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21.12.2012

16:39 Uhr

Bestechungsskandal

Ex-Media-Markt-Chef muss fünf Jahre in Haft

Der ehemalige Chef der Metro-Elektronikkette Media Markt muss ins Gefängnis. Das Landgericht Augsburg sah es als erwiesen an, dass der Manager sich bei der Vergabe von Aufträgen hat bestechen lassen.

Der Angeklagte Michael Rook (Mitte) unterhält mit seinen Anwälten. dpa

Der Angeklagte Michael Rook (Mitte) unterhält mit seinen Anwälten.

AugsburgWegen einer millionenschweren Schmiergeld-Affäre muss der frühere Deutschlandchef von Media Markt, Michael Rook, für fünf Jahre und drei Monate hinter Gitter. Mit diesem Urteil blieb die Wirtschaftskammer des Augsburger Landgerichts am Freitag leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Rook wegen Bestechlichkeit fünf Jahre und neun Monate im Gefängnis sehen wollte. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale sprach von „hoher krimineller Energie“.

Der 48-Jährige und ein ehemaliger Media-Markt-Regionalmanager für Süddeutschland wurden nach Überzeugung der Kammer von einem ebenfalls angeklagten Unternehmer für exklusiv vergebene Aufträge bestochen. Der Unternehmer wollte seine Mitarbeiter in Media-Markt-Filialen DSL-Verträge an den Mann bringen lassen. Die beiden Manager hätten rund zwei Millionen Euro Schmiergeld unter sich aufgeteilt, sagte Natale. Insgesamt seien zwischen 2006 und 2011 etwa vier Millionen Euro geflossen.

Rook hatte die Vorwürfe bis zum Schluss vehement bestritten. Seine Anwälte kritisierten, das Urteil sei „auf skandalöse Weise“ zustande gekommen und beruhe auf einer „grob fehlerhaften Beweiswürdigung“. Sie hatten einen Freispruch gefordert. Verteidigung und Staatsanwaltschaft können gegen das Urteil Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

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Media Markt billiger: PC-Monitor

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Media Markt billiger: Kaffeemaschine

Produkt: Bosch TAS 4211

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Media Markt billiger: Schnurlos-Telefon

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Preis Media Markt: 65,-

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Media Markt billiger: Fernseher

Produkt: Samsung UE D 6200 TSXZG 40

Preis Media Markt: 649,-

Günstigster Online-Anbieter: 657,95

Unterschied (in Prozent): 1,4

Der Ex-Regionalmanager hatte Rook schwer belastet, indem er angab, sich das in bar gezahlte Schmiergeld zur Hälfte mit diesem geteilt zu haben. „Die Kammer musste sich mit der Frage auseinandersetzen: Wer lügt und wer sagt die Wahrheit?“, sagte Richter Natale. Am Ende stand für die Kammer fest: Es ist Rook, der lügt. „Ohne Zweifel“ habe er an den Bargeldzahlungen teilgehabt. Der ehemalige Media-Markt-Manager für Süddeutschland muss wegen Bestechlichkeit für vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. Den Unternehmer schickte die Kammer für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Der Prozess hatte sich seit Juni in teils sehr zähen Verhandlungen hingezogen. Die Verteidigung stellte zahlreiche Anträge, so dass die Sitzungen immer wieder unterbrochen oder vertagt werden mussten. Auf der Anklagebank saßen wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit insgesamt sechs Männer. Die niedrigste Strafe lag bei zwei Jahren Haft auf Bewährung, die höchste muss Rook absitzen. Außer ihm hatten alle Angeklagten umfangreiche oder weitgehende Geständnisse abgelegt.

Die Vermarktungstricks von Media Markt

Regalplatz für hochauflösende Fernsehgeräte

Regalplatz für hochauflösende Fernsehgeräte: Hersteller zahlen Pauschalen von bis zu 60.000 Euro*, damit Media Markt sie ins Sortiment aufnimmt

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Werbelogos von Elektronikmarken an den Wänden

Werbelogos von Top- Elektronikmarken an den Wänden: Unternehmen zahlen bis zu 5000 Euro* pro Fläche

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Internetecke

Promotionsagentur MV Group steht im Verdacht auf Schmiergeldzahlungen an Media-Markt-Manager in Höhe von 3,6 Millionen Euro

Promotionsinsel für Mobilfunk

Geheime, möglicherweise wettbewerbswidrige Vertragsklausel mit Debitel sicherte Media Markt offenbar eine Erfolgsbeteiligung in Millionenhöhe zu

Palettenplätze für Lockangebote an von Kunden stark frequentierten Durchgängen

Für solche Sonderaktionen zahlen Hersteller bis zu 40.000 Euro*

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Trittspuren auf dem Fußboden, die zu einem Produkt mit einem „guten Preis“ führen

Hersteller dürften dafür bis zu 20.000 Euro* als Werbekostenzuschuss zahlen.

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Die Affäre war nach einem anonymen Hinweis an die zur Metro AG gehörende Media-Saturn-Gruppe ans Licht gekommen. Media Markt reagierte schnell, schaltete die Staatsanwaltschaft ein und entließ Rook und den Regionalmanager. Eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding GmbH wollte das Urteil am Freitag in der Sache nicht kommentieren. Sie teilte mit: „Die Media-Saturn-Unternehmensgruppe wurde durch die Straftaten der Verurteilten geschädigt und wird nun wie angekündigt ihren Schaden mit entsprechenden Schadensersatzforderungen geltend machen.“


Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.12.2012, 15:36 Uhr

Wahnsinn - in unserem Justizsystem ist Geld mehr wert, als ein Menschenleben.

Golo123

21.12.2012, 17:19 Uhr

"Ich bin doch nicht blöd", .........

Thomas

21.12.2012, 17:22 Uhr

Kleines Rad am MSH Wagen. Die Industrie schmiert und zahlt, damit sie im Markt vertreten sein dürfen und die Werbung bezahlen darf.
Aber es gibt ja bekanntlich immer zwei die dazu gehören. Selbst Schuld, wenn sie das Geld so verschenken. Der Dumme ist der Kunde, der die Zeche in höheren Preisen zahlt.

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