Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2012

07:39 Uhr

Berufsfelder unter der Lupe

Als Asset Manager Geld vermehren

VonAnne Koschik

Jet-Set, Top-Gehalt und glamouröse Dienstreisen: Dem Beruf des Asset Managers, der aus Geld noch mehr Geld für seine Kunden macht, haftet ein ganz besonderes Image an. Aber welche Qualifikationen braucht man eigentlich?

Was macht eigentlich ein Asset Manager? Und welche Qualifikationen brauchen Berufseinsteiger für den Top-Job in der Finanzbranche? AFP

Was macht eigentlich ein Asset Manager? Und welche Qualifikationen brauchen Berufseinsteiger für den Top-Job in der Finanzbranche?

KölnDie Finanz- und Wirtschaftskrisen haben das Asset Management geschwächt, zeitweise sogar erschüttert. Unternehmen und Anleger sind in ihren Strategien vorsichtiger geworden, Käuferstrukturen ändern sich, zunehmend spielt der Begriff „Nachhaltigkeit“ auch im Asset Management eine Rolle. Globale Engagements und verstärkte Risikokontrolle stehen einander gegenüber. Hinzu kommt der Verdrängungswettbewerb zwischen heimischen und ausländischen Anbietern.

Die Lage ist nicht unproblematisch, die Flucht der Anleger hat international zu einem deutlichen Rückgang der verwalteten Vermögenswerte geführt. Viele Entlassungen und weiterhin gefährdete Arbeitsplätze machen das Asset Management immer weniger attraktiv für Bewerber. Gleichzeitig bestehen hohe Qualitätsanforderungen für die, die ihrer Leidenschaft für den Kapitalmarkt nicht abschwören können.

Ein Blick auf die Entwicklung der Stellenangebote verheißt nichts Gutes: Seit September sinkt die Zahl der Stellenangebote augenfällig. Und erstmals seit eineinhalb Jahren bricht auch das Bewerberinteresse stark ein – dabei verbirgt sich im Asset Management ein attraktiver Bereich für Berufseinsteiger.

Welche Jobs es in der Branche gibt und welche Qualifikationen man braucht, um hauptberuflich aus dem Vermögen von Privaleuten eine möglichst hohe Rendite bei einem möglichst geringen Risiko zu erwirtschaften weiß Markus Rudolf, Professor für Finance an der WHU.

Markus Rudolf ist Prorektor der WHU und seit 1998 Ordinarius und Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Finanzwirtschaft an der WHU - Otto Beisheim School of Management. (Foto: WHU)

Markus Rudolf ist Prorektor der WHU und seit 1998 Ordinarius und Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Finanzwirtschaft an der WHU - Otto Beisheim School of Management. (Foto: WHU)

Über viele Jahre gehörte das Asset Management neben dem Investmentbanking zu den attraktivsten Finanzbereichen für Berufseinsteiger. Sind die Zeiten vorbei?

Markus Rudolf: Nach wie vor bietet die Asset Management Branche und auch das Investment Banking attraktive Karrieremöglichkeiten an. Die Veränderungen in den beiden Branchen sind aber völlig verschieden. Im Asset Management besteht das Problem in der zunehmenden Regulierung (etwa Finanztransaktionssteuer), so dass ein großer Teil des Geschäftes nicht mehr aus Deutschland angeboten wird, sondern in Irland oder Luxemburg. Dort gibt es nach wie vor Jobs für hochqualifizierte Berufsanfänger.

Das Investment Banking hat vielleicht eine Art Prestigeverlust erlitten. Dennoch bleibt es ein wichtiger Bestandteil des Bankgeschäftes, das auch in Zukunft hohe Margen erwirtschaftet. Vielleicht etwas niedrigere als früher und damit etwas weniger hohe Gehälter und Boni für die Protagonisten. Aber das Umfeld bleibt dennoch attraktiv.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Bonusvolumina fallen geringer aus, hinzu kommt, dass die variable Vergütung eine neue Bedeutung erhält – denn kurzfristige Unternehmenserfolge haben an Bedeutung verloren. Lässt das den Job in der Bewerbergunst sinken?

