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03.03.2017

16:40 Uhr

Der moderne Mann

Das Problem mit Ulf

VonHerr K.

Der Ulf von Fresenius ist nun der Mark von Nestlé. Ein kluger Schritt, findet Herr K. Denn während Tom, Joe und eben Mark dazu gemacht sind, Weltkonzerne zu leiten, haben Benjamin und Keanu schon verloren.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Wohlklingende Vornamen werden für die Karriere immer wichtiger. Herr K. merkt das am neuen Nestlé-Chef Schneider. Als der noch den etwas weniger glamourösen Gesundheitskonzern Fresenius anführte, hieß er Ulf. Ulf Schneider. Sonst nichts. Ulf klang nach deutscher Verlässlichkeit. Die Ulfs, die Herr K. in seiner Jugend kannte, trugen Lederköfferchen, Seitenscheitel und Verantwortung für die Informatik-AG oder wenigstens das Krötenzaun-Projekt der Klasse. Ulf war im besten Sinne eine menschgewordene Excel-Tabelle.

Als Ulf kann man aber nur in Deutschland Weltkarriere machen, muss sich Ulf Schneider gedacht haben, denn irgendwann hieß er Ulf M. Schneider. Und jetzt, bei Nestlé in der Schweiz, lernte man, dass sein M. für Mark steht. Mark klingt nach Ferienhaus auf Long Island, Auftritt beim World Economic Forum und Duz-Freundschaft mit Bruce Springsteen. Na ja. Fast. Jedenfalls heißt Herr Schneider jetzt nur noch Mark. Mark Schneider. Ein bisschen Luft wäre noch, hin zu Mark Snyder. Den Ulf jedenfalls gibt’s nicht mehr.

Ist das traurig, verräterisch, pragmatisch? Vielleicht wird ihm beim nächsten Klassentreffen seines Abitur-Jahrgangs jemand nach dem dritten Grauburgunder schmallippig entgegenlallen: „Da Ulf issa etz was Besseres. Der issa etz n Mark.“ Aber das ist sicher eher zu verschmerzen, als wenn Donald Trump bei einem deutsch-amerikanischen Business-Summit fragt: „Julf? Alf? How do you pronounce that fucking first name?“

Herr K.: Wann ist ein Mann ein Mann?

Herr K.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Schon seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt wöchentlich die Kolumnen von Herrn K. – dem modernen Mann. Höchste Zeit, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer befragt – zu Geldanlagen, Grill-Typen und jammernden Männern.

Es gibt ja deutsche Namen, zu denen man Eltern nicht wirklich raten kann – internationale Karriere-Ambitionen hin oder her. Sören zum Beispiel, Heinz oder Fürchtegott. Adolf ist wahrscheinlich eh verboten, oder? Bengt, Zora und Ronja klingen dagegen nach anti-autoritärer Ratz-und-Rübe-Kita-Kommune in Kreuzberg. Auch damit hat der Nachwuchs verloren, bevor es losgeht.

Und selbst Benjamin ist eigentlich nur so lange lustig, wie das Kind noch in dicker Windel durch den Garten stolpert. Aber welcher Benni soll denn später mal als Chef eines global operierenden Mischkonzerns ernst genommen werden? Andererseits klingen Kevin oder Keanu auch nicht internationaler, sondern eher nach kettenrauchenden Müttern in Hello-Kitty-Leggins. „Keanuuu, du solls nisch dem Justin ins Gesicht treten!“

Und wer Shiloh Nouvel oder Knox Leon heißt, hat entweder eine Zukunft als drogenkranker Aushilfskellner vor sich oder Brad Pitt und Angelina Jolie als Eltern hinter sich. Beides birgt gewisses Problempotenzial, während die vielen Naomis, Shanias und Shakiras nicht mal mehr als Prollwitze von Stadtteil-Comedians eine Chance haben. Dann lieber Jasper, Joe oder Tom. Kurz muss es sein. Irgendwie global. Austauschbar.

Herr K. heißt mit Vornamen Stefan. Wie weit das karrieretechnisch trägt, können Sie jetzt mal selbst beurteilen. Als Ulf hätte er immerhin Fresenius-Chef werden können.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

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