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21.03.2017

08:19 Uhr

Kündigungen

So trennen Sie sich richtig von Ihrem Mitarbeiter

VonLisa Oenning

Selbst erfahrenen Führungskräften fällt es schwer, Mitarbeitern zu kündigen. Deren Reaktion ist in solch einer Ausnahmesituation unberechenbar. Wie Sie Angestellten die existenzbedrohende Botschaft am besten überbringen.

Selbst Führungskräften mit langjähriger Erfahrung fällt es schwer, Mitarbeitern zu kündigen, weil sie deren Reaktion auf die existenzbedrohende Botschaft nicht einschätzen können. Getty Images

Extremsituation für Chef und Mitarbeiter

Selbst Führungskräften mit langjähriger Erfahrung fällt es schwer, Mitarbeitern zu kündigen, weil sie deren Reaktion auf die existenzbedrohende Botschaft nicht einschätzen können.

DüsseldorfSeit Tagen nimmt es sich der Vorgesetzte vor. Heute wird er es seinem Mitarbeiter sagen, bestärkt sich der Chef selbst. Doch als der Angestellte vor ihm in seinem Büro sitzt, ist der Mut verflogen. Die Führungskraft rutscht unsicher auf ihrem Stuhl hin und her, auf ihrer Stirn und ihren Händen bildet sich ein Schweißfilm. „Guten Morgen, wie geht es Ihnen heute?“, leitet der Chef das Gespräch ein, ohne seinem Mitarbeiter in die Augen zu sehen. Es folgen weitere belanglose Fragen: „Hatten Sie ein schönes Wochenende?“, „Ist das Wetter nicht herrlich?“ und „Haben Sie bereits den nächsten Urlaub geplant?“. Nach einer gefühlten Ewigkeit platzt es dann doch aus dem Vorgesetzten heraus: „Ich muss Ihnen kündigen.“

Kündigungsgespräche sind selbst für Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung eine unangenehme Aufgabe. Wie wird der Mitarbeiter reagieren? Welche Konsequenzen hat die Kündigung fürs Unternehmen – finanziell und immateriell? Die Situation erscheint unkontrollierbar. Vorgesetzte geraten deshalb häufig ins Straucheln: „Unsicherheit und Harmoniebedürftigkeit sind die ausschlaggebenden Gründe, weshalb ein Kündigungsgespräch oftmals unsauber verläuft“, sagt Roland Jäger, der seit vielen Jahren Führungskräfte coacht und berät.

In diesen Fällen zieht sich das Gespräch meist wie Kaugummi, weil der Führungskraft der Mut fehlt, die existenzbedrohende Botschaft zu überbringen. Doch das ist falsch. „Die Kündigung sollte in den ersten fünf Sätzen ausgesprochen werden und das Gespräch in maximal zehn bis 15 Minuten durch sein“, meint Jäger. Denn unabhängig von den Gründen kommt die Kündigung in der Regel nicht aus heiterem Himmel. In den meisten Fällen deutete sie sich bereits früher an – zum Beispiel, weil das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Kurzarbeit anmelden musste oder der Arbeitgeber einen Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens oder unzureichender Leistung bereits mehrfach abgemahnt hat.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Aus diesem Grund empfiehlt auch Management-Berater Albrecht Müllerschön Führungskräften die direkte Aussprache der Kündigung – ohne langwierige Einleitung. Zum Beispiel so: „Ich muss Ihnen heute eine unangenehme Nachricht überbringen. Aus betriebsbedingten Gründen muss ich Ihnen zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.“

Einen Grund muss der Arbeitnehmer laut Müllerschön immer nennen und ausführen. Andernfalls kann der Angestellte die Kündigung anfechten. Im nächsten Schritt gilt es, dem Arbeitnehmer ein paar Sekunden Zeit zu geben, die Nachricht zu verarbeiten und Fragen zu stellen.

Kommentare (1)

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Herr Waldemar Müller

21.03.2017, 09:10 Uhr

"Einen Grund muss der Arbeitnehmer laut Müllerschön immer nennen und ausführen. Andernfalls kann der Angestellte die Kündigung anfechten." An derlei Aussagen erkennt der Fachmann die Schwäche dieses ansonsten schön geschriebenen Artikels. Weder Herr Müllerschön noch Herr Jäger sind Rechtsanwälte. Sie mögen von Change-Management und Psxchologie Ahnung haben, Juristen sind sie erkennbar aber nicht. Das Rechtsdienstleistungsgesetz verbietet nicht umsonst Nichtanwälten, juristisch beratend tätig zu werden.

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