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08.01.2008

11:16 Uhr

Blue-ray

Unjapanisch direkt

VonFinn Mayer-Kuckuck

Die erste Runde im Kampf um den neuen Videostandard geht an Katsumi Ihara. Vier von sechs großen Hollywood-Studios unterstützen nun den von ihm mit eingeführten Videostandard Blu-ray. Damit geht eine Strategie auf, die der Sony-Spitzenmanager zusammen mit Konzernchef Howard Stringer vorangetrieben hat: Viele kleine Faktoren sollten das Glück im Streit um die DVD-Nachfolge zugunsten seines Blu-ray-Formats kippen lassen. „Der Kampf ist in vollem Gange“, pflegt Ihara zu sagen.

Ihara ist bei Sony die Nummer drei der Hierachie. Foto: ap Quelle: ap

Ihara ist bei Sony die Nummer drei der Hierachie. Foto: ap

TOKIO. Auf der Marketingseite setzt er auf die Stärke der Namen, die mit im Blu-ray-Pool sitzen – Sony, Panasonic und Samsung haben seiner Ansicht nach einen besseren Klang als Toshiba, NEC und Sanyo. Zudem hat Ihara eine branchenübergreifende Allianz von Unterstützern für Blu-ray aufgebaut. „Hier haben wir unsere Lektion gelernt aus dem Sieg von VHS über unser Format Betamax“, spielt Ihara auf Ereignisse aus den 70er-Jahren an.

In Tokios Wirtschaftswelt sind sich alle einig: Der 57-Jährige ragt als origineller Charakter unter den übrigen Elektronikmanagern heraus. Und er passt prächtig zu Sony. Wo die Top-Manager von Konkurrenten wie Toshiba und Matsushita in der Außendarstellung vor lauter Zurückhaltung fast verschwinden, wirkt Ihara extrovertiert und selbstbewusst – ohne gleich arrogant zu sein. Er verfügt über eine kräftige Stimme und sagt notfalls ganz unjapanisch und direkt, was er meint. In einem für japanische Verhältnisse bunten und internationalen Unternehmen wie Sony ist das besonders nötig, um sich Gehör zu verschaffen.

Was Ihara bisher angepackt hat, wurde früher oder später ein Erfolg. Er organisierte die Zusammenlegung von zwei halbkranken Handysparten zu einer gesunden, als er 2001 die Leitung der neuen Sony-Ericsson übernahm. Drei Jahre später übergab er an seinen Nachfolger einen rundlaufenden Handyhersteller, der heute trotz seiner Premiumprodukte die Tabellenspitze der Massenhersteller angreift. Und das gelang Ihara auch mit einem Trick. „Als ich das Gemeinschaftsunternehmen leitete, fragte ich Sony-CEO Nobuyuki Idei, ob er mir den Markennamen Walkman lizensiert“, erinnert sich Ihara.

Ihm kam auch seine Detailversessenheit zugute. Er duldete keine Ungenauigkeiten, wenn nötig ging er selbst in die Produktion, kümmerte sich um Design und Qualitätsmanagement. Viel Lob erhielt er in Stockholm und London zudem dafür, dass er trotz allem die schwedische und japanische Unternehmenskultur mit Fingerspitzengefühl zusammenführte. Den Erfolg belohnte der Konzern, indem er ihn als Finanzchef zurückholte. Eine harte Aufgabe: Die Entwicklungskosten waren ausgeufert, weil verspielte Ingenieure sich zu viel selbst verwirklichen durften. Der Laden brauchte mehr Disziplin und Kooperation – und der auffällige und notfalls auch laute Ihara war der Mann, um neue Tugenden zusammen mit der Konzernspitze durchzusetzen.

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