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20.02.2013

07:45 Uhr

Billigstromanbieter

Staatsanwaltschaft Moskau ermittelt im Fall Teldafax

ExklusivUm den Billigstromanbieter Teldafax entwickelt sich ein internationaler Wirtschaftskrimi. Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in Moskau in dem Fall. Der Verdacht: Entwendung durch Abschluss fingierter Verträge.

Internationaler Wirtschaftskrimi: Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Moskau. dpa

Internationaler Wirtschaftskrimi: Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Moskau.

Moskau/BonnDer Untergang des Billigstromanbieters Teldafax wird zum internationalen Wirtschaftskrimi. Nach Informationen des Handelsblatts (Mittwochausgabe) ermittelt die Generalstaatsanwalt Moskau gegen den ehemaligen Generaldirektor des russischen Teldafax-Gesellschafters Energo Stream, Jurij Scheljabowskij. „Die Anklage lautet auf Entwendung von Geldmitteln durch Abschluss von fingierten Verträgen mit von ihnen kontrollierten Offshore-Firmen“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Moskau dem Handelsblatt.

In diesem Zusammenhang würden die russischen Ermittler auch gern mit Michael Josten sprechen, dem Mann, der als Drahtzieher des Teldafax-Skandals in Deutschland angeklagt ist. Josten, ein ausgebildeter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, legte bereits früher verschachtelte Unternehmensgebilde mit Gesellschaften in Übersee an. Noch hat ihn die Generalstaatsanwaltschaft Moskau offenbar nicht erreicht. Ein Amtshilfeersuchen bei der Staatsanwaltschaft Bonn läuft.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Scheljabowskij ist dafür verantwortlich, dass der Energiekonzern Energo Stream zwischen November 2010 und Mai 2011 insgesamt 105 Millionen Euro als Darlehen an Teldafax überwies – Geld, das in dem chaotischen Unternehmen versickerte und für die Russen vermutlich auf alle Zeit verloren ist.

Am vergangenen Freitag erhob die Staatsanwaltschaft Bonn Anklage gegen Josten sowie die ehemaligen Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Klaus Bath und Gernot Koch. Die Anklage gegen alle drei lautet auf „gewerbsmäßigen Betrug und Bankrotthandlungen“. Teldafax war nach Ansicht der Ermittler bereits seit Mitte 2009 insolvenzreif. Der Fall gilt gemessen an der Zahl der 500.000 Gläubiger als das größte Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

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