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13.04.2014

09:09 Uhr

Buchkritik „Flash Boys“

Kreuzzug gegen die Wall Street

VonAxel Postinett

Es ist die vielleicht größte Kursmanipulation, die je aufgedeckt wurde: In seinem neuen Buch „Flash Boys“ rechnet Bestseller-Autor Michael Lewis mit Hochfrequenzhändlern ab. Von den Enthüllungen profitiert er persönlich.

Jede Millisekunde zählt: Viele Hochfrequenzhändler haben ihre Rechner direkt in den Nervenzentralen der Börsen positioniert. dpa

Jede Millisekunde zählt: Viele Hochfrequenzhändler haben ihre Rechner direkt in den Nervenzentralen der Börsen positioniert.

Nur einige Tage mehr – und es hätte noch so eben gereicht für die Wertpapierhandelsfirma Virtu und ihren Börsengang. 100 Millionen Dollar wollte Virtu einnehmen, die Krönung einer steilen Karriere an der Wall Street. Doch dann kam es heraus, dieses Buch. Praktisch unmittelbar nach dem Erscheinen von „Flash Boys – A Revolt on Wall Street“ von Michael Lewis beerdigte der Hochfrequenzhändler seine Börsenträume. „Vorläufig“, wie es in Marktkreisen heißt. Aber ob Firmen wie Virtu nach dem Enthüllungsbuch, das die Wall Street bis ins Mark erschüttert hat, noch eine Zukunft haben, ist nicht sicher. Es geht um die vielleicht größte Kursmanipulation der Geschichte der Börsen.

Es ist die Geschichte des Börsenhändlers Brad Katsuyama, der nicht mehr verstand, warum ihm seine Aktienkäufe am Ende immer teurer kamen als erwartet und ihm beim Verkauf immer weniger blieb als gedacht. Manchmal kann so etwas an der Börse schon passieren. Aber jedesmal und über Jahre?

Katsuyama kommt schließlich hinter eines der bis dahin bestgehüteten Geheimnisse der Wall Street: „Hochfrequenzhandel“.  Präzise beschreibt Lewis, wie mit einem hochkomplexen System aus Hochleistungscomputern und Datennetzen Börsengeschäfte in Lichtgeschwindigkeit zur Routine werden. Die Hochfrequenzhandler „sehen“, wenn eine Kauf- oder Verkaufsorder auf einer langsamen Datenlandstraße auf die Börse zukommt. Dann sind sie aber schon auf der eigenen Datenautobahn zur Börse gerast.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Sie kaufen das Papier zu einem günstigeren Preis als dem, von dem sie wissen, dass er Millisekunden später erzielbar sein wird. Klingt verrückt? Vielleicht. Doch ist es sicher kein Zufall, dass Turbohändler Virtu in fünf Jahren Wertpapierhandel nur an einem einzigen Tag einen Verlust machte. Vor dem Börsengang nahm die Wall Street diese Information völlig konsterniert zur Kenntnis.

Es ist klar: Autor Michael Lewis ist auf einem Kreuzzug gegen die Wall Street. Bereits seine Bücher „The Blind Side“ oder „The Big Short: Inside the Doomsday Machine“ sorgten für Furore und legten den Finger auf blutende Wunden des Finanzkapitalismus. Aber diesmal ist es merkwürdig anders. In Flash Boys beschuldigt er eine Gruppe mächtiger Investoren die Börse „manipuliert“ zu haben – und nutzt die Gelegenheit für sich selbst.

Gemeinsam mit einigen der bekanntesten Hedge-Fonds-Milliardären New Yorks – einige von ihnen offenbar nicht unbeteiligt am großen Kursrutsch an der Wall Street 2010, dem „Flash Crash“ – gründet er eine neue Börse für den Hochfrequenzhandel; eine, die ohne „böses Treiben“ auskommen soll. Lewis und seine Kompagnons versprechen, dass an ihrem Markt alle hereinkommenden Orders gleichermaßen verlangsamt werden, um wieder Waffengleichheit herzustellen.

Es ist ein Schachzug, der Lewis große Häme einbringen sollte, nicht zuletzt von Seiten der US-Börsen selbst. „Ihr habt Tausende Leute fälschlicherweise angeschwärzt und möglicherweise Millionen von Anlegern verschreckt, nur um ein Geschäftsmodell zu bewerben“, bringt es William O'Brien, Chef der expandierenden US-Börse BATS, auf den Punkt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.04.2014, 12:17 Uhr

Könnte der Autor eine glaubwürdige Quelle dafür angeben, dass der Autor Michael Lewis an der neuen Börse IEX finanziell beteiligt ist?

Account gelöscht!

14.04.2014, 16:12 Uhr

Der Autor des Artikels nimmt es mit den Fakten nicht so ganz genau. IEX wurde nicht von Michael Lewis sondern von Brad Katsuyama und einigen privaten Großinvestoren gegründet. Ja, und es würde mich auch interessieren, welche belastbaren Belege der Autor des Artikels hat, um seine Behauptung, daß M. Lewis an IEX beteiligt ist, zu untermauern. Lewis selbst hat dies übrigens in Interviews bestritten. Insgesamt macht der Artikel einen schlecht recherchierten Eindruck und vermittelt den Eindruck, daß der Autor das Buch nicht selbst gelesen hat und deshalb nur einen bunten Mix von Versatzstücken anderer Besprechungen dieses Buches zum Besten gibt. Bei etwas mehr Sachkenntnis würde er z.B. wissen das "The blind Side" nichts mit der Finanzwelt zu tun hat, hingegen "Liar´s Poker" sehr wohl. Im übrigen den CEO von BATS als glaubwürdigen Zeugen anzuführen, ist schon etwas sonderbar. Dieser hat nachweislich im Interview bezüglich der Bevorzugung von HFT´s gelogen und BATS mußte schriftlich und öffentlich dessen Aussagen am nächsten Tag dementieren. BATS scheint vielmehr eine Börse zu sein die von HFT´s gegründet wurde und ein wesentlicher Ausgangspunkt für "Frontrunning" ist. Gerade diese Tatsache wurde ja bei den Tests von Brad Katsuyama und seinem Team bei RBC festgestellt. All dies wird ausführlich in "Flash Boys" beschrieben. Hätte der Autor des Artikels das Buch gelesen, wüßte er das.

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