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21.05.2011

09:27 Uhr

Buchvorstellung

Wenn sich Manager selbst verlieren

VonClaudia Schumacher

In den neuen Romanen von David Abbott und Hubertus Meyer-Burckhardt scheitern ehemals erfolgreiche Top-Manager an sich selbst. Mit ihren Jobs verlieren sie auch gleichzeitig ihren zentralen Lebensinhalt.

Hubertus Meyer-Burckhardt war selbst als Manager bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Quelle: dpa/picture alliance

Hubertus Meyer-Burckhardt war selbst als Manager bei der ProSiebenSat.1 Media AG.

DüsseldorfAm Ende ist Henry Cage endlich, endlich auf der Tanzfläche angekommen. Es ist das erste Mal, dass er so etwas wie Leichtigkeit empfindet – nach 360 Seiten. Doch in diesem letzten Satz des Romans klingt auch ein bisschen Wehmut mit, denn „Die späte Ernte des Henry Cage“ könnte noch ewig weitergehen, ein solches Vergnügen ist es, den Debütroman von David Abbott zu lesen – trotz einer unglaublich tragischen Geschichte.

Simon Kannstatt dagegen ist ein solches Ende in „Die Kündigung“ nicht vergönnt. Er geht einfach, allein, mit ungewissem Ziel.

Henry Cage und Simon Kannstatt – zwei Romanfiguren, die eines gemeinsam haben: Ihnen ist gekündigt worden. Überfordert mit der neuen Situation, wissen sie nichts mit ihrem Leben anzufangen. Denn der Job war bisher ihr Leben. Der eine war ein angesehener Manager, der andere gar Gründer einer Werbeagentur. Sie haben alles für ihre Arbeit getan, waren rund um die Uhr einsatzbereit, immer engagiert, und dann aussortiert.

Die beiden Autoren, David Abbott und Hubertus Meyer-Burckhardt, sind selbst ehemalige Manager. Auch Abbott hat, wie seine Figur, vor seiner Arbeit als Schriftsteller eine Werbeagentur geleitet. Und der Fernsehmoderator Meyer-Burckhardt war Vorstand bei Axel Springer und der Pro Sieben Sat.1 Media AG. Beide sind sie nicht gescheitert, haben solche Situationen aber wohl häufig genug miterlebt.

So zeichnen sie zwei unterschiedliche und dennoch ähnliche Bilder der gestürzten Männer. Denn Cage und Kannstatt sind nach ihrer Kündigung vor allem eines: einsam.

Der eine, Henry, sitzt häufig allein in einem Café, liest oder beobachtet andere Menschen. Der andere, Simon, kommt nicht los von dem Ort, an dem er bislang so viel Zeit verbracht hat: dem Flughafen. Hier sitzt er und wartet, oder er fliegt wahllos in der Gegend herum. Hauptsache unterwegs.

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