Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2013

13:56 Uhr

Buchvorstellung in Berlin

Ackermanns perfekte Inszenierung

VonDietmar Neuerer

Die Vorstellung einer Biografie über Josef Ackermann wurde schnell zur Nebensache. Der Manager selbst stand wegen brisanter Ereignisse im Mittelpunkt. Und er nutzte die Gelegenheit für eine gelungene Selbstinszenierung.

Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef

Ackermanns Leben schwarz auf weiß

Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef: Ackermanns Leben schwarz auf weiß

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinAls Josef Ackermann schon längst das Regent Hotel im Berliner Bezirk Mitte verlassen hat, erzählt sein langjähriger Kommunikationschef bei der Deutschen Bank, Stefan Baron, etwas über seinen früheren Vorgesetzten, dass dessen Kurzauftritt bei der Vorstellung der Ackermann-Biografie „Späte Reue“ treffend beschreibt. Der Berufsalltag des Schweizers sei immer „bis ins letzte Detail durchgetaktet“ gewesen, sagt Baron. Eine wirklich „sehr spezielles Leben“ habe Ackermann geführt.

Das Spezielle oder Besondere kommt auch heute zum Vorschein. Ackermann überlässt bei der Buchvorstellung nichts dem Zufall. Er betritt den Raum durch einen Seiteneingang. Akkurat gekleidet, hellgrauer Anzug, silberfarbene Krawatte. Dutzende Journalisten nehmen ihn in Empfang. Blitzlichtgewitter. Ackermann lächelt, bahnt sich den Weg Richtung Podium, verweilt dort mehrere Minuten. Für die Kameras, für die Fotoreporter. Er tut, was man ihm sagt. Er blickt - immer lächelnd -  nach vorn, nach links, nach rechts und wieder zurück. Mit dem Buch, ohne das Buch. Dann ist Schluss. Ackermann setzt sich.

Zu diesem Zeitpunkt ist schon klar, dass Ackermann Journalistenfragen nicht beantworten wird. „Ich bin hier ja nicht der Mittelpunkt“, sagt er scherzhaft, als er noch draußen vor dem Raum „Gonthard“ steht. Dabei gebe es so viel, worüber sich zu reden lohnen würde: Ackermann war vor kurzem als Verwaltungsratschef bei Zurich Insurance zurückgetreten, nachdem sich Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen hatte. Auslöser des Rücktritts waren Vorwürfe der Witwe Wauthiers, wonach Ackermanns Führungsstil zu dem Suizid beigetragen haben soll. Der Verwaltungsratschef wurde zudem im Abschiedsbrief erwähnt.

Wie tickt Josef Ackermann?

Die Biografie

Fünf Jahre lang war Stefan Baron, ehemals Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“, Pressesprecher von Josef Ackermann. Jetzt veröffentlicht er die Biographie „Späte Reue“ des langjährigen Vorstandschefs der Deutschen Bank. Einige Auszüge:

...über das Rauchen im Büro

Ins Auge springen dem Besucher allein eine lackierte Zigarrenbox aus feinem Wurzelholz und ein schwerer kristallener Aschenbecher. Eigentlich gilt in den Türmen der Deutschen Bank überall striktes Rauchverbot. Die einzige Ausnahme ist das Büro des Chefs. Um zu verhindern, dass er beim Rauchen einer Zigarre die Sprinkleranlage auslöst, ist dort die Empfindlichkeit des Rauchdetektors deutlich reduziert.

...über das Singen

Musiziert hat Ackermann schon als Kind. Sein Instrument war das Klavier. Als junger Banker nahm er zudem Gesangsunterricht. Heute musiziert der Schweizer nur noch wenig selbst, hört aber nach wie vor leidenschaftlich gerne Jazz und italienische Opern – auch bei der Arbeit.

