Performer ausmacht. Carmine Gallo hat für sein Buch “Talk like Ted” mehr als 500 Präsentationen analysiert. Er erkannte Muster und generierte daraus Ratschläge. Gallo appelliert an die Leidenschaft und klingt etwas “Amerikanischer”, also gefühlsbetonter.

Das zweite Buch über die TED Talks stammt von dessen Macher selbst: Chris Anderson ist seit 2002 Kurator der TED Conference und machte sie zu der weltweit bekannten Ideen-Plattform, die sie heute ist. Die beiden Autoren widersprechen sich nicht und sind unterschiedlich genug, dass sich die Lektüre beider Bücher lohnt. Wer nur eines lesen möchte, sollte Anderson nehmen.

Ein kleiner aber feiner Unterschied ist, dass Anderson den Inhalt überraschend hoch priorisiert: So wichtig wie die Verpackung, das Wie, auch sein mag: Das WAS ist immer noch entscheidend. Die Idee, der Inhalt des Vortrages, muss gut sein. Laut eigener Aussage lässt er auch sehr prominente und exzellente Redner nicht auf die TED-Bühne, weil ihm die Idee ihres Vortrages nicht wichtig oder neu genug erscheint. Da gilt der Handelsblatt-Claim: Substanz entscheidet.

Ähnlich evident - Entschuldigung! Ähnlich offensichtlich ist der nächste Ratschlag: "Sie dürfen nur die Instrumente verwenden, die auch Ihrem Publikum zur Verfügung stehen”, mahnt Anderson und meint damit: Sprechen Sie die Sprache Ihrer Zuhörer, setzen Sie nicht zu viel Wissen voraus. Wer denkt, das sei leicht zu verhindern, hat noch nie eine Präsentation gehört. Es braucht Übungsrunden und zwar vor Freunden, die das Thema nicht kennen. Arbeitskollegen sind in der Regel schon zu tief drin in der Materie, um als Sparringspartner geeignet zu sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×