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21.02.2013

19:28 Uhr

Billighotel-Boom

Einfach edel

VonEsra Gürsel

Lange haftete Low-Budget-Hotels das Bild von billigen Absteigen an. Doch mit der Wirtschaftskrise stieg die Nachfrage nach günstigen Übernachtungsangeboten. Heute boomen Designer-Budgethotels. Und es gibt Verlierer.

Budgethotels setzen zwar auf minimalistische, dafür aber moderne Ausstattung.

Budgethotels setzen zwar auf minimalistische, dafür aber moderne Ausstattung.

DüsseldorfIn der Lobby stehen moderne Designer-Sessel, Swarovski-Kristalle schmücken den Tresen, auf dem Flachbildschirm flackert ein digitales Kaminfeuer und das schwarz-marmorierte Badezimmer lockt mit einer Regendusche – wer im „Motel One“ in München ankommt, könnte auf den ersten Blick glauben ein modernes Sternehotel betreten zu haben. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass es keine Sterne gibt. Dafür bleibt nach dem Check-in viel Geld im Portemonnaie. Wie der Name des Hauses impliziert, handelt es sich um ein besonders günstiges – ein sogenanntes Budgethotel.

Spätestens seit 2008 mit dem Ausbrechen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise gilt das Segment der Niedrigpreis-Hotels als der Zukunftsmarkt im Beherbergungsgewerbe. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden Hotels, die Übernachtungen zu günstigen Preisen anbieten, von breiten Kundenschichten stärker angefragt.

Welche Budgethotels was bieten

A-ja-Resorts

A-ja-Resorts bietet Wellnessurlaub für wenig Geld. In Warnemünde steht ein zehnstöckiger Bau mit 233 Zimmern direkt an der Standpromenade. Dazu gehören ein 4.000 Quadratmeter großes Seebad, ein Restaurant und zwei Bars. Das King-Size-Zimmer mit Komfortbett, Fernseher und großer Regendusche kostet ab 39 Euro pro Person. Pool, Sauna und Fitness können gegen einen Aufpreis dazu gebucht werden. Das Budgethotel steht direkt neben dem Fünfsternehotel Neptun. Immerhin teilt man sich das Meer.

B&B Hotels

Die französische Kette B&B Hotels hat 49 Häuser in Deutschland. Das Konzept setzt auf "größtmöglichen Komfort" zu einem "vernünftigen Preis-Leistungsverhältnis". Die Zimmer sind auf das Wesentliche reduziert, aber edel ausgestattet. Ein Einzelzimmer kostet ab 36 Euro, ein Doppelzimmer ab 44 Euro, und ein Familienzimmer mit bis zu vier Betten ist ab 60 Euro buchbar. Im preis inklusive: W-Lan und ein Pay-TV-Angebot mit 15 Kanälen und ein Parkplatz. Frühstück kostet extra. Außerhalb der Öffnungszeiten können Gäste an Automaten ein- und auschecken.

Easyhotels

Easyhotels gelten als Pendant der Billigflieger. Die Kette gehört dem Unternehmer Stelios Haji-Ioannou, der schon mit seiner Low-Cost-Airline Easyjet den Nerv der Sparfüchse getroffen hat. Die Hotels sind in leuchtendem Firmenorange gehalten. Ähnlich wie bei den Flugtickets hängt der Preis von der Nachfrage ab. Eine Übernachtung in London ist ab 29 Pfund (etwa 36 Euro) buchbar, in Berlin ab 25 Euro und in Porto, Sofia und Budapest ab 19 Euro.

Holiday Inn Express

Holiday Inn Express gehört zur Hotelgruppe Intercontinental, die eigentlich für ihren Luxus bekannt ist. Der Glanz der höherklassigen Hotels soll auch auf die Budget-Tochter abfärben. In den modernen Zimmern findet der Gast zusätzlich zum Bad und Fernseher einen Wasserkocher und steht vor Wahl zwischen fünf verschiedenen Kopfkissenvarianten wählen zu können. Preis pro Nacht: ab 69 Euro - Frühstück ist inbegriffen.