...über Tischfußball

Auf der Farm des steinreichen Prinzen und Großinvestors Al-Walid ibn Talal al Saud in der Wüste Saudi-Arabiens kickert der begeisterte Tischfußballspieler so lange mit dessen Frau, bis er mit Blasen an den Händen aufgeben und sich von einem Arzt verbinden lassen muss.

... und das E-Mail-Verbot

Josef Ackermann kommuniziert nahezu ausschließlich mündlich, entweder im persönlichen Gespräch oder per Telefon. Schriftliches von ihm gibt es so gut wie gar nicht. E-Mail ist tabu. Ein kurzes »o. k.«, »pls discuss!« oder »pls call!« auf Papier oder als SMS, das ist alles.

 

... und die Freizeitgestaltung

Freizeit ist für den Deutsche-Bank-Chef ein Fremdwort. Drei Wochen Sommerurlaub im August. Hin und wieder mal ein Besuch in der Oper, einem Kunstmuseum oder dem Frankfurter Fußballstadion, seit die Eintracht wieder erstklassig geworden ist. Plus das Wochenende zu Hause in Zürich - mehr lässt seine Terminplanung nicht zu. Eine Wanderung durch den Wald oder ein schneller Marsch um den Block müssen als Ausgleich reichen für nahezu pausenlose 80- bis 100-Stunden-Wochen.

...über Bodyguards

Im Inland begleiten Ackermann auf Schritt und Tritt immer zwei Leibwächter. Seit dem Mannesmann-Prozess zählt er zu den am stärksten gefährdeten Personen der Republik. Seine Dienstlimousine, ein Mercedes der S-Klasse, ist gepanzert.

Mitarbeiter

Für Ackermann gibt es weder bei sich noch bei anderen feste Essens- oder Ruhezeiten, er kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit anrufen. Die Woche hat für ihn sieben Arbeitstage, der Arbeitstag 24 Stunden. Der Schweizer ist ungeduldig und will schnell Resultate sehen. Auf ein Dankeschön nach durchgearbeiteter Nacht braucht niemand zu zählen. Er hält es mit der schwäbischen Devise: Net g’schimpft isch scho g’lobt.

...und seine Wohnungen

Ein modernes, aber keineswegs imposantes, mit viel Kunst ausgestattetes Haus in bester Lage nahe dem Grand Hotel Dolder am Hang des Zürichbergs mit Blick auf Stadt, See und Berge, ein rustikales Ferienhaus im wildromantischen Tessiner Centovalli-Tal und ein schickes Apartment im Wohn-Turm des Museum of Modern Art in Midtown Manhattan, das sind seine wesentlichen Besitztümer. Viel für einen einfachen Bürger gewiss, sehr viel. Aber wenig im Vergleich zu den meisten seiner Kollegen rund um die Welt. 

...über das Leben

Leben ist für Josef Ackermann vor allem Wettbewerb: Wenn er verliert, ist er unglücklich, wenn er gewinnt, glücklich. Egal, worum es geht, und sei es nur eine banale Wette oder ein Match Tischfußball.

Die Journalisten hoffen dennoch, dass sich Ackermann erklärt. Der Verlagsleiter beendet dann die Ungewissheit. Eigentlich gehe es bei dieser Veranstaltung um das Buch, aber Ackermann stehe nun mal „gewollt oder ungewollt im Mittelpunkt“, sagt er. Daher werde zunächst Ackermann 15 Minuten lang eine kurze Ansprache halten, danach werde auf dem Podium aber nur noch über die Biografie gesprochen. Freilich ohne Ackermann.

Speziell ist an dieser Buchvorstellung, dass sich der Manager vor allem Zeit für sich selbst nimmt. Wer mit einer Überraschung gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Ackermann liefert im Fall der Zurich Insurance nichts Neues. Er gesteht nichts ein, er wiegelt aber auch nicht ab. Er will die Ereignisse so wahrhaftig wie möglich darstellen, obwohl er, wie er betont, alle Fragen mit seiner Rücktrittserklärung „weitgehend“ angesprochen habe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×