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20.02.2017

07:32 Uhr

Feierknigge für Manager

So kommen Sie als Chef sicher durch den Karneval

VonCarina Kontio

Schunkeln, Küsschen, Riesenstimmung: Wenn „das Trömmelche jeht“, herrscht auch am Arbeitsplatz wieder der Ausnahmezustand. Doch das närrische Treiben im Karneval hat seine Grenzen. So halten Sie sich an die Spielregeln.

Unter manch einer Narrenkappe steckt ein Vorstandschef. Getty Images

Unter manch einer Narrenkappe steckt ein Vorstandschef.

DüsseldorfVorsicht ist angebracht, wenn sie wieder schunkeln, die jecken Vampire, Römer, Ritter, Polizisten und Piraten. Die „fünfte Jahreszeit“ steht kurz vor ihrem Höhepunkt. Doch nicht nur im Straßenkarneval, sondern auch am Arbeitsplatz werden oft Anzüge gegen Narrenkostüme und Pappnasen getauscht und Vertriebsleiter tagelang nicht mehr mit „Herr Müller“, sondern nur noch mit nur noch mit „Prinz Karneval Ralf III“ angesprochen. Es herrscht eine krisenunabhängige, fröhliche Atmosphäre in Deutschlands Bürowelt, und so mancher lernt Chef und Kollegen endlich auch mal auf persönlicher Ebene kennen.

Nun will ich Ihnen nicht von vornherein den Spaß daran verderben, sich auch in diesem Jahr wieder stilecht zum Affen oder zum Clown zu machen. Doch das närrische Treiben hat seine Grenzen. Auch wenn einige Jecken glauben, dass in der Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch die Regeln des Arbeitsverhältnisses (und manchmal nicht nur diese) außer Kraft gesetzt sind. Das diesjährige Kölner Karnevalsmotto „Mer stelle alles op der Kopp“ sollten Sie aber auf keinen Fall wörtlich nehmen.

10 Fakten zum Karneval

D'r Zoch kütt

Der Kölner Rosenmontagszug ist der älteste und längste Karnevalsumzug in Deutschland. Den ersten Maskenumzug organisierte ein eigens gegründetes "Festordnendes Comité" 1823.

Eimol Prinz zo sin

Prinz Holger I., Bauer Michael, Jungfrau Alexandra bilden das aktuelle Trifolium. Seit der Proklamation am 9. Januar 2015 residieren die drei Freunde aus der Flittarder KG in ihrer Hofburg, dem Pullman-Hotel.

Kamelle un Strüßjer

300 Tonnen Süßigkeiten und über 300.000 Sträußchen haben die Zugteilnehmer 2014 dem Narrenvolk zugeworfen. Erfahrene Jecken ziehen daher Kostüme mit Helmen an, die auch heranrotierenden Pralinenschachteln standhalten, etwa Ritterharnische oder Astronautenanzüge.

Orangene Funken

114 Fest-/Prunk-/Persiflagewagen und Kutschen formierten den Zug 2014, mit dabei wie immer Abordnungen der roten und blauen Funken. Doch dahinter und daneben waren auch die orangenen Funken mit einem Großaufgebot zur Stelle: 95 Fahrzeuge der Abfallwirtschaftsbetriebe räumten 429 Kubikmeter Müll weg.

Kosten

Das Festkomitee verfügt über einen Etat von rund zwölf Millionen Euro, "D'r Zoch" stellt den mit Abstand größten Ausgabeposten dar. Er ist nicht kostendeckend. Die Stadt Köln bezuschusst den Zug mit rund 150.000 - 170.000 Euro, erhält aber vom Festkomitee wiederum 80.000 Euro für den Tribünenbau am Zugweg.

Freie Jecken

Obwohl die Kosten nicht gedeckt sind, bleibt der Zug werbefrei, auf den Prunk- und Persiflagewagen findet sich keine Werbung für fremde Firmen. Und auch nicht für die eigenen des Zugleiters oder anderer Festkomitee-Mitglieder. Das wäre auch insofern unpassend, da Zugleiter Christoph Kuckelkorn im Hauptberuf Bestatter ist, Familienbetrieb in der fünften Generation.

Gewerbesteuer

Die Stadt Köln profitiert vom närrischen Treiben auch wirtschaftlich. So berechnet die Boston Consulting Group allein das Gewerbesteueraufkommen aus dem Karneval auf vier bis fünf Millionen Euro.

Hochdekoriert

104.000 Karnevalsorden werden jede Session hergestellt. Umsatz: rund 5,1 Millionen Euro laut BCG. Die Orden stellen ursprünglich eine Persiflage auf die militärischen Orden der Preußen dar und sind mittlerweile begehrte Sammlerstücke.

Narrennachwuchs

Rund neun Monate nach den tollen Tagen steigt in der Domstadt die Geburtenzahl. Das IW Köln hat eine deutliche Abweichung vom Mittelwert festgestellt, laut Daten von Information und Technik NRW. So wurden 1270 Kinder im Dezember 2012 geboren, im Gesamtjahr nur 10.372.

Denn eine Narrenfreiheit, darauf weißt der Berliner Verband „Die Führungskräfte“ (DFK) hin, gibt es während der tollen Tage im Büro nicht. An Karneval, so heißt es in einer Mitteilung, sollte man es nicht übertreiben und sich an die Spielregeln halten. Oliver Flesch ist DFK-Rechtsanwalt und hat einen Fünf-Punkte-Plan für die fünfte Jahreszeit erstellt, der beachtet werden sollte.

1. Urlaub

Karneval schützt vor Arbeit nicht. Die klassischen Karnevalstage sind ganz normale Arbeitstage und keine gesetzlichen Feiertage. Dies bedeutet: Wer feiern will, muss Urlaub nehmen. Eine Selbstbeurlaubung kennt das deutsche Urlaubsrecht nicht. Wer dies missachtet und ohne Zustimmung des Arbeitgebers seinen Arbeitsplatz verlässt, zu Hause bleibt oder grundlos „krank feiert“, muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung rechnen. Einige Unternehmen gewähren ihren Arbeitnehmern beispielsweise am Rosenmontag einen freien Tag. In der Regel handelt es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers.

Wenn jedoch der Arbeitgeber in der Vergangenheit solche Tage regelmäßig von der Arbeitspflicht ausgenommen und nicht klargestellt hat, dass er dies freiwillig tut, kann nach den Grundsätzen der so genannten betrieblichen Übung auch für die Zukunft ein Anspruch auf den freien Tag für die Arbeitnehmer entstehen. Arbeitgeber, die das vermeiden wollen, werden beispielsweise folgende Formulierung wählen: „In diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, den Betrieb an Rosenmontag (eventuell mit zeitlicher Einschränkung ab 12 Uhr) zu schließen. Für das kommende Jahr behalten wir uns eine andere Entscheidung ausdrücklich vor.“

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