Ich bin nicht sicher, ob ein Bonus ein kurzfristiges Instrument ist, natürlich kann man den auch an langfristigen Zielen ausrichten. Nach wie vor werden in den beiden Bereichen attraktive Gehälter gezahlt, vielleicht etwas normalisiert verglichen mit der Zeit vor 2007.

Tipps für Bewerbung und Einstieg

Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wer beim ersten Gespräch unangenehm auffällt, für den gibt es keine zweite Chance. Wir beurteilen Menschen in den ersten drei bis fünf Sekunden- dieser Eindruck bleibt haften. Personalreferenten wissen: Wer schon beim Vorstellungsgespräch ein Gespür dafür hat, was angemessen ist, der wird auch im Job Situationen richtig einschätzen.

Wer ruft wen an?

Das Bewerbungsgespräch ist gut überstanden. Jetzt beginnt die nächste Zitterpartie: Habe ich das Rennen gemacht? Soll ich nachfragen oder abwarten? Wer nicht tagelang das Telefon fixieren möchte, sollte dies schon beim Gespräch klären. Sagen Sie, dass Sie interessiert sind und fragen Sie, wie es weiter geht.

Bewerbungs-Outfit

Wenn Sie nicht gerade in einer Kinderkrippe oder für eine Rockband vorstellen, gilt für die meisten Branchen: Männer tragen Anzug und Frauen ein Kostüm. Bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie Ihre Kollegen erscheinen, sollten Sie das beibehalten.

Die ersten Wochen

Nachwuchskräfte aufgepasst! Unsicherheit mit Coolness zu überspielen klappt nicht. Fragen Sie erfahrene Kollegen, lernen Sie die Gepflogenheiten des Unternehmens kennen. Üben Sie sich in Bescheidenheit- das erste große Projekt kommt bestimmt, und dann können Sie Ihrem Übermut freie Fahrt gewähren.

Auch wenn Sie privat andere berühren oder Gespräche aus nächster Nähe führen- kommen Sie Kollegen und Geschäftspartnern nicht zu nahe! Die Distanzzone liegt bei einigen bis zwei Metern.

Wer ist der Neue?

Neue Kollegen bedeuten Stress für alle, denn Ihre Mitarbeiter sorgen sich vielleicht, dass ihre Routine durcheinandergewirbelt wird oder dass ihr Job in Gefahr ist. Sympathiepunkte sammelt man jetzt durch Interesse und Respekt. Tipp: Schmeicheln Sie den neuen Kollegen, und machen Sie Bemerkungen über vergangene Projekte, die Ihnen gefallen haben.

Das gekonnte Selbstmarketing

Der erste Tag ist fast überstanden, dann soll man sich in großer Runde vor allen Kollegen vorstellen. Bereiten Sie sich gut vor. Wichtig ist, Berufserfahrung und Ausbildung sachlich und Knapp auf den Punkt zu bringen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit dabei auf Ihre größten Erfolge. Verkaufen Sie nicht mehr, als Sie liefern können.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur wer in Stress- Situationen Höflichkeit und Respekt wahrt, beweist, dass er umgänglich ist. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie Verärgerung nicht offen zeigen. Eine wutverzerrte Miene wirkt nicht souverän. Hören Sie sich die Argumente Ihres Gegenübers ruhig an. Beschreiben Sie, was Ihnen Probleme macht, ohne Kollegen zu beschuldigen.

Richtiger Umgang mit Mails

Gerade wenn man seinen Ansprechpartner nicht kennt, verfällt man oft in gestelztes Briefdeutsch. Besser ist es, so zu formulieren, wie man es mündlich tun würde. Allerdings sollte ein guter Ton gewahrt bleiben: Verzichten Sie unbedingt auf saloppe Smileys und auf Abkürzungen („MFG“ statt „Mit freundlichen Grüßen“). So viel Zeit sollte sein.

