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29.08.2012

16:26 Uhr

Buchholz legt Amt nieder

Streit zwischen Bertelsmann und Gruner+ Jahr-Chef eskaliert

Der Vorstandschef von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, zieht sich aus dem Bertelsmann-Vorstand zurück. Damit kommt er einer Absetzung durch die Konzernmutter zuvor. Die Auseinandersetzung verschärft sich.

Bernd Buchholz ist nicht länger Vorstandsmitglied bei Bertelsmann. dpa

Bernd Buchholz ist nicht länger Vorstandsmitglied bei Bertelsmann.

Gütersloh/HamburgDer Streit zwischen Bertelsmann und Gruner + Jahr erreicht einen neuen Höhepunkt. Der Vorstandschef des Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), Bernd Buchholz, hat sein Vorstandsamt bei Bertelsmann mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Mit dem Rückzugs kommt Buchholz einer möglichen Absetzung durch Bertelsmann zuvor. Das Ausscheiden Buchholz' aus dem Vorstand ist ein unrühmlicher Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen dem Gruner + Jahr-Chef und Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.

„Der Aufsichtsrat bedauert diese Entscheidung und bedankt sich bei Bernd Buchholz für die langjährige Zusammenarbeit“, heißt es in einer knappen Mitteilung von Bertelsmann. Bertelsmann stehe als Mehrheitsgesellschafter unverändert zu Gruner + Jahr. Zuerst hatte das Medienmagazin „Meedia“ über den Rückzug Buchholz' berichtet.

Bei Gruner + Jahr herrscht erhöhte Unruhe. Denn Bertelsmann wird den Verlagskonzern womöglich künftig allein beherrschen, da die Jahr-Familie ihren 25,1- Prozent-Anteil gegen eine Beteiligung am Medienriesen tauschen möchte. Bei Gruner + Jahr fürchten viele Mitarbeiter Stellenabbau und einen Wechsel an der Unternehmensspitze.

Buchholz, seit 2009 Gruner + Jahr-Chef, ist in Gütersloh umstritten. Eine fehlende Digitalstrategie, zu wenige Innovationen im Printgeschäft und das zu lange Festhalten an der „Financial Times Deutschland“, die seit zehn Jahren defizitär ist, wirft man ihm vor. Hinter den Kulissen kursieren bereits Namen möglicher Nachfolger. Thomas Hesse, Chef des neu geschaffenen Vorstandsressorts Unternehmensentwicklung in Gütersloh, käme infrage, heißt es in Konzernkreisen. In der Branche werden auch Springer-Vorstand Andreas Wiele, Burda-Vorstand Philipp Welte und „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe genannt.

Doch Buchholz wird um seinen Posten kämpfen, sagen Vertraute. Der Norddeutsche, dessen Vertrag 2011 um fünf Jahre verlängert wurde, gilt als leidenschaftlicher Verleger, scheiterte aber immer wieder am Veto aus Gütersloh: In den vergangenen zehn Jahren schüttete sein Printkonzern mehr als zwei Milliarden Euro an Bertelsmann und die Jahr-Familie aus. Axel Springer investierte im gleichen Zeitraum 1,8 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Digitalgeschäfte. Buchholz blieb Ähnliches verwehrt.

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