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15.01.2008

11:29 Uhr

Betriebsräte fordern angeblich Rücktritt

Karstadt-Chef in Nöten

VonChristoph Schlautmann

Peter Wolf bekommt den Essener Warenhauskonzern Karstadt nicht in den Griff. Betriebsräte fordern angeblich schon den Rücktritt. Seine Geschäftspraktiken erinnern fatal an Wolfs Vorvorgänger Wolfgang Urban.

Peter Wolf und Ursula Karven im Gespräch. Foto: dpa

Peter Wolf und Ursula Karven im Gespräch. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Gern verbindet Peter Wolf Nützliches mit Privatem. "Es hat richtig Spaß gemacht, mit Charly Steeb auf Mallorca ein paar Runden Tennis zu spielen", schwärmte der Karstadt-Chef leutselig nach seiner Rückkehr Mitte Oktober in Hamburg. Das Prahlen über die neue Freundschaft mit dem Ex-Daviscup-Spieler hätte er sich besser verkniffen. Sie nämlich verdankt der gut trainierte Handelsmanager allein dem Spitzenamt im Essener Warenhauskonzern.

Braun gebrannt hatte der 48-Jährige noch auf Mallorca einen Vertrag unterschrieben, der Steebs Gattin Kimberley zur Designverantwortlichen der neuen Joga-Kollektion für Karstadts Sporthäuser macht, gemeinsam mit deren Freundin Ursula Karven. Zweiflern am angeblich enormen Erfolgspotenzial dieses Randsortiments beschied Wolf: "Meine Frau betreibt selbst Joga und ist völlig begeistert."

Geschäftspraktiken wie diese erinnern fatal an Wolfs Vorvorgänger Wolfgang Urban, der einst die unheilvolle Allianz mit Starbucks -Gründer Howard Schultz auf einem Golfplatz bei Seattle besiegelte - mit womöglich derselben Konsequenz: Im Vorstand des Mutterkonzerns Arcandor gilt Wolf, seit 17 Monaten erst Mitglied des Führungsgremiums, schon wieder als Auslaufmodell. Nahezu in Rekordzeit hat sich der Hoffnungsträger im Konzern selbst demontiert. "Intern hat Wolf im Vorstand und bei den Mitarbeitern nur noch Feinde", berichtet ein Mitarbeiter. "Er ist völlig isoliert."

Mitglieder des Betriebsrats bestätigen dies ebenso wie Vorstandsmitarbeiter. Statt sich um das gesamte 92 Häuser umfassende Warenhausnetz zu kümmern, konzentriere sich der ehemalige Tchibo-Vorstand allein auf die vier Top-Warenhäuser der Premium-Group - eine Doppelarbeit: denn für diese Aufgabe hat Arcandor -Chef Thomas Middelhoff eigentlich Patrice Wagner vorgesehen. Kritiker werfen Wolf zudem vor, Strategien nur halbherzig zu verfolgen.

So startete er nach dem Vorbild Tchibos ("Jede Woche eine neue Welt") im April in seinen Häusern mit monatlich wechselnden Themenwelten. Inzwischen erweist sich das Marketingkonzept als veritabler Flop: Während die Erlöse von Wettbewerber Kaufhof nahezu stabil blieben, verlor Karstadt Umsatz wie nie. Im Weihnachtsquartal brach das Geschäft um 8,4 Prozent ein. Dabei hatte der Warenhauschef am Nikolaustag noch einen Umsatz auf Vorjahresniveau versprochen.

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