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26.09.2016

08:29 Uhr

Brexit-Votum

Britische Konzernchefs erwägen Abwanderung

Das Brexit-Votum hat das Vertrauen britischer Firmenchefs erschüttert. Obwohl sie die Wachstumsaussichten gut beurteilen, erwägen drei Viertel von ihnen laut einer Umfrage die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland.

76 Prozent der britischen Firmenchefs erwägen einen Standortwechsel. Reuters

Finanzdistrikt Canary Wharf

76 Prozent der britischen Firmenchefs erwägen einen Standortwechsel.

LondonDas Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union hat dafür gesorgt, dass drei Viertel der Unternehmenschefs die Verlegung ihres Hauptsitzes oder Verlagerung ihres Geschäftsbetriebs aus Großbritannien in Betracht ziehen. Das ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 100 Firmenchefs.

Etwa 72 Prozent der befragten CEOs gaben der Mitteilung von KPMG zufolge an, bei dem Brexit-Referendum am 23. Juni für einen Verbleib in der EU gestimmt zu haben. Obwohl 69 Prozent die Wachstumsaussichten der britischen Wirtschaft positiv betrachten und 73 Prozent zuversichtlich sind, dass ihre Unternehmen expandieren werden, erwägen doch 76 Prozent der Befragten irgendeine Form des Standortwechsels.

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„Die CEOs reagieren auf die vorherrschende Unsicherheit mit Eventualplanungen“, erklärte Simon Collins von KPMG in der Mitteilung. „Mehr als die Hälfte glaubt, dass Großbritanniens Fähigkeit, Geschäfte zu tätigen, mit dem Eintreten des Brexit beeinträchtigt wird. Darum ist es für viele CEOs wichtig, verschiedene Szenarien zu planen, um sich gegen künftige Störungen des Geschäfts abzusichern.“

Die Umfrage signalisiert, dass Premierministerin Theresa May noch eine Menge Arbeit vor sich hat, um Unternehmen und Arbeitsplätze in Großbritannien zu halten. Vor dem Referendum hatte der damalige Schatzkanzler George Osborne gesagt, dass ein Votum für einen EU-Austritt bis zu 820.000 Stellen gefährden würde.

Fünf Schritte zum EU-Austritt

Schritt 1

Großbritannien informiert die Vertretung der EU-Staaten über seine Absicht, aus der Union auszutreten.


Schritt 2

Die Staats- und Regierungschefs legen unter Ausschluss Großbritanniens Leitlinien für die Austrittsverhandlungen fest.

Schritt 3

Die EU-Kommission oder ein anderes, von den Staaten ernanntes Gremium handelt mit Großbritannien ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aus. Dabei wird auch der Rahmen für die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur Union festgelegt.

Schritt 4

Die EU-Staaten beschließen das Abkommen mit qualifizierter Mehrheit nach Zustimmung des Europäischen Parlaments.

Schritt 5

Wenn kein Abkommen zustande kommt und keine Fristverlängerung gewährt wird, scheidet Großbritannien zwei Jahre nach dem Einreichen des Austrittsgesuchs ungeregelt aus der EU aus.

Collins zufolge sollten sich die Politiker in Großbritannien Sorgen darüber machen, dass britische Firmen schleichend ins Ausland ausweichen, und sollten daher früh das Gespräch suchen und Zusagen machen, was sie ihnen bieten können. „Eventualplanung ist eben nur das – eine Form der Absicherung –, aber sie darf nicht zum ‚Plan A‘ werden“, sagte er. „Den Hauptsitz ins Ausland zu verlegen ist radikal und macht Schlagzeilen. Doch die Unternehmen könnten damit anfangen, mit wenig öffentlicher Aufmerksamkeit ihre Betriebsaktivitäten ins Ausland zu verlagern. Wir hören immer wieder, dass Unternehmen Sicherheit brauchen.“

KPMG befragte 100 britische CEOs von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Pfund und wenigstens 500 Angestellten. Die Umfrage innerhalb von vier Wochen ab Mitte Juli durchgeführt.

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