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20.12.2013

10:21 Uhr

Buchungsportal für Hotels

Kartellamt untersagt HRS die Billigpreisklausel

VonMartin Dowideit

Das Buchungsportal HRS hat eine Schlappe erlitten. Das Bundeskartellamt untersagt der Hotel-Webseite die sogenannte „Bestpreisklausel“. Bereits in wenigen Monaten muss sie aus den Verträgen entfernt werden.

Werbetafel von HRS: Eine Niedrigpreisgarantie behindert den Wettbewerb, meint das Bundeskartellamt. dpa

Werbetafel von HRS: Eine Niedrigpreisgarantie behindert den Wettbewerb, meint das Bundeskartellamt.

DüsseldorfDie Macht großer Buchungswebsites stört viele Hoteliers. Sie dürften erleichtert auf eine Entscheidung des Bundeskartellamts vom Freitag reagieren. Die Wettbewerbshüter untersagen dem Webportal HRS eine „Bestpreisklausel“ in den Verträgen. Damit wurden die angeschlossenen Hotels verpflichtet, immer den besten Tarif für HRS-Kunden zu garantieren.

„Bestpreisklauseln bei Buchungsportalen im Internet sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für den Verbraucher“, so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. Denn die Preisgarantien behinderten den Wettbewerb zwischen Buchungsportalen und neuen Anbietern werde der Marktzutritt erheblich erschwert.

Die größten Billighotelketten

A&O

Die Firmengründer Oliver Winter und Michael Kluge wollten eine günstige und dennoch zentral gelegene Übernachtungsmöglichkeit für Backpacker, Jugendgruppen und Familien schaffen, so entstand im Jahr 2000 das erste A & O Hostel in Berlin Friedrichshain mit 164 Betten. 2010 besaß A&O schon 8200 Betten und die Übernachtungszahlen hatten sich von 80.000 auf 1,5 Millionen erhöht. Mittlerweile gibt es 19 Häuser in Deutschland, die jeweils Budgethotel und Hostel (Jugendhotel) unter einem Dach vereinen.

B&B

Die Budget-Hotelkette wurde 1990 in Frankreich gegründet und konnte in der Zwischenzeit auch in Deutschland Fuß fassen. Anfang 2011 verfügte die Kette über rund 230 Hotels, davon 42 in Deutschland (Stand 11/2011).

Motel One

Dieter Müller startete 2001 die Dicount-Hotelkette Motel One. Pro Zimmer veranschlagt Müller beim Bau eines neuen Hotels etwa 70.000 Euro – ein Vier-Sterne-Haus rechnet 80.000 bis 100.000 Euro. Außerdem verzichtet Motel One auf Tagungsräume und eigene Restaurants – stattdessen gibt es nur eine Bar, die gleichzeitig als Frühstücksraum genutzt wird. Die Gäste scheint es nicht zu stören, solange der Preis stimmt. In Deutschland gibt es aktuell 38 Motel One-Hotels.

Holiday Inn Express

Die Kette gehört zur riesigen InterContinental Hotels Group, zu der auch Crowne Plaza, Hotel Indigo, Staybridge Suites oder hotel Indigo zählen. In Deutschland gibt es 21 Holiday Inn Express Häuser.

Ibis

Zur ibis-Familie gehören die gewohnten ibis-Hotels (88 Häuser), die ibis-Styles Hotels (19 Häuser) und die ibis budget Hotels (73 Häuser), mit Zimmern für ein bis drei Personen. Die ibis-Familie des Hotelkonzerns Accor unterhält in Deutschland 180 Häuser und ist damit hierzulande die größte Budget-Hotelmarke

Auch auf andere Buchungsportale dürften ähnliche Entscheidungen zukommen. Das Kartellamt hat Verfahren wegen vergleichbarer Preisklauseln bei den Portalen Booking und Expedia eingeleitet.

Das Verbot der HRS-Klausel bezieht sich auf deutsche Hotels. Außer dem günstigsten Preis müssen die angeschlossenen Hoteliers bislang auch die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die günstigens Stornierungskonditionen garantieren. Seit 2012 darf selbst an der Rezeption kein besserer Tarif angeboten werden.

Die Umsetung hat das Kartellamt HRS bis zum 1. März aufgetragen. Eine Beschwerde gegen die Entscheidung beim Oberlandesgericht Düsseldorf ist möglich.

Kommentare (2)

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20.12.2013, 11:10 Uhr

Wurde auch Zeit, allerdings frage ich mich wieso sich eine ganze Branche sich das gefallen läßt. Geld macht dumm.

Spectateur

20.12.2013, 12:43 Uhr

Es war seit geraumer Zeit ein unsägliches Ärgernis vor allem für kleinere Spezialportale und Travelconsultants, wenn ihnen von ihren teils langjährigen Beratungskunden, für welche sie fundierte und qualifizierte Beratungsleistungen im Hoteleinkauf sowie bei sonstigen Buchungs- und Rechercheleistungen erbracht hatten, von ihren Kunden am Ende stets die erpressten HRS-Preise um die Ohren gehauen wurden. HRS hat sich zu einem Moloch entwickelt, und es ist gut zu hören, dass diesem Vogel jetzt etwas die Flügel gestutzt werden. Was wenige wissen, die meisten nicht sagen wollen/werden und manche Firma nicht wissen will: Hoteliers halten schon seit geraumer Zeit sog., spezielle HRS-Zimmer bereit. Diese sind häufig unrenoviert und mit diversen, sonstigen Fehlern und Mängeln behaftet wie versifften Teppichböden, Gardinen und Mobiliar etc.. Das stimmt nicht!? Es stimmt, wir haben schon die Probe auf's Exempel gemacht. Und es gilt nicht nur für HRS, sondern auch für andere, vergleichbare Provider. Leider ist der vermeintlich vorteilhafte Preis auch der Preis für die Geilheit darauf in einer Welt, in der Qualität wenig, der schöne Schein sowie vermeintliche Kostenvorteile dagegen um so mehr zählen. Dass geschäftsreisende Mitarbeiter auch Anspruch auf eine angemessene Unterkunft haben, wird dabei dem Kostendruck gerne geopfert. Dieser Trend geht parallel bis weit in die touristischen Angebote hinein. Das Ergebnis ist immer der Ärger, den letztlich der übernachtende Kunde ausbaden muss und dazwischen der bedauernswerte Vermittler, der sich oft fast persönlichen Anfeindungen ausgesetzt sieht.

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