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11.01.2012

11:38 Uhr

Buchrezension

Hilfe, mein Boss ist ein Affe!

VonThorsten Giersch

„Chefs sind auch bloß Affen in Anzügen“, sagt Patrick van Veen. Der Biologe und Unternehmensberater glaubt, dass tierisches Verhalten in Konzernen an der Tagesordnung ist. Wie Sie mit ihren Vorgesetzten auskommen.

Ein Gorilla im Zoo von Sydney. Reuters

Ein Gorilla im Zoo von Sydney.

DüsseldorfAn die Berühmtheit von King Kong kommt Richard „Dick“ Fuld nicht heran. Aber gleich danach reiht sich der frühere Chef von Lehman Brothers ein in die Reihe der berühmtesten Gorillas der Welt.

Denn so wurde Fuld genannt – offenbar nicht ohne Grund: Denn sein Verhalten als Investmentbanker erinnerte laut Zeitzeugen stark an das eines Gorillamännchens, das die Konkurrenz in die Schranken wies und mit seinem Auftreten die Umgebung einschüchterte. Besonders unglücklich war Fuld über seinen Spitznamen nicht: Er stellte sich einen großen Stofftier-Gorilla ins Büro.

Patrick van Veen hat jahrzehntelang die Parallelen zwischen den Verhaltensweisen von Managern und Primaten vergleichen. Er war jahrelang Projektleiter in einem Versicherungsunternehmen. Van Veen gibt Seminare und schreibt Bücher. Jetzt ist gerade sein neues Werk „Hilfe, mein Chef ist ein Affe!“ erschienen. Mit „Chef“ meint er nicht nur Vorstand oder Geschäftsführer einer Firma, sondern jeden, der „Verhalten beeinflussen will“, also auch Abteilungsleiter und so weiter.

Die größten Parallelen zwischen Affen und Angestellten

Der Vergleich hinkt nicht

Uns unterscheiden nur 1,6 Prozent unserer Gene vom Schimpansen. Patrick van Veen hat sich das genauer angesehen. Der studierte Biologe und Unternehmensberater war auch langjähriger Projektleiter bei einer Versicherung. In seinem Buch „Hilfe, mein Chef ist ein Affe“ (Knaus Verlag) zieht er spannende Parallelen. Einige Beispiele.

Frauen, verbündet euch!

Bei den Bonobos haben ausnahmslos Weibchen das Sagen. Woran das liegt? Weil Sie extrem stark zusammenhalten und so die Männer von der Macht verdrängen. Bei den Menschen verbünden sich Männer untereinander sehr viel häufiger als Frauen. Vielleicht gibt es deshalb so wenige weibliche Führungskräfte?

Alle brauchen Regeln

Auch wenn sie nicht aufgeschrieben werden: In einer Affengruppen gibt es klare Regeln, ohne die nichts funktionieren würde. Kein anderes Tier ist uns da so ähnlich. Verstöße werden in beiden Fällen geahndet.

Stressabbau

Was zu Stressreaktionen führt, ist bei Menschen und Affen ziemlich ähnlich. Genau wie auch die Methode, um allzu große Belastung abzubauen: mit Kampf oder Flucht. Was uns mit unseren nächsten Verwandten verbindet ist die Fähigkeit, nach Stressreaktionen verzeihen zu können.

Starker Führer gebraucht

Eine Gruppe Affen braucht einen starken Führer, der Ruhe ausstrahlt und ein Gefühl der Sicherheit verbreitet. Dabei sind die Kriterien, die an Leader gestellt werden, in einer Affengruppe erstaunlich ähnlich wie in einem Unternehmen.

Bedrohungen wahrnehmen

Für einen erfolgreichen Machterhalt ist sowohl bei Managern als auch bei Affen eine Eigenschaft von größter Bedeutung: das Gefühl für nahende Bedrohungen. Gorilla-Alphatiere reagieren auf alles, was ihre Gruppe oder die eigene Stellung gefährden könnte. Und auch erfolgreiche Manager haben diese Eigenschaft, ohne es damit allerdings zu übertreiben.

Das Äußere muss stimmen

Ein groß gewachsener Chef mit feinem Zwirn und makellosem Äußeren hat es einfacher, sich Respekt zu verschaffen. Alphatiere in einer Affengruppe leben genauso von ihren äußerlichen Attributen inklusive des Imponiergehabes.

Freunde um sich scharen

Alphatiere scharen Freunde um sich, um die eigene Position zu festigen. Auch hier gibt es eine auffällige Parallele zwischen Managern und Affen. Wenn ein externer Chef kommt, bringt er oft alte Weggefährten mit ins Unternehmen und setzt sie auf wichtige Positionen, weil er ihnen blind vertrauen kann.

