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16.03.2017

15:39 Uhr

Neues Buch über Robert Bosch

Porträt eines Vordenkers

VonMaike Freund

Robert Bosch war seiner Zeit voraus, nicht nur mit seinen Erfindungen. Eine neue Biografie zeichnet das feine Porträt eines Mannes, der das Unternehmertum lebte, dem gesellschaftspolitische Belange aber wichtiger waren.

Weil er seine Mitarbeiter gut behandelte, bekam er den Beinamen der „Rote Bosch“. Pressefoto

Robert Bosch

Weil er seine Mitarbeiter gut behandelte, bekam er den Beinamen der „Rote Bosch“.

DüsseldorfRobert Bosch war nicht nur einer der bedeutendsten Unternehmer Deutschlands. Der „Rote Bosch” war seiner Zeit auch gesellschaftlich voraus. Vom sozialdemokratischen Vater geprägt, legte Robert Bosch früh Wert auf Demokratie, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, etwa bei der Ausbildung von Mädchen.

Nach der Realschule entschied sich Bosch seinem Vater zuliebe für den Beruf des Feinmechanikers. Das war der Grundstein für seine Karriere als Industrieller. Lieber wäre er Zoologe oder Botaniker geworden.

Peter Theiners Biografie „Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme” zeichnet das feine Porträt eines Mannes, der Unternehmertum lebte, dem gesellschaftspolitische Belange aber wichtiger waren. Es ist eng verzahnt mit den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen seiner Zeit und endet mit dessen Tod 1942.

Boschs sozialdemokratische Haltung festigte sich während seiner Ausbildung und Reisen in den USA. Dort lernte er, dass nur gut ausgebildete und fair bezahlte Arbeiter profitabel für ein Unternehmen sind. Eine revolutionäre Haltung Ende des 19. Jahrhunderts.

Peter Theiner – Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme
C.H. Beck br> München 2017
504 Seiten
ISBN: 3406705537
29,95 Euro

Ausgestattet mit diesem geistigen Rüstzeug eröffnete Bosch in einem Stuttgarter Hinterhaus 1886 eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik. Dort baute er den ersten Niederspannungs-Magnetzünder, die Grundlage seines Erfolgs. 1901 eröffnete Bosch die erste Fabrik in Stuttgart, die ihn zum Großverdiener machte. Damit sein Unternehmen wachsen konnte, musste er gute Löhne zahlen und vernünftige Bedingungen schaffen. Nur so würde er das richtige Personal finden, war er überzeugt. „Zum Verdruss seiner Mitbewerber stieß er mit seiner Lohnpolitik in Dimensionen vor, die bald landesweit Aufsehen erregten”, schreibt der Autor. Sie lagen bis zu 60 Prozent über dem Branchenschnitt. „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle”, sagte der Unternehmer dazu und bekam den Beinamen der „Rote Bosch”. 

Er begrüße die Bildung von Gewerkschaften in der Firma und führte den Acht-Stunden-Tag ein. Er blieb erfolgreich, bis der Erste Weltkrieg ausbrach. 1914 sank der Umsatz seiner Elektrotechnischen Fabrik von 26,8 Millionen auf 23,5 Millionen Mark. Bosch handelte überwiegend mit Ländern, die plötzlich Kriegsgegner waren. Doch die Krise währte kurz, Bosch stellte die Produktion vom exportstarken Kraftfahrzeugausrüster zum Hersteller von Massenware um: Er produzierte nun vor allem pyrotechnische Zünder für Minen, die auch den Umsatz explodieren ließen. Der verdreifachte sich bis 1918 auf 73,4 Millionen Mark. Bosch, der den Krieg hasste, obwohl er von ihm profitierte, sagte dazu: „Ich bezahle lieber zehn Millionen Mark, wenn ich dadurch einen Krieg vermeiden kann.”

Peter Theiner ist eine gründlich recherchierte und detailgenaue Biografie gelungen. In vielen Dokumenten kommt Bosch zu Wort und rückt dadurch nah an den Leser heran. Bisweilen wünscht man sich mehr Erzählerisches, dafür weniger Wissenschaft. Das würde die mitunter etwas zähen 500 Seiten lebhafter machen. Maike Freund

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