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18.11.2016

16:03 Uhr

Bestatter im Wandel

„Geiz ist geil“– auch beim Grab

Lange galt ihre Branche als krisenfest. Aber für Bestatter hat sich vieles verändert. Oft wird an der Beerdigung gespart. Manchmal führt die letzte Reise sogar zunächst nach Tschechien – wo die Krematorien billiger sind.

Rund 4000 Bestatter gibt es in Deutschland, oft sind es Familienbetriebe. Einige setzen bewusst auf die preisbewusste Klientel, die für eine Bestattung möglichst wenig Geld ausgeben will. dpa

Das Bestattungsgeschäft ist im Wandel

Rund 4000 Bestatter gibt es in Deutschland, oft sind es Familienbetriebe. Einige setzen bewusst auf die preisbewusste Klientel, die für eine Bestattung möglichst wenig Geld ausgeben will.

BerlinDer Friedhof Ohlsdorf in Hamburg wirkt wie ein Englischer Landschaftsgarten mit viel Grün und verschlungenen Wegen. Aber er hat ein massives Platzproblem. Nicht dass es eng würde, im Gegenteil: Es gibt zu viel Platz. Er ist so groß wie 400 Fußballfelder, aber es werden immer weniger neue Gräber benötigt, vier Trauerkapellen haben schon dicht gemacht.

Immer mehr Angehörige verzichten auf traditionelle Trauerzeremonien, immer mehr Menschen wollen nicht mehr klassisch begraben werden, immer mehr lassen sich verbrennen. Auf dem Friedhof in Ohlsdorf gibt es deshalb auch immer mehr freie Flächen, die nicht für Begräbnisse genutzt werden. Und das ist kein Spezialproblem in Ohlsdorf, sondern auf vielen der rund 32.000 Friedhöfen in Deutschland ähnlich.

Die Bestattungsbranche

Todesfälle im Jahr

In Deutschland starben im Jahr 2015 925.000 Menschen, wobei die Zahl bei steigender Tendenz schwankt. Trotz des demographischen Wandels lassen sich Aussagen über die Sterbezahlen in den nächsten Jahren nur sehr begrenzt treffen.

Quelle: Bundesverband deutscher Bestatter

Welche Bestattungsarten werden gewählt

Erdbestattungen: 45,5 %

Feuerbestattungen: 54,5 %:
Davon circa 2,5 % Seebestattungen.
Davon insgesamt circa 5 % anonyme Bestattungen.

Anzahl der Bestattungsunternehmen

In Deutschland gibt es rund 4000 Bestattungsunternehmen.

Kosten einer Bestattung

Vom Eintritt des Todes bis zur vollzogenen Bestattung kann man in etwa von einem Betrag zwischen 2.800 und 5000 € ausgehen, wo bei individuellen Gestaltungen selbstverständlich ein höherer Betrag zum Tragen kommt.

„Gestorben wird immer“, heißt es. Und das stimmt ja auch. In der Branche der Bestatter war damit lange die Gewissheit verbunden, dass ihr Handwerk goldenen Boden habe. Aber das ist vorbei. Immer öfter heißt auch bei der Beerdigung das Motto „Geiz ist geil“. Der Trend geht weg vom Familiengrab mit aufwendig gestaltetem Marmorgrabstein und hin zum anonymen Urnengrab. Die Dokumentation „Ruhe sanft - und günstig“ von Ralf Bonsels zeigt, was das für die Bestatter und ihre Branche bedeutet, die immer mehr unter Druck gerät. Zu sehen ist sie am heutigen Freitag um 21 Uhr auf 3Sat.

Bestattungsbranche: Online-Konkurrenz für das Geschäft mit dem Tod

Bestattungsbranche

Online-Konkurrenz für das Geschäft mit dem Tod

Bestattungen waren bisher eigentlich ein klassisches „Vor-Ort-Geschäft“. Doch Online-Unternehmer haben mittlerweile auch die Bestattungsbranche für sich entdeckt – und drängen mit günstigeren Preisen auf den Markt.

Dass immer mehr Menschen wollen, dass sie nach dem Tod verbrannt werden, ist für die Filmemacher nicht nur Statistik. Es ist ein Hinweis auf einen tiefgreifenden Kulturwandel. Der zeigt sich auch im Krematorium Berlin. Feuerbestattungen sind in Großstädten wie Hamburg und Berlin nichts Neues. Aber auch hier wird die Konkurrenz immer härter. Ralf Bonsels sieht die Krematorien in einer Rabattschlacht um die Bestatter.

Die entscheidende Frage lautet, wer verbrennt die Leichen am billigsten? Und dabei geht es längst nicht mehr nur um Krematorien in Deutschland. Bestatter, die vor allem günstig sein wollen, lassen die Toten zum Beispiel in Tschechien einäschern. Auch Särge werden längst in großem Stil aus Osteuropa importiert, weil das deutlich günstiger ist.

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