Konsequenzen abschätzen

Affen können wie auch Menschen die Folgen ihres Verhaltens abschätzen. Wenn der Affe etwas scheinbar Selbstloses tut, macht er das nur, weil er sich einen Vorteil davon verspricht.

Auch wir Menschen lausen uns

Affen lausen sich gegenseitig. Menschen erfüllen diese soziale Funktion auch – aber natürlich auf andere Art und Weise: Wir lausen mit Komplimenten und zeigen unser Interesse á la „Wie war es im Urlaub?“.

Die Nahrungsaufnahme

Auch das Essen ist sowohl in einer Affengruppe als auch im Betrieb ein wichtiges Momentum. Wer seine Nahrung teilt, bekommt Unterstützung. Der Gang in die Kantine, die Auswahl der Tischpartner und überhaupt die Sitzordnung sagt hier wie da eine Menge über die Gruppe aus.

Veränderung tut gut

Affen können sich schneller als fast alle anderen Tierarten an Veränderungen in ihrer Umgebung gewöhnen und sich anpassen. Und auch in einem Unternehmen ist diese Fähigkeit von größter Wichtigkeit.

Neue Mitarbeiter

Wenn neue Mitarbeiter in ein Unternehmen kommen, müssen sie sich beweisen und werden – mal mehr, mal weniger – kritisch beäugt. Wenn in eine Affengruppe ein neues Mitglied eintritt, was vor allem in Zoos passiert, ist es sehr ähnlich: Auch hier vollzieht sich die Eingewöhnung sehr behutsam.

Der größte Unterschied

Aber natürlich gibt es auch elementare Unterschiede im Verhalten zwischen arbeitenden Menschen und Affen. Dazu gehört vor allem die Tatsache, dass Affen ihren Tag immer in derselben Gruppe verbringen. Wir Menschen dagegen wechseln zwischen Familie und Arbeitskollegen. Umso schwieriger ist es für uns manchmal, beide Seiten gleichermaßen zufriedenzustellen.

Van Veen identifiziert gewisse Grundfehler unseres Bürolebens. Eines davon ist bei vielen Führungspersonen die übertriebene Suche nach einer schnellen Lösung. Dabei gebe es deutlich effektivere Lösungen, um das Wohl des Unternehmens zu fördern. Wer zur Wurzel des Problems vordringt, behebt Probleme langfristiger und kann Verhaltensweisen der Mitarbeiter besser beeinflussen.

Kommentare (6)

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schumu1

11.01.2012, 12:12 Uhr

1. ist zu "Beobachten", dass wieder jemand ein Buch geschrieben hat, in dem alte Weisheiten neu gemischt und wieder zusammengesetzt wurden. Ein Buch, welches sich nett liest, aber kein Mensch wirklich braucht.
2. liegt die "Ursache" für das Buch entweder darin, dass der Autor wieder Geld benötigt oder noch nicht genug davon hat und
3. erfüllt das Buch den "Zweck", sich über den originellen Titel gut zu verkaufen - und damit die Taschen von Verlag und Autor zu füllen.

aruba

11.01.2012, 12:20 Uhr

Guten Taf,.... Affen waren nicht darunter,.... aber Scheisskerle, Luegner, Diebe, Trinker, Spieler, einer sitzt im Knast und 2 wurden von den Security-Leuten bis an die Tuer begleitet nachdem sie in die Kasse gegriffen hatten. Einer war ein Chef.... er ist noch heute mein Freund und Ich sehe ihn alle 3 Monate.

Account gelöscht!

11.01.2012, 12:52 Uhr

Das Büroleben kann man schon mit einer Affenbande vergleichen. Liegt ja nahe. Nur weil wir abstrakter denken können als unsre nächsten Kollegen, heißt das nicht, dass unsere Triebe das tägliche Geschick lenken.

Ich finde das schon gar nicht so schlecht, den Ansatz. Denn obwohl wir in der Lage sind Atomkraftwerke zu bauen und zum Mond zu fliegen, verhalten wir uns oft wie eine Bande Volldeppen.

Ich vergleiche das Bürleben gerne mit einem Hühnerstall, in dem sehr viel gegackert und ab und zu gekräht wird. Das eigentliche Eilegen beschränkt sich jedoch auf einen sehr kurzen und bemessenen Zeitraum, und, das ist ganz wichtig, nur ein Ei pro Tag. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder plötzlich weniger gackern und dafür mehr Eier legen würde?

Meine wärmsten Grüße an die Affen da draussen

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