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10.02.2017

15:24 Uhr

Der moderne Mann

Moderner schlafen

VonHerr K.

Die Welt steht Kopf – wegen Trump, der Türkei und der neuen „Bachelor“-Staffel. Das ist zu viel für Herrn K. Er will sich abschotten und den Trend Cocooning ausprobieren – im Boxspringbett.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Demnächst geht die Welt unter... so viel ist klar. Trump, Türkei, Flüchtlingsprobleme, und auf RTL hat eine neue Staffel „Bachelor“ begonnen. Es kann nicht mehr lange dauern, bis alles endgültig den Bach runtergeht, was zugleich einen altbekannten Trend neu befeuert: Cocooning.

Dessen Hintergrund: Mit einem möglichst kuscheligen Zuhause will der Mensch den Stürmen draußen trotzen. Das ist zumindest finanziell umso einfacher, als es Deutschland so gut geht wie selten zuvor. Diese gegenläufigen Entwicklungen –  schlimme Welt, viel Geld – führen dazu, dass Herr K. und seine Frau am Samstag in einem Möbelhaus sogenannte Boxspringbetten studieren, die den Gegenwert gebrauchter Mittelklasse-Limousinen erreichen können.

Herr K.: Wann ist ein Mann ein Mann?

Herr K.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Schon seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt wöchentlich die Kolumnen von Herrn K. – dem modernen Mann. Höchste Zeit, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer befragt – zu Geldanlagen, Grill-Typen und jammernden Männern.

In seiner Uni-Zeit hat er jahrelang auf einem Futon gelegen, der so gemütlich war wie eine Pressspanplatte. Keine Ahnung mehr, wie diese Lappen mal Trend werden konnten. Mittlerweile sind Futon-Shops so angesagt wie Videotheken und Squashhallen. Ihre letzten Matratzen haben Herr K. und seine Frau in einem dieser Super-Outlet-Rabatt-Discounter gekauft, die einen schon auf 500 Meter Entfernung in Neonfarben anschreien: „Hier! Gibt‘s! Prozente! Aber! Sowas! Von!“

„Viele wechseln das Auto öfter als die Matratzen“, lächelt die Fachberaterin milde. „Dabei schlafen wir weit mehr Zeit unseres Lebens, als dass wir Auto fahren.“ Herr K. fühlt sich ertappt. Er wusste bislang ja nicht, dass die obere Taschenfederkernmatratze im Boxspringbett handgenäht ist. Und er hatte keine Ahnung, dass der atmungsaktive Luftraum der Untermatratze mit den Bewegungen des Schläfers eine Art Blasebalg-Effekt schafft, der klimatisch … also jedenfalls ist Schlafen mittlerweile eine Wissenschaft geworden.

„Und dafür sind auch wirklich keine polnischen Puten gestorben?“, witzelt Herr K., während er sich probeweise auf die Matratze legt. Die Verkäuferin spult daraufhin einen langen Monolog ab: über Stahlfeder-Manufakturen im Erzgebirge, handgekraulte Schafswolle aus österreichischer Bergbauern-Zucht und die Bildungsprogramme für die Kinder brasilianischer Naturlatex-Produzenten, die irgendwann vor Herrn K.s Augen anfangen, einen Nachhaltigkeits-Sirtaki zu tanzen.

„Im Lieferumfang enthalten sind natürlich auch Körperfunktions-App und die vierwöchige Schlafbegleitung durch einen unserer malaysischen Schamanen“, sagt die Beraterin. Schäfchen aus mundgeblasenem Muranoglas hüpfen über Herrn K. hinweg‧. Donald Trump schreit ihnen in einem Latex-Anzug irgendwas ins Ohr wie: „Hallo, Lauch-Macken! Sauf-Rachen! Auf-Wachen! Du bist eingeschlafen“, rüttelt seine Frau an Herrn K.s tiefenentspannter Nackenmuskulatur und zerrt ihn aus der Boxspringbetten-Abteilung. „Ich will dieses Bett“, ruft Herr K. „Bitte ... es war so lustig!“ Er will wenigstens den Weltuntergang konsequent verschlafen.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

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