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10.03.2017

11:46 Uhr

Karriere

Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu Recruitern machen

VonLisa Oenning

Im Jahr müssen Konzerne Tausende Stellen neu besetzen. Immer mehr eigene Mitarbeiter übernehmen die Personalsuche für ihren Arbeitgeber gegen eine Prämie – so wie bei der Deutschen Bahn und dem Versandhändler Otto.

Beim Recruiting zapfen viele große Unternehmen die Kontakte ihrer Mitarbeiter in sozialen Netzwerken an. Getty Images AlonzoDesign

Konzerne rüsten digital auf

Beim Recruiting zapfen viele große Unternehmen die Kontakte ihrer Mitarbeiter in sozialen Netzwerken an.

DüsseldorfStellen Sie sich vor, Sie könnten mit Ihren besten Freunden zusammenarbeiten. Und für jeden Kumpel, den Sie in die Firma holen, bekommen Sie 5.000 Euro. Was sich wie eine moderne Version des Kopfgeldes aus Western-Filmen anhört, gilt in Personaler-Kreisen als Königsdisziplin im Recruiting: Mitarbeiter werben Mitarbeiter.

Bei der Deutschen Bahn hat sich diese Form der Personalsuche bewährt. Deshalb verabschiedet sich der Staatskonzern im Sommer auch von seiner alten Strategie zur Personalgewinnung „Kein Job wie jeder andere“. Stattdessen starten die Berliner eine neue Kampagne, um noch mehr Mitarbeiter über eigene Angestellte zu gewinnen. Deren Namen will die Bahn allerdings noch nicht verraten.

14 Tipps für einen erfolgreichen Start

Hintergrundwissen aneignen

Vorab sollten möglichst viele Informationen über die neue Firma eingeholt werden, zum Beispiel per Internetrecherche. Wer in ein inhabergeführtes Unternehmen kommt, sollte vor seinem ersten Arbeitstag schon einmal ein Bild des Inhabers gesehen haben – sonst könnte es peinlich werden, wenn man ihn am Kaffeeautomaten nach seinem Namen fragt.

Beobachten

Unsicherheit darüber, wie man sich den anderen gegenüber verhalten soll, ist am Anfang ganz normal. Welche Umgangsformen herrschen in der neuen Firma? Welche internen Regeln gibt es? Schon im Vorstellungsgespräch und später dann vor Ort ist es hilfreich, die anderen genau zu beobachten und sich an dem Verhalten der anderen zu orientieren.

Vorstellungsrunde vorbereiten

Egal, ob der Chef Sie durch die Abteilungen führt oder Sie sich vor dem Team selbst vorstellen: Überlegen Sie sich eine kurze Einleitung, das alle wichtigen Informationen zu Ihrer Person, Ihrer bisherigen Laufbahn und Ihrem neuen Aufgabenbereich enthält. Ein Kuchen ist nie verkehrt – und vergessen Sie auf keinen Fall, auch den Chef dazu einzuladen. 

Die richtige Kleidung

Informieren Sie sich noch vor dem ersten Arbeitstag, welche Kleidung in der Branche üblich ist. Der Faktor Kleidung ist enorm wichtig, denn das richtige Outfit drückt Zugehörigkeit aus.

Zu Fehlern stehen

Natürlich sollte man den gleichen Fehler nicht dreimal hintereinander machen, doch sind Fehler gerade am Anfang alles andere als ungewöhnlich. Versuchen Sie nie, einen Fehler zu verheimlichen sondern fragen Sie stattdessen nach, wie Sie ihn beim nächsten Mal vermeiden können.

Schlüsselpersonen identifizieren

Die ersten Wochen dienen auch dazu, die Personen zu identifizieren, die für einen selbst am wichtigsten sind. Das können neben dem direkten Vorgesetzten auch andere Mitarbeiter und Kollegen sein.

Nicht sofort nach Urlaub fragen

Es gibt einige Dinge, die in den ersten Tagen tabu sind: Dazu gehört unter anderem die Frage nach dem nächsten Urlaub. Ebenso sollten Sie es vermeiden, unpünktlich zur Arbeit oder zu Terminen zu erscheinen oder sich zu früh in den Feierabend zu verabschieden.

Die Ressourcen kennen

Erkundigen Sie sich zu Beginn, auf wen Sie zugreifen können und wer wann informiert werden muss.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Am Anfang ergeben sich sicherlich viele Fragen. Doch stören Sie Kollegen oder Vorgesetzte nicht während eines Telefongesprächs oder wenn er oder sie offensichtlich in Eile ist, sondern warten Sie einen passenden Moment ab.

