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26.03.2017

17:33 Uhr

Neue Bücher zur Geldanlage

Wie Sie sich die besten Aktien der Welt kaufen

VonCarina Kontio

Drei Bücher für Unzufriedene, die schon viel zu lange darauf hoffen, dass sich an der Niedrigzinsphase irgendwann etwas ändert. Die gerne ein Leben möchten, in dem ihr Vermögen für sie arbeitet – auch nach Feierabend.

Sie legen Ihr Geld noch bei der Bank an? Dann wissen Sie ja, dass die Zinsen nicht mal für ein schickes Essen mit der Familie reichen. Fotolia.com

Wie Sie sich die besten Aktien der Welt kaufen

Sie legen Ihr Geld noch bei der Bank an? Dann wissen Sie ja, dass die Zinsen nicht mal für ein schickes Essen mit der Familie reichen.

KölnSie legen Ihr Geld noch bei der Bank an? Dann wissen Sie ja, dass die Zinsen nicht mal für ein schickes Essen mit der Familie reichen. Eine Erfahrung, die auch der Berliner Autor Christian Thiel gemacht und sich daraufhin der Börse zugewandt hat.

Sein Ziel: die besten Aktien der Welt zu finden. Offenbar mit Erfolg, denn: dem Psychologischen Berater ist es sogar gelungen, den Index zu schlagen. Der Traum eines jeden Investors. Wie er das geschafft hat? Davon handelt sein Buch “Schatz, ich habe den Index geschlagen! Wie ich auszog, die besten Aktien der Welt zu kaufen”, das gerade im Campus Verlag erschienen ist.

Der Familienvater konnte 10.000 Euro beiseite legen und er fragte sich, wie er wohl das Beste aus seinem Geld machen könne. “So schwer kann das doch nicht sein”, dachte er sich und recherchierte los, las Börsennachrichten, Geschäftsberichte und alles, was er an Finanzliteratur in die Finger bekam. Natürlich ist auch für Thiel das Börsen-Glück nicht einfach so vom Himmel gefallen, schließlich beschäftigt er sich (unter anderem auch als Blogger) schon seit 18 Jahren mit der Börse.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Allerdings spürt man als Leser sehr deutlich, dass er beim Thema Geldanlage seine Leidenschaft gefunden hat. Thiel beschreibt seine Ideen und Strategien auf den rund 223 Seiten so anschaulich und lebendig, dass man am liebsten direkt zum Laptop laufen und sich ein eigenes Online-Depot eröffnen möchte.

Vor allem für Einsteiger und Parkett-Neulinge beschreibt der Berliner sehr verständlich, woran man eine gute Aktie erkennt, welche Rolle Dividenden beim Anlegen spielen, und wie die Magie des Zinseszinses wirkt. Dabei klammert der Autor aber auch nicht aus, dass es Risiken gibt und erklärt, teilweise auch anhand von Gesprächen mit anderen Finanzexperten und Tradern, welche systematischen Fehler Anleger bei der Geldanleger machen und wie sich diese vermeiden lassen. “Du wirst dabei um einige Illusionen ärmer und um zahlreiche Einsichten reicher werden”, so Thiel, der seine Leser stets freundschaftlich duzt.

Sogar kleine Denksportaufgaben hat der Autor eingebaut, was die Lektüre irgendwie auch interaktiv macht (vorausgesetzt Sie lassen sich darauf ein und strengen Ihre grauen Zellen ein bisschen an). Beispiel gefällig? Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? Die Aufgabe ist leicht - und schwer zugleich. Die *Lösung verrate ich Ihnen am Textende.

Besonders spannend ist neben all den Anlagetipps auch der Teil, in dem es um die großen Börsenlegenden der Wall Street geht und was wir heute noch Benjamin Graham (gilt als der Vater des Value Investing) und Warren Buffett (Starinvestor, der schon als Achtjähriger Investmentbücher gelesen und viel Geld in Coca-Cola investiert hat) lernen können. Zugegeben: Viel Neues erfährt der erfahrene Anleger in dem flotten Buch nicht und so Mancher wird sich vielleicht fragen, ob er die 17,95 Euro in Thiel investiert oder ob er sich nicht doch besser ein Short Hebelzertifikat EUR/USD für 18 Euro kauft.

Doch betrachten wir es mal ganz pragmatisch: Aufklärung in Gelddingen tut not. Dazu brauchen wir ein Minimum an solidem Wissen und niemand muss zum Finanzexperten werden, nur weil er sein Erspartes selber erfolgreich verwalten und sein Vermögen vermehren will. Aber weil es eben doch ein paar gute Informationen braucht, um seinen eigenen (Geldanlage-)Weg zu finden, bekommt man mit “Schatz, ich hab den Index geschlagen” einen gelungenen und unterhaltsamen Ratgeber an die Hand, der Spaß macht und bei unerfahrenen Börsianern die Neugierde weckt. Ein Buch, das sich zu lesen lohnt.

*Die Lösung lautet: Es sind 5 Cent. Denn 5 Cent und 1,05 Dollar ergeben zusammen 1,10 Dollar. Ganz einfach. Ganz anders sieht es jedoch bei dem Buch von Katja Eckardt aus, das kürzlich im Finanzbuch Verlag erschienen ist.

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