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14.01.2016

13:25 Uhr

Bilfinger

Baukonzern droht die Zerschlagung

VonMartin Tofern

Der kriselnde Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger erwägt den Verkauf wichtiger Unternehmensteile. Es geht um zentrale Bereiche der leistungsstärksten Sparte. Analysten halten eine Zerschlagung für möglich.

Der Bau- und Dienstleistungskonzerns will Teile einer wichtigen Sparte verkaufen. dpa

Bilfinger

Der Bau- und Dienstleistungskonzerns will Teile einer wichtigen Sparte verkaufen.

DüsseldorfDie Nachricht kam um Mitternacht: Der angeschlagene Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger habe von verschiedenen Interessenten Angebote für große Teile der Sparte Building and Facility erhalten. Die Sparte steht für Bau, Betrieb und Wartung von Gebäuden. Der Vorstand werde diese Angebote „im besten Sinne der Gesellschaft und ihrer Aktionäre einer näheren Prüfung unterziehen.“

Offenbar hatten potenzielle Käufer ihr Interesse an der Bilfinger-Sparte bekundet. Daraufhin habe Bilfinger professionelle Berater damit beauftragt, den Markt zu. Das hat wohl mehrere Angebote eingebracht, die nun „ergebnisoffen“ geprüft werden sollen. Wer die Bieter sind und ob sie nur einzelne Teile der Sparte oder größere Einheiten kaufen wollen, ist nicht bekannt.

Die Nachricht ist insofern ziemlich überraschend, als die Verantwortlichen bei Bilfinger immer beteuert hatten, an einer Zerschlagung des Unternehmens nicht interessiert zu sein. Bislang besteht Bilfinger aus drei Sparten: Gebäudemanagement, Bau und Wartung von Industrieanlagen sowie die Kraftwerkssparte. Letztere ist hochdefizitär, weshalb der neue Unternehmenschef Per Utnegaard bereits kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer verkündet, sie zu verkaufen. Das Unternehmen sollte mit den verbleibenden beiden Sparten weitergeführt werden. Die jetzt zum Verkauf stehende Sparte Building and Facility wäre der Stützpfeiler der neuen Konstruktion gewesen. Hier erwirtschaften 23.000 Beschäftigte einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Mit dem Verkauf der lukrativen Sparte wäre eine Zerschlagung des Konzerns nicht mehr ausgeschlossen. Bereits im Herbst hatte Unternehmenschef Utnegaard, der vom Mehrheitsaktionär Cevian eingesetzt worden ist, ziemlich deutlich gemacht, was er von einer Drei- oder Zweisäulenstrategie hält, nämlich: nichts. Es gebe keinerlei Synergien zwischen den Unternehmenssparten. Im Übrigen sei Bilfinger ineffizient und verkaufe seine komplexen Produkte zu teuer. „Ein Weiter so“ werde es nicht geben. Nach Aussage des DZ-Bank-Analysten Thorsten Reigber kann eine Aufspaltung der Gruppe nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Nachricht könne aber Hoffnungen wecken, dass bei dem Unternehmen die Summe der Einzelteile doch mehr wert ist als der Konzern als Ganzes. Die Bilfinger-Aktien jedenfalls legten schon mal leicht zu.

Wegen hoher Abschreibungen auf das Kraftwerksgeschäft, das wegen der Energiewende praktisch eingebrochen ist, und Fehlern im Projektmanagement hat Bilfinger auch im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr hohe Verluste eingefahren. Finanzchef Axel Salzmann rechnet mit einem Minus von bis zu 540 Millionen Euro.

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