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01.10.2011

15:47 Uhr

Bilfinger Berger

Roland Koch muss handeln

VonGeorg Weishaupt

Roland Koch, ehemaliger Ministerpräsident und jetziger Chef von Bilfinger Berger, hat eine große Aufgabe vor sich. Er muss den Konzernumbau vollenden – vom Bauunternehmen zum „ingenieurgetriebenen Dienstleister“.

Der neue Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger Berger und ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). dpa

Der neue Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger Berger und ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU).

Lippendorf, LeipzigAuf den ersten Blick sieht er aus wie ein Besucher einer Werksführung - nicht wie der Chef. Auf dem Kopf ein weißer Bauhelm, die Hände vor dem Körper verschränkt: Andächtig beobachtet der Mann im blauen Anzug zwei Schweißer. "So eine Besichtigung ist auch für mich immer noch ein Stück Erkundung", räumt Roland Koch ein, der vor knapp 100 Tagen den Chefposten bei Bilfinger Berger übernommen hat.

Der ehemalige Ministerpräsident von Hessen hat ins Braunkohlekraftwerk Lippendorf bei Leipzig geladen, eines der modernsten Kohlekraftwerke Europas. In einer Wartungshalle, so groß wie zwei Turnhallen, reparieren die Arbeiter ein Mahlwerk, das Braunkohleklumpen zerkleinert, bevor sie im Ofen verfeuert werden. Die Arbeiter stammen von Bilfinger Berger Industrial Services (BIS), einer Sparte des Mannheimer Konzerns. Sie übernimmt für den Energiekonzern Vattenfall einen Großteil der Wartungsarbeiten.

Doch Koch wirkt nur wie ein Besucher, der neue Chef von Bilfinger hat eine klare Botschaft: "Wir sind kein Baukonzern, sondern ein ingenieurgetriebener Dienstleister", wie er es nennt. Es gebe kaum eine Branche, die der Konzern nicht bediene: von der Energie- über die Auto- bis zur Chemieindustrie, doziert er.

Koch hat sich in seiner zweiten Karriere als Industriemanager viel vorgenommen - und jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Er will beim Mannheimer Konzern der Integrator sein: "Es gibt in vielen Bereichen Abschottungstendenzen", sagt er. Da gehe viel Potenzial verloren. Er will deshalb im Konzern "die Türen links und rechts öffnen", um neues Geschäft zwischen den Teilbereichen zu generieren - nicht einfach in einem Unternehmen mit vielen selbstständigen und selbstbewussten Tochterfirmen.

Sein Vorgänger leistete die Aufbauarbeit. Bauingenieur Herbert Bodner wollte aus Bilfinger einen Dienstleistungskonzern formen und zog sich dafür immer mehr aus dem risikoreichen und margenschwachen Baugeschäft zurück. Seit 2002 kaufte er für zwei Milliarden Euro rund 80 Unternehmen aus dem Dienstleistungsgeschäft. Heute macht Bilfinger 80 Prozent seines Umsatzes damit.

Und jetzt muss der 53-jährige Politkommunikator Koch, der unterwegs statt Notebook nur noch ein modernes iPad nutzt, die Teilbereiche und kleinen Firmen zu einer Einheit zusammenschweißen. Anfangs stieß er in der Mannheimer Konzernzentrale auf Skepsis. Wie sollte ein Politiker ohne Ahnung vom Geschäft einen solchen Traditionskonzern führen? Schließlich hat sich der Anwalt für Wettbewerbs- und Wirtschaftsrecht vor allem als CDU-Politiker einen Namen gemacht.

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