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13.04.2016

12:27 Uhr

Bilfinger-Chef Utnegaard

Der zielstrebige Norweger gibt auf

Nicht einmal ein Jahr hielt es Bilfinger-Chef Per Utnegaard auf dem Chefsessel beim kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger aus. Nun kapituliert der Norweger vor der Herkulesaufgabe. Was steckt dahinter?

Der als Hoffnungsträger gestartete Bilfinger-Chef gibt sein Amt völlig überraschend ab. dpa

Per Utnegaard

Der als Hoffnungsträger gestartete Bilfinger-Chef gibt sein Amt völlig überraschend ab.

Düsseldorf/MannheimEr hat sich in die Herkulesaufgabe Bilfinger tief reingekniet, aber jetzt gibt er nach nur elf Monaten im Amt auf: Der Norweger Per Utnegaard legt völlig überraschend sein Amt als Vorstandsvorsitzender des kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzerns nieder. „Aus persönlichen Gründen“, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Aufsichtsrat und der 56-jährige Manager hätten sich einvernehmlich darauf verständigt. Laut Agenturberichten soll dahinter kein Streit über die strategische Ausrichtung des angeschlagenen Konzerns stehen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits auf Hochtouren: Das Kontrollgremium führe bereits Gespräche mit mehreren Kandidaten. Ziel sei es, eine Neubesetzung in Kürze bekannt zu geben. Bis auf weiteres übernehme Finanzvorstand Axel Salzmann zusätzlich die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden.

Paukenschlag von Per Utnegaard: Bilfinger-Chef geht überraschend

Paukenschlag von Per Utnegaard

Bilfinger-Chef geht überraschend

Beim kriselnden Konzern Bilfinger kommt es völlig überraschend zum Führungswechsel. Vorstandschef Per Utnegaard legt nach weniger als einem Jahr sein Amt nieder. Ein Nachfolger soll bald präsentiert werden.

Als Utnegaard im Juni vergangenen Jahres von Großaktionär und Finanzinvestor Cevian an die Spitze des angeschlagenen Konzerns geholt wurde, hatte er schnell diagnostiziert, dass es die von Vorgänger Roland Koch beschworenen Synergien zwischen den drei Bilfinger-Sparten Power, Industrial sowie Building and Facility nicht gibt. Fokussierung war das Credo von Utnegaard: Also wurde die defizitäre Kraftwerkssparte verkauft und die eine Zwei-Säulen-Strategie mit den Sparten Industrial und Building and Facility als neue Marschrichtung vorgestellt. Doch mittlerweile steht auch die Ertragsperle, das Bau- und Immobiliengeschäft, zur Disposition.

Dem Traditionskonzern, dessen Wurzeln bis 1880 zurückreichen, droht damit die Zerschlagung. Im vergangenen Jahr verbuchte Bilfinger einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro. Die Dividende wurde gestrichen.

Utnegaard, der gut Deutsch spricht, hat sich für den Job in Mannheim empfohlen, weil es ihm zuvor gelungen war, die Schweizer Flughafen-Servicegesellschaft Swissport wieder auf Kurs zu bringen. Der Norweger ist wie alle Skandinavier freundlich, charmant und zugänglich. Wegbegleiter beschrieben ihn aber auch extrem zielstrebiger und entschlossenen.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Der in Oslo geborene studierte Betriebswirt hatte seine berufliche Karriere in den 1980er-Jahren bei der Beratungsgesellschaft AT Kearney in Stockholm gestartet und war danach bei verschiedenen Unternehmen in Führungspositionen tätig: bei den Logistikunternehmen TNT und Danzas etwa, der Schweizerischen Bundesbahn und dem Apotheken und Drogeriekonzern Alliance Boots.

Aus seiner Zeit in der Schweiz hat er auch den leicht eidgenössischen Akzent in seinem Deutsch mitgebracht, auch die norwegische Herkunft klingt noch mit durch. In Mannheim hatte er übrigens noch gar keine Zeit, heimisch zu werden – er wohnt im Hotel.

An dem strategischen Weg der Fokussierung auf das Kerngeschäft, die Utnegaard verkündet hatte, will Bilfinger indes festhalten, wie Aufsichtsratschef Eckhardt Cordes am Mittwoch erklärte: „Dieser strategische Weg wird konsequent fortgesetzt und Bilfinger zurück auf einen profitablen Wachstumskurs gebracht.“ Die Herkulesausgabe wartet nun auf einen Nachfolger.

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/ Reuters / HB

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.04.2016, 12:40 Uhr

Bei dem CEO-Verschleiß von Bilfinger innerhalb so kurzer Zeit, muss der Headhunter für den Nächsten aber mindestens das doppelte Gehalt anbieten, dass man(n) sich das noch antut.

Herr Ciller Gurcae

13.04.2016, 13:22 Uhr

Am besten, einen Chinesen holen.
Der schafft eine Ordnung, bringt unbegrenzt Kapitalzugang mit und schafft die Leute an die Arbeit.

Bilfinger soll mal wieder richtig was bauen lernen, nicht nur verwalten.

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