Grundkurs Netikette

Nur weil es eine E-Mail ist, sollten Sie nicht automatisch "Hallo Frau Meyer" oder "Lieber Herr Müller" schreiben. Das "Sehr geehrte Frau Schulze" ist durchaus nicht altmodisch. E-Mails erreichen ihre Adressaten schnell- das heißt aber nicht, dass diese ebenso schnell antworten müssen. Geben Sie ihnen zwei bis drei Tage Zeit, oder vermerken Sie in der E-Mail, dass es eilt. Entgegen allen Gerüchten: Großbuchstaben sind noch nicht aus der Mode. Rechtschreibung und Grammatik sind auch bei E-Mails essenziell.

Ordnung muss sein! Vergessen sie nie eine aussagekräftige Betreffzeile, denn die hilft dem Empfänger, seine E-Mail-Flut zu ordnen. Anlagen sollten Sie in gängigen Dateitypen verschicken und darauf achten, dass Sie mit großen Datenmengen nicht das Postfach des Adressaten verstopfen.

Entspannungsphase

Im Meetingraum, beim Geschäftsessen oder bei offiziellen Anlässen dürfen Sie Ihr Jackett oder ihre Kostümjacke erst ablegen, wenn die Gastgeber Sie dazu auffordern oder es vormachen. Stoßen sie zu einer Gruppe, die sich bereits "entspannt", fragen Sie erst. Werden Ihnen Getränke angeboten, sollten Sie annehmen. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein. Mit exotischen Wünschen (Bananensaft, Brennnessel-Tee) bringen Sie Ihren Gastgeber allerdings in Verlegenheit.

Quelle: www.trust-wi.de

Was sollte der talentierte Nachwuchs an explizitem Wissen mitbringen?

Regulierungsthemen sind (leider) viel wichtiger geworden. Aber natürlich bleibt es ein Wettbewerbsvorteil, wenn man gut ausgebildet ist auch in den klassischen Gebieten der Finanzwirtschaft. Abschlüsse wie der CIIA oder CFA, der CeFm oder der CFP, der CRM oder andere erfreuen sich nach wie vor hoher Attraktivität.

Finanzexperten: Wie Banker auf neue Jobs spekulieren

Finanzexperten

Wie Banker auf neue Jobs spekulieren

Etliche Kreditinstitute verkleinern ihre Investmentabteilungen, viele Finanzexperten werden wohl auf Stellensuche gehen. Ihre Expertise ist in vielen Branchen gefragt. Vor allem die Autobanken suchen solche Experten.

Gibt es Trends? Welche (neue) Funktion können die Kapitalmarktspezialisten in einer global vernetzten Wirtschaft künftig einnehmen?

Die Versorgung der Realwirtschaft mit Kapital und mit Liquidität bleibt wichtig. Vielleicht ist der neue Trend „back to the roots“. Ich meine damit, dass die Kapitalmärkte wieder stärker eine dienende Funktion für die Realwirtschaft einnehmen. Manche Auswüchse wie die Schaffung immer komplexerer Derivatekonstruktionen ist vermutlich nicht das Geschäft der Zukunft.

Wohin dreht sich die Asset Management-Welt: Eher nach New York oder Richtung asiatische Märkte?

In Bezug auf die Anlageklassen machen China und Indien und auch Brasilien einen immer größer werdenden Teil der Weltwirtschaft aus. Das spiegelt sich natürlich auch in den Asset Allocations wider. USA wird wichtig bleiben. Als Standort für Asset Management Unternehmen könnte Singapur an Gewicht gewinnen, vor allem im Private Banking. Zusätzlich glaube ich aber auch, dass wenig regulierte Plätze in der EU weiteren Zustrom erfahren werden, z.B. Irland und Luxemburg.

Jetzt bestellen: Mit dem Jobletter Banking & Finance, dem exklusiven Jobservice von Handelsblatt Online für Finanzprofis, verpassen Sie keinen attraktiven Job und müssen nie wieder suchen: Wir schicken Ihnen jeden Montag ein auf Ihre persönlichen Wunschvorstellungen abgestimmtes Portfolio von Stellenangeboten direkt in Ihr Postfach.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×