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10.11.2016

12:07 Uhr

Bilfinger-Konzern in der Krise

Tom Blades schließt erste Baustellen

VonJens Koenen

Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger steckt in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte. Chef Tom Blades kommt mit der Sanierung des Konzerns voran – doch bislang bleibt er eine Gesamtstrategie schuldig.

Der Bilfinger-Chef kommt mit der Sanierung voran – aber langsam. PR

Tom Blades

Der Bilfinger-Chef kommt mit der Sanierung voran – aber langsam.

FrankfurtDie wichtigste Nachricht in dem am Vormittag vorgelegten Zwischenbericht des MDax-Unternehmens Bilfinger hat nichts mit Zahlen zu tun. Es ist die Information, dass der Konzernvorstand um Chef Tom Blades seine endgültige Strategie erst am 14. Februar kommenden Jahres präsentieren wird. Geplant war, dass die Marschrichtung noch im laufenden Jahr festgezurrt werde. Doch Blades braucht, so ist zu hören, wohl noch etwas Zeit für die Detailarbeit.

Zeit, die ihm die Investoren offensichtlich auch geben wollen. Denn auch ohne eine abschließende Strategie ist es dem schwer angeschlagenen Industriedienstleister in den zurückliegenden Monaten gelungen, zumindest einen Teil des Vertrauens der Kapitalmärkte zurückzugewinnen, das vier Gewinnwarnungen in Folge zerstört hatten. Seit dem Tiefstand der Aktie im Juli (rund 25 Euro) hat sich der Kurs des Papiers um mehr als 50 Prozent verbessert.

Auch am Donnerstagvormittag kletterte die Aktie um mehr als ein Prozent nach oben. Am Morgen hatte das Unternehmen seinen Bericht zum dritten Quartal präsentiert. Der zeigt auf der einen Seite, dass sich Bilfinger weiter im Umbruch befindet. Zwar weist der Dienstleister für den Zeitraum Juli bis September einen Gewinn von 457 Millionen Euro aus, nach einem Verlust von 76 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Doch dieses Plus ist vor allem auf den Verkauf der Immobiliendienstleistungen an den Finanzinvestor EQT zurückzuführen. Er spült dem Unternehmen in diesem Jahr 534 Millionen Euro in die Kasse.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

In den fortgeführten Geschäften mit Kraftwerks- (Power) und Industrie-Dienstleistungen konnte Bilfinger dagegen mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 21 Millionen Euro (Vorjahr: 15 Millionen Euro) nur ein schmales Plus erzielen. Beide Sparten verzeichneten bei der Leistung sogar zweistellige Rückgänge.

In der Sparte „Industrial“ wirkt sich die Nachfrageschwäche von Seiten der Öl- und Gasindustrie aus. In der Sparte „Power“ fehlen die Aufträge der Kraftwerks-Industrie, weil diese selbst massiv mit den Folgen der Energiewende zu kämpfen hat. Zudem geht das Bilfinger-Management hier bei den Projekten deutlich selektiver vor. In der Vergangenheit hatte sich Bilfinger mit risikoreichen Projekten mächtig verhoben. Der geplante Verkauf der Sparte Power scheiterte mangels Attraktivität.

Dennoch wartet gerade das Sorgenkind „Power“ mit einer Überraschung auf. Der operative Verlust reduzierte sich im dritten Quartal von vier auf eine Million Euro. Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow etwa hatte mit einem Minus von acht Millionen Euro gerechnet und zeigte sich angesichts der deutlichen Verbesserung zufrieden über die Fortschritte bei der Sanierung.

Und noch eine andere Zahl weckt die Hoffnung, dass Bilfinger die Kurve kriegt. Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Cashflow) verbesserte sich im dritten Quartal von 29 auf 39 Millionen Euro. Zwar hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten im operativen Geschäft 246 Millionen Euro an Cash „verbrannt“, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum (110 Millionen Euro).

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Doch das dritte Quartal zeigt, dass es Blades und seinem Team allmählich gelingt, diesen  „Cashdrain“ zu verlangsamen beziehungsweise zu stoppen. Das ist wichtig, denn Investoren fürchten, dass der Verkaufserlös aus der Immobiliensparte sukzessive durch die operativen Verluste im Powergeschäft aufgezehrt werden könnten.

Das Geld aus dem Verkauf braucht Blades aber für den Bereich „Industrial“, unter anderem für Zukäufe. Auch wenn der Bilfinger-Chef seine abschließende Strategie nun erst im Februar präsentieren will, so zeichnet sich doch schon ab, wo der Weg grob hingeht. So will Bilfinger sein Kerngeschäft mit Industriedienstleistungen in ausgewählten Regionen im Mittleren Osten und Nordamerika ausbauen.

Im Iran hofft Blades zum Beispiel auf Aufträge im Zuge der Modernisierungen der dortigen Raffinerien und hat hier bereits erste Projekte an Land gezogen. In Nordamerika könnte Bilfinger von den Investitionen in Infrastruktur profitieren, die der neue Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt hat.

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