Ibis Budget

Die Ibis Budget-Hotels gehören zum Marktführer Accor. Hier legt man Wert auf warme Farben, viel Licht und gute Matratzen. Zusätzlich bieten Flachbildfernseher und W-Lan einigen Komfort. Ein Doppelzimmer - mit einem integrierten Etagenbett für Kinder ab sechs Jahren - kostet ab 29 Euro pro Nacht, ein Frühstück 7,50 Euro. Für den gleichen Preis kann man auch in einem deutschen Formule-1-Hotel einchecken, die ebenfalls zur Accor gehören, muss sich aber dann mit anderen Gästen einen Waschraum teilen.

Ikea Hotels

Der schwedische Möbelriese Ikea baut nicht nur Betten, sondern gleich ganze Bettburgen. Die Schwestergesellschaft Inter Ikea will 2013 die ersten Budget-Design-Hotels in Deutschland eröffnen. Wo es dann stehen soll ist zwar noch nicht bekannt, aber wie es dann innen aussehen wird, kann man sich leicht vorstellen. Das ein oder andere Billy-Regal wird sicherlich seinen Platz im Ikea-Hotel finden.

Motel One

Motel One, gegründet vom ehemaligen Accor-Manager Dieter Müller, wächst und wächst. Das Erfolgsrezept: Ein auf das Wesentliche reduziertes Serviceangebot, dafür aber edle Ausstattung und Designer-Möbel. Ab 49 Euro pro Nacht gibt es kostenfreies W-Lan und ein in schwarzem Granit gehaltenes Bad mit einer regendusche. Statt Rezeption, Bar und Frühstücksraum gibt es eine Lounge. Dort ist für 7,50 Euro auch Frühstück erhältlich.

Smartline

Auch neckermann-Reisen hat ein Auge auf den lukrativen Low-Budget-Markt geworfen. In diesem Sommer sollen 22 Hotels in Griechenland, Spanien, Türkei, Ägypten und Bulgarien Urlaub für wenig Geld anbieten. Alle Häuser verfügen über ein Restaurant, einen Pool und liegen in Strandnähe, das maximale Preisniveau liegt - je nach Zielgebiet - zwischen 25 und 40 Euro pro Tag.

Travel24

Das Online-Reiseportal Travel 24 will ebenfalls in den Betrieb von Budget-Design-Hotels einsteigen. Geplant sind mittelfristig bis zu 25 Hotels in deutschen Großstädten. Für die entsprechende Auslastung sollen nicht zuletzt die eigenen Buchungsseiten sorgen. Den Anfang werden 2013 Häuser in Köln und Leipzig machen.

Der französische Hotelkonzern Accor zählt mit den Marken Ibis, Adagio und Formule1 dabei zu den Pionieren auf dem Budget-Markt und ist Marktführer in Deutschland und Europa. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf knapp 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Allein 2012 hat der Konzern 15.000 neue Betten seiner Günstig-Marke Ibis geschaffen. Und Accor ist noch längst nicht an seine Grenzen gestoßen: Bis 2016 sollen jedes Jahr 30.000 neue Zimmer weltweit entstehen, heißt es. 

Ob Ibis, B&B Hotels oder Motel One – in den vergangenen Jahren haben Hotelketten im Niedrigpreissegment ihre Kapazitäten stetig ausgeweitet. Motel One steigerte sein Hotelangebot auf dem deutschen Markt von 13 Häusern in 2006 auf 42 Häuser bis Ende 2012 und verfügt derzeit über mehr als 9.200 Zimmer. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2,5 Millionen Zimmer vermietet. Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 175 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Weitere Hoteleröffnungen sollen folgen - auch im europäischen Ausland. 

Bis 2016 will die Motel One-Gruppe ihre Hotelzahl auf insgesamt 70 Häuser erhöhen. Das Segment wächst hierzulande seit mehreren Jahren ungebrochen und legt auch im Vergleich zum gesamten Hotelmarkt überproportional zu, heißt es im aktuellen Branchenreport des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes.

Kommentare (2)

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Zille

21.02.2013, 20:54 Uhr

Liebe Redaktion,

Euch ist leider ein Fehler unterlaufen. In allen Motel Ones gibt es Frühstück für 7,50€ pro Person!

Danke

ulrichhauck

22.02.2013, 08:38 Uhr

War schon mehrfach in München Motel One.
Alles super - Einrichtung, Service, Frühstück, Lobby
und der Preis.
Kommen auch mehr und mehr ältere Gäste.

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