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29.01.2012

10:24 Uhr

Bilanzierung

Dax-Konzerne kalkulieren zu hoch

VonMarkus Hennes, Susanne Schier

Das Beratungsunternehmen Mercer lobt die anstehenden Bilanzierungsänderungen für Pensionsvermögen. Zugleich rechnet es mit einem moderaten Anstieg der Pensionslasten.

Ordner stapeln sich in einem Schrank. ap

Ordner stapeln sich in einem Schrank.

Düsseldorf/FrankfurtLange Zeit haben viele Unternehmen an einer fragwürdigen Bilanzierungsvorschrift gut verdient. Danach durften sie Gewinne aus ihren Pensionsvermögen verbuchen, die sie tatsächlich gar nicht erzielt hatten. Damit macht das Londoner Bilanzgremium IASB jetzt Schluss. Eine neue Regel soll die Scheingewinne künftig verhindern. "Durch die Rechnungslegung wird künftig kein Anreiz mehr geschaffen, das Planvermögen riskanter anzulegen", erklärt Thomas Hagemann, Chefaktuar beim Beratungshaus Mercer.

Dabei geht es mitunter um Beträge in Milliardenhöhe. Denn als Teil der Vergütung locken Konzerne Mitarbeiter mit dem Versprechen einer guten Betriebsrente. Zur Deckung dieser Verpflichtungen bauen sie ein sogenanntes Planvermögen auf. Das für die künftigen Pensionäre bestimmte Geld legen die Firmen vor allem in Anleihen, Aktien und Immobilien an. Allein die 30 Dax-Konzerne hatten im Jahr 2010 für ihre Mitarbeiter über 164 Milliarden Euro zurückgelegt.

Die größten Pensionskassen (2010)

Stabile Entwicklung

Die Pensionskassen haben im Jahr 2010 von durchweg stabilen Verhältnissen auf den Kapitalmärkten profitiert. Die Kapitalanlagen stiegen von 107,7 auf 109,5 Milliarden Euro und erbrachten eine Nettorendite von durchschnittlich 4,6 Prozent. Das waren 0,43 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

BVV

Bilanzsumme: 22,27 Milliarden Euro

Rentner: 96.442

Kapitalanlagen: 21,76 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,2 Prozent

Bayer

Bilanzsumme: 7,43 Milliarden Euro

Rentner: 54.840

Kapitalanlagen: 7,33 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 3,4 Prozent

Hoechst

Bilanzsumme: 6,29 Milliarden Euro

Rentner: 50.335

Kapitalanlagen: 6,14 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,6 Prozent

BASF

Bilanzsumme: 5,87 Milliarden Euro

Rentner: 42.457

Kapitalanlagen: 5,8 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,4 Prozent

Allianz PK

Bilanzsumme: 5,39 Milliarden Euro

Rentner: 3.051

Kapitalanlagen: 5,16 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,0 Prozent

Allianz VK

Bilanzsumme: 4,08 Milliarden Euro

Rentner: 22.299

Kapitalanlagen: 4,01 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,1 Prozent

Hamburger Pensionskasse

Bilanzsumme: 3,79 Milliarden Euro

Rentner: 37.779

Kapitalanlagen: 3,56 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,5 Prozent

ZVK Bau

Bilanzsumme: 3,48 Milliarden Euro

Rentner: 411.296

Kapitalanlagen: 3,2 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 3,8 Prozent

Degussa + Hüls

Bilanzsumme: 3,22 Milliarden Euro

Rentner: 23.588

Kapitalanlagen: 3,15 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,7 Prozent

R+V Pensionsversicherung

Bilanzsumme: 2,32 Milliarden Euro

Rentner: 13.286

Kapitalanlagen: 2,23 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 5,0 Prozent

Sparkassen PK

Bilanzsumme: 2,17 Milliarden Euro

Rentner: 783

Kapitalanlagen: 2,13 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 4,1 Prozent

Verka PK

Bilanzsumme: 1,86 Milliarden Euro

Rentner: 21.094

Kapitalanlagen: 1,83 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 3,8 Prozent

IBM Deutschland

Bilanzsumme: 1,55 Milliarden Euro

Rentner: 456

Kapitalanlagen: 1,53 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 12,2 Prozent

Barmer Ersatzkasse

Bilanzsumme: 1,51 Milliarden Euro

Rentner: 5.066

Kapitalanlagen: 1,48 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 5,1 Prozent

Bewag

Bilanzsumme: 1,47 Milliarden Euro

Rentner: 5.618

Kapitalanlagen: 1,44 Milliarden Euro

Nettoverzinsung: 3,9 Prozent

Laut den aktuellen Bilanzierungsregeln dürfen die Unternehmen den Ertrag, den sie entsprechend ihrer Anlagestrategie aus dem Planvermögen erwarten, am Anfang jedes Geschäftsjahrs in der Gewinn- und Verlustrechnung verbuchen. Meist rechnen die Firmen anfangs mit einem ordentlichen Gewinn.

Mercer schätzt aber, dass das Planvermögen der Dax-Konzerne 2011 vor allem durch Kursverluste bei Aktien tatsächlich um gut ein Prozent und damit um knapp zwei Milliarden Euro geschrumpft ist.

Die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ertrag verrechnen die meisten Unternehmen direkt im Eigenkapital. Der ausgewiesene Gewinn ist dadurch oft zu hoch.

Kommentare (1)

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protest

29.01.2012, 10:35 Uhr

Wieder einmal wird an den Rücklagen der über Jahrzehnte hinaus gestrauchelten Arbeitssklaven eingespart. Umverteilung von unten nach OBEN!! Die Vorschriften werden einfach nivelliert, gestrichen. Und damit mehr als existenzdeckende Betriebsrenten jahrzehntelang tätiger Arbeitnehmer. Es ist ähnlich wie seinerzeit 1933 mit den angesammelten Rentensprüchen des Proletariats: seinerzeit für die Finanzierung der Kriegswaffen eingesetzt werden derartige Polster nun einfach gegenstandslos gestrichen.
Wann endlich marschieren die Proteste auf die Straßen?? Muss dazu H4 auch komplett verschwinden??

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