Arbeitsstile

Tauschen Sie sich mit Kollegen über bevorzugte Arbeitsstile aus. Möchte jemand zum Beispiel lieber persönlich, per Telefon oder per E-Mail informiert werden?

Zwischenmenschliche Kontakte forcieren

Warten Sie nicht darauf, dass die Kollegen Sie zur Kaffeepause abholen, sondern gehen Sie selbst auf die anderen zu. Haben Sie eine Frage an den Chef, gehen Sie kurz vor dem Mittagessen zu ihm und anschließend gemeinsam in die Kantine.

Genau zuhören

Geben Sie sich stets Mühe, genau zuzuhören, was das Gegenüber mag. Merken Sie sich dieses Detail und greifen Sie es an gegebener Stelle wieder auf – das zeigt nicht nur, dass Sie aufmerksam zuhören, sondern drückt auch Wertschätzung aus.

Nicht über den alten Job lästern

Bei Nachfragen nach dem alten Job sollten Sie stets sachlich bleiben. Über die alten Kollegen oder den Chef herziehen, ist tabu.

Mit Kritik zurückhalten

Halten Sie sich zunächst an die Vorgaben, die man Ihnen macht, auch wenn diese Ihnen in manchen Fällen weniger sinnvoll erscheinen sollten. Wenn Sie sich eingearbeitet und das Unternehmen in Ruhe kennen gelernt haben, können Sie immer noch Verbesserungsvorschläge machen.

Jedes Jahr besetzt die Deutsche Bahn mehr als 10.000 Stellen mit Fach- und Führungskräften neu. Hinzu kommen noch einmal 3.700 Plätze für Auszubildende und Dual-Studierende. Eine große Aufgabe in einer Zeit, in der sich immer mehr Jugendliche für ein Studium an einer Universität entscheiden – und gut ausgebildete IT-Experten eine Rarität sind.

Mit Plakaten, Spots und digitalen Formaten will die Deutsche Bahn mit ihrer Kampagne ein authentisches Bild von sich als Arbeitgeber zeichnen. „Wir setzen auf entwaffnende Ehrlichkeit und zeigen die DB so, wie sie ist, gut, aber nicht perfekt“, sagt Kerstin Wagner, Chefin der Personalgewinnung. „Wir suchen Menschen, die mit uns die Bahn besser und sympathischer machen wollen.“ Die Protagonisten der Spots: einfache Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Im Jahr gewinnt der Staatskonzern über zehn Prozent an neuen Mitarbeitern im Bahntower über Empfehlungen von Kollegen. Etwa ein Drittel aller Neuanstellungen in Deutschland kommen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über persönliche Kontakte zustande. Neben der Deutschen Bahn setzen auch der Versandhändler Otto, die Unternehmensberatungen E&Y und Accenture sowie Tchibo oder Ratiopharm beim Recruiting auf die eigenen Mitarbeiter.

Davon profitieren aber nicht nur Jobsuchende und Arbeitgeber. Auch für Angestellte lohnt es sich, einen guten Freund oder Bekannten für eine vakante Stelle vorzuschlagen. Die meisten Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern Prämien. Die Deutsche Bahn vergütet eine Stellenbesetzung durch eine Empfehlung mit 1.500 Euro, pro Auszubildenden gibt es 500 Euro. Das Geld erhalten die Mitarbeiter nach der Einstellung. Hin und wieder richtet das Unternehmen Sonderaktionen aus – und verlost beispielsweise unter allen jenen, die eine Empfehlung ausgesprochen haben, ein iPad. „Es ist wichtig, die Mitarbeiter regelmäßig auf das Empfehlungsprogramm aufmerksam zu machen. Denn jeder von uns hat einen tollen Freundeskreis oder Familienmitglieder“, sagt Wagner.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Bei Otto reicht die Prämienspanne derzeit von 250 Euro für einen Praktikanten bis 5.000 Euro für eine hochqualifizierte Fachkraft. „Wenn es sich bei der vakanten Stelle um eine äußerst spezialisierte Position handelt, die nur schwer zu besetzen ist, dann gibt es auch mal eine Geldprämie von bis zu 5.000 Euro“, sagt Ildiko Peter, Senior Referentin Personalmarketing beim Versandhändler. Otto schreibt jährlich 300 neue Stellen aus – 80 Prozent davon fallen in die technischen Bereiche Business Intelligence, E-Commerce, Online-Marketing und IT. Wie die Deutsche Bahn hat auch das Hamburger Unternehmen ein Zehntel der Positionen mit Hilfe der vergüteten Mitarbeiterempfehlung besetzt.

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