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23.01.2014

19:36 Uhr

Bevorzugte Einspeisung

Deutscher Ökostrom überlastet Frankreichs Netze

Europas größter Stromexporteur bekommt Umweltenergie im Überfluss: Frankreichs Versorgernetze ächzen unter aus Deutschland priorisiert eingespeistem Ökostrom. Der Rest Europas konsumiert fleißig Atomenergie.

Ein französisches Atomkraftwerk: Der Energieexporteur kriegt mehr Energie aus Deutschland als umgekehrt. dpa

Ein französisches Atomkraftwerk: Der Energieexporteur kriegt mehr Energie aus Deutschland als umgekehrt.

Der rasant wachsende Ökostrom aus Deutschland stellt die französischen Netzbetreiber vor immer größere Probleme. „Die Leitungen unseres Landes werden immer mehr belastet, in manchen Momenten sind sie nahe an der Sättigung“, warnte der Chef des Netzbetreibers RTE, Dominique Maillard, am Donnerstag. An den Übergabepunkten der Elektrizitätsnetze sei das Limit im vergangenen Jahr durchschnittlich an jedem zweiten Tag erreicht worden und damit vier Mal so oft wie noch im Jahr 2009. Hintergrund ist, dass der deutsche Ökostrom Einspeisevorrang in die Netze genießt.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Der Ökostrom-Boom in Deutschland führte demnach das zweite Jahr in Folge dazu, dass Frankreich trotz seines Status als größter Stromexporteur in Europa von Deutschland unter dem Strich mehr Elektrizität importierte als dorthin lieferte. So kletterte der deutsche Stromexport-Überschuss mit Frankreich im vergangenen Jahr auf 9,8 Terawattstunden (TWh) von 8,7 TWh im Jahr 2012. Mit allen anderen Nachbarländern erzielte Frankreich dagegen einen Stromexport-Überschuss. Insgesamt führten die französischen Energieversorger unter dem Strich 47,2 TWh aus. Rund 73 Prozent des französischen Stroms stammt dabei aus Atomkraftwerken.

Von

rtr

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