Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.07.2011

12:50 Uhr

Brooks tritt zurück

In Murdochs Reich rollen Köpfe

VonKatharina Slodczyk

Der Abhörskandal bei der Boulevardzeitung „News of the World“ hat weitere Folgen. Er kostet die frühere Chefredakteurin und heutige Chefin von News International, Rebekah Brooks, den Posten.

Rebekah Brooks (r.) wird künftig nicht mehr für Rupert Murdoch (r.) arbeiten. Quelle: dpa

Rebekah Brooks (r.) wird künftig nicht mehr für Rupert Murdoch (r.) arbeiten.

LondonFast zwei Wochen hat sie sich dem Druck widersetzt, am Tag elf der Krise im Rupert Murdochs Reich ist Spitzenmanagerin Rebekah Brooks eingeknickt und hat ihren Rücktritt erklärt. Sie wolle nicht länger im Brennpunkt der Affäre stehen, erklärte sie am Freitagvormittag. Ihr Rücktrittsangebot sei von Rupert und seinem Sohn James Murdoch akzeptiert worden.

Rebekah Brooks stand an der Spitze von News International, der britischen Zeitungstochter von Murdochs Medienkonzern News Corporation. Zu News International gehören die Zeitungen „Times“, „Sunday Times“ und die „Sun“. Auch das Revolverblatt „News of the World“ war Teil dieser Sparte, bis es am vergangenen Wochenende eingestellt wurde.

Zuvor waren Details über illegale Recherchemethoden der Redaktion ans Tageslicht gekommen. Journalisten von „News of the World“ sollen nicht nur die Handy-Mailboxen von Prominenten, sondern auch von Mordopfern und von Angehörigen gefallener Soldaten abgehört haben – möglicherweise auch von Opfern der Terroranschläge am 11. September 2001 in New York.

Ein Teil der Handy-Schnüffeleien spielte sich ab, als Brooks noch Chefredakteurin der „News of the World“ war. Sie hat bislang stets bestritten, etwas davon gewusst zu haben.

Brooks hat ihr gesamtes Berufsleben bei Murdoch-Zeitungen verbracht und gilt als Ziehkind des Medienmoguls. Er behandle sie wie seine leiblichen Kinder, sagen Beobachter.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Die inzwischen 43-Jährige hat im Alter von 20 Jahren als Recherche-Assistentin in Murdochs Unternehmen angefangen, schnell wurde sie Reporterin bei „News of the World“ und hat sich den Ruf aufgebaut, ganz und gar nicht zimperlich zu sein. So soll sie sich schon mal als Putzfrau verkleidet, in die Redaktionsräume des konzerninternen Konkurrenten „Sunday Times“ eingeschmuggelt und dort stundenlang auf der Toilette versteckt haben – mit dem Ziel, eines der ersten Druckexemplare der „Sunday Times“ zu ergattern, um eine Exklusivgeschichte für „News of the World“ kopieren zu können.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

CleanJournalism

15.07.2011, 13:35 Uhr

Wenn es sich bewahrheitet das die Lady "Dreck am Stecken hat" und davon gewusst hatbzw. eventuell selbst daran beteiligt war, dann kann man da nur sagen "Pech gehabt, alles rächt sich eben doch einmal" oder "Wer hoch fliegt fällt auch tief"......

kuac

15.07.2011, 14:13 Uhr

Das Problem ist, dass die Lady gleich einen noch höher dotierten Job ergattern wird. Freie Marktwirtschaft!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×