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01.07.2015

14:09 Uhr

Best Lawyers

Wunsch nach weniger Arbeit

VonDésirée Balthasar

Sabbaticals, Home-Office, flexible Arbeitszeiten und Elternzeit für Väter sind in vielen Unternehmen selbstverständlich. Wirtschaftskanzleien testen ähnliche Modelle. Eigene Selbstbestimmung ist das neue Statussymbol.

Wirtschaftsjuristen sehnen sich immer mehr nach sinnerfüllten Arbeitsinhalten. Imago

Rechtsanwältin im Büro

Wirtschaftsjuristen sehnen sich immer mehr nach sinnerfüllten Arbeitsinhalten.

Hamburg„Für manche Personalchefs sind wir ein Albtraum: Sie halten uns für verwöhnt, selbstverliebt und größenwahnsinnig.“ Diese Worte schrieb die Autorin Kerstin Bund vor mehr als einem Jahr in der „Zeit“ über die sogenannte "Generation Y"- also die unter 35-Jährigen. Personalverantwortliche in deutschen Wirtschaftskanzleien würde ihr wohl zustimmen, denn diese Generation stellt sie seit einiger Zeit vor völlig neue Herausforderungen.

Das Buch von Bund heißt Glück schlägt Geld. Auch die Wirtschaftsjuristen sehnen sich immer mehr nach sinnerfüllten Arbeitsinhalten. Laut der Autorin habe sich das Wertesystem ihrer Generation verschoben: Heute stehen nicht mehr die klassischen Statussymbole wie ein hohes Gehalt, ein dicker Bonus oder der teure Firmenwagen an oberster Stelle. Stattdessen sei die eigene Selbstbestimmung das neue Statussymbol. Die unter 35-Jährigen wollten selbständig über ihre Zeit bestimmen, der Job solle ihnen Freude bringen und Freiheiten lassen. Feste Arbeitszeiten und -orte machten für junge Arbeitnehmer keinen Sinn mehr.

„Diese Einstellung ist Gift für das althergebrachte Arbeits- und Geschäftsmodell von Anwaltskanzleien“, sagt Personalcoach Falk Schornstheimer. „Denn bis die ersten Vertreter der ‘Generation Y‘ die Kanzleiflure betraten, bestand die gängige Währung dort aus Prestige, Renommee und Geld.“ Die Erwartungen damaliger Anwälte unterscheidet sich grundlegend von denen heutiger. „Wer vor 20 Jahren als Anwalt - seltener als Anwältin - in eine Sozietät eintrat, wollte Partner werden und ordentlich Geld verdienen. Im Gegenzug spielten Arbeitszeiten und Arbeitsbelastung keine Rolle. Niemand schaute auf die Uhr.“

Partnerschaft? Nein, Danke.

Dieses Bild hat sich für die meisten Bewerber komplett gewandelt. Heute streben nur noch knapp 16 Prozent der angestellten Anwälte die Vollpartnerschaft an. Das ist das Ergebnis der aktuellen Associate-Umfrage von Azur, einem Branchenblatt für Nachwuchsjuristen. Umgekehrt bedeutet dies, dass ganze 84 Prozent der jungen Anwälte nicht Partner werden wollen. Stattdessen wünschen sie mehr freie Zeit für ihre Familie und weniger unternehmerische Verantwortung.

Die Gründe für die sinkende Zahl von Partneranwärtern sind vielfältig. So wissen laut der Azur die meisten jungen Anwälte, dass ihre Chancen rapide sinken, überhaupt in die Partnerschaft aufgenommen zu werden. Dies gilt vor allem für Großkanzleien. Wo jedes Jahr mehrere hunderte Anwälte eingestellt und nur rund eine Handvoll Anwälte zum Partner ernannt würden, könne sich jeder ausrechnen, wie groß die Chancen sind.

Best Lawyers: Kulturwandel im Kanzleimarkt

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Die Tage der gutverdienenden Partner auf Lebenszeit sind vorbei. Großkanzleien trennen sich von langjährigen Anwälten oder diese wechseln von sich aus. Wer davon profitiert: Das sind Deutschland beste Anwälte 2015.

Eine Lösung für beide Seiten versprach die Schaffung einer neuen Position, des sogenannten Counsels. „Zahlreiche Großkanzleien haben eine solche Position als Alternative zur Partnerschaft eingeführt. Der Counsel akquiriert selbständig Mandate, verfügt über eine große Berufserfahrung und arbeitet eigenverantwortlich“, erklärt Martin Wollziefer, Mitbegründer des Beratungsunternehmens SW Recht & Personal. „Der Counsel soll also diejenigen zufriedenstellen, die eine anspruchsvolle Arbeit bei weniger unternehmerischer Verantwortung suchen. Und die Kanzleien profitieren davon, dass er mehr einbringt als ein Associate und weniger kostet als ein Partner.“

Natürlich kommt es immer darauf an, wie so etwas in der Realität umgesetzt wird. Wollziefer hat beobachtet, dass manche Kanzleien das Thema durchaus ernst nehmen. Andere aber kleben lediglich ein Etikett auf eine inhaltsleere Hülle und hoffen, dass Bewerber dies nicht durchschauen. „Wer den Counsel rein pro forma einführt, um den anspruchsvollen Nachwuchs ruhig zu stellen, der verspielt seine Chancen“, sagt Wollziefer. „Das Kanzleimanagement muss der Position Anerkennung, Eigenverantwortung und ein angemessenes Gehalt zusprechen.“

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