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15.09.2015

19:29 Uhr

BMW-Chef Harald Krüger

Mensch Manager

VonMiriam Schröder

Während einer Pressekonferenz sackt BMW-Chef Harald Krüger auf der Bühne zusammen. Sein Kollaps sendet eine beruhigende Botschaft, findet Miriam Schröder. Er zeigt: Eine Pause brauchen wir alle dann und wann.

Die Autorin ist Korrespondentin in Berlin. Sie erreichen sie unter: m.schroeder@handelsblatt.com

Die Autorin ist Korrespondentin in Berlin. Sie erreichen sie unter: m.schroeder@handelsblatt.com

DüsseldorfWie peinlich, denkt man unwillkürlich, nur um sich gleich dafür zu schämen: Da taumelt ein Mann und fällt auf den Boden. Es ist ein mächtiger Mann, der neue BMW-Chef Harald Krüger. Ein Kreislaufkollaps, vor Hunderten von Menschen und vor laufenden Kameras bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Darf man sich diese Bilder anschauen, an der Schwäche eines anderen Gefallen finden?

Man darf nicht nur, man sollte sogar, denn die Bilder provozieren neben Schrecken und Mitgefühl auch eine wohltuende Erkenntnis. Sie lautet: Irgendwann ist auch mal gut.

Schrecksekunde

BMW-Chef Harald Krüger bricht zusammen

Schrecksekunde: Schrecksekunde: BMW-Chef Harald Krüger bricht zusammen

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Harald Krüger, so beeilte sich seine Pressestelle zu erklären, sei vor dem Auftritt zwei Wochen lang durch die Welt gereist. Vermutlich hat er viele Stunden im Flugzeug gesessen, einen Jetlag gehabt. Hier ein Problem, da eine Entscheidung, dort eine Verhandlung. Und jetzt bloß keinen Fehler machen, im Konzern gucken sie bestimmt noch, wie sich der Neue so schlägt.

Offenbar brauchte Krüger eine Pause. Die brauchen wir alle dann und wann. Aber wenn wir nach oben sehen, was finden wir dort? Machtmenschen, die ihr Menschlichsein, so gut es geht, verbergen sollen.

Pressekonferenz abgebrochen: BMW-Chef versagt der Kreislauf auf der IAA

Pressekonferenz abgebrochen

BMW-Chef versagt der Kreislauf auf der IAA

Schreck am Morgen auf der IAA: Während der Pressekonferenz von BMW sackt der neue Vorstandschef Harald Krüger auf der Bühne zusammen. Der Autobauer kann kurz darauf Entwarnung geben.

Als die Bundeskanzlerin im Sommer bei den Bayreuther Festspielen vom Stuhl fiel, dauerte es nur ein paar Stunden, bis das Kanzleramt erklärte, dass das Möbelstück zusammengebrochen war, nicht etwa Angela Merkel. Eine Regierungschefin bricht nicht zusammen, zeigt keine Schwäche, nicht mal nach anstrengenden Verhandlungswochen, nicht mal im Hochsommer, nicht mal nach den ersten 90 Minuten „Tristan und Isolde“. Wie wohltuend wäre es gewesen, Angela Merkel hätte uns erzählt, dass sie eingeschlafen ist, ganz einfach, weil sie müde war. Würde das ihre Leistung schmälern? Würde die Welt die deutsche Kanzlerin dann weniger ernst nehmen?

Die Aktie von BMW ist nach dem Zwischenfall auf der Frankfurter Automobilmesse jedenfalls nicht eingebrochen. Die Aktionäre wissen, dass der Weltkonzern weiter funktioniert, obwohl Harald Krüger nach Hause gefahren ist, um sich auszuruhen. Auch Investoren, die Millionen bewegen, sind nur Menschen. Eigentlich müsste Krügers Sturz den Kurs sogar befeuern.

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