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16.02.2017

17:19 Uhr

Budget-Hotels

Best Western kopiert Motel One

VonChristoph Schlautmann

Best Western will in Deutschland wachsen – und setzt dabei auf schicke, aber preisgünstige Budget-Hotels namens „Vib“. Der US-Verbund hat dazu ein Konzept entwickelt, das einem deutschen Konkurrenten verblüffend ähnelt.

Nach dem Konzept sollen bald auch in Deutschland die ersten Häuser eröffnet werden. Vib/Best Western

Vib-Hotel in Antalya

Nach dem Konzept sollen bald auch in Deutschland die ersten Häuser eröffnet werden.

FrankfurtBest Western kopiert ein Erfolgsmodell aus München. Der Hotelverbund, mit mehr als 4000 Häusern einer der größten Übernachtungsanbieter der Welt, eifert künftig dem Konkurrenten Motel One nach. „Unter der Marke Vib wollen wir im kommenden Jahr zwei hochwertige Budget-Hotels in Deutschland eröffnen“, sagte Marcus Smola, Geschäftsführer von Best Western Central Europe, am Donnerstag in Frankfurt. „Für uns ist dies Neuland.“

Ähnlich wie Motel One sollen die Herbergen mit einem stylischen Design auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet sein, inklusive Gratiszugang zum schnellen Internet. Bei den Häusern, die nach einem Standardbaukasten entstehen sollen, handelt es sich laut Plan ausschließlich um Neubauten.

So schummeln Hoteliers bei der Sternebewertung

Warum sind Hotelsterne überhaupt so beliebt?

Wer ein Drei-Sterne-Hotel bucht, darf einen Föhn und ein Telefon im Zimmer erwarten. Bei fünf Sternen kommen ein Safe und Hausschuhe hinzu. Seitenlang ist festgelegt, was Hotels bieten müssen, um die werbeträchtigen Sterne des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zu bekommen. Jeder zweite Hotelgast verlässt sich nach einer Umfrage bei der Buchung darauf – doch viele Hoteliers schummeln. „Ein hohes Ausmaß illegitimer Sternewerbung“ beklagt der Branchenverband – und kündigt an, jetzt durchzugreifen. (Quelle: dpa)

Wie werden die Sterne vergeben?

Die Dehoga-Tochter Deutsche Hotelklassifizierung GmbH hat dafür 270 Kriterien festgelegt, nach Punkten gewichtet – von der Reserverolle Klopapier bis zum Blumengruß. Auch Hygiene, der Erhaltungszustand und der Gesamteindruck des Hotels spielen eine Rolle. 940 Punkte sind insgesamt möglich, ab 600 gibt es fünf Sterne. Die Punkte vergeben 16 Regionalgesellschaften des Dehoga, die zum Beispiel neutrale Hoteliers und Mitarbeiter von Tourismusverbänden in die Häuser schicken. Sehen sie die Kriterien erfüllt, gibt es für drei Jahre die Messing-Tafel mit den Sternen für den Eingang. Je nach Größe des Hotels kann die Klassifizierung bis zu 2000 Euro kosten.

Wie viele Hotels beteiligen sich?

Im Juli waren es rund 8500 – von insgesamt knapp 21.000 Hotels in Deutschland. Die Teilnahme ist freiwillig. Mehr als 5100 Hotels haben drei Sterne und gelten damit als Unterkünfte für gehobene Ansprüche. Knapp 2700 Häuser haben vier (hohe Ansprüche), an 124 Hotel-Eingängen prangen fünf Sterne für höchste Ansprüche.

Wie groß ist der Missbrauch?

Es gibt dazu zwei Untersuchungen: Das ZDF überprüfte im Sommer eine Stichprobe von 1000 Hotels. Ergebnis: Bei einem Viertel waren die Sterne entweder abgelaufen oder der Hotelier hatte sie sich selbst erteilt. Der Dehoga bestätigte das Ergebnis nun und hat inzwischen auch selbst nachgesehen: Auf acht Prozent von 3000 untersuchten Websites warben die Hotels zu Unrecht mit den Sternen.

Wie kommt es zur Schummelei?

Es scheinen sich nicht alle darum zu scheren, dass die Hotelsterne ein geschütztes Markenzeichen sind. Das können auch eingesessene Betriebe sein, die die Verlängerung der Sterne vergessen, oder blauäugige Neulinge – die Branche geht nicht in jedem Fall von betrügerischer Absicht aus.

Was tut der Dehoga dagegen?

Noch von diesem Jahr an soll Software Schummelei automatisiert aufdecken. Es soll auch Überprüfungen vor Ort geben und notfalls Verfahren bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs.

Welche Bewertungssysteme gibt es noch?

Das Internet bietet inzwischen eine Reihe von Alternativen, die meist auf Bewertungen von Hotelgästen beruhen. Das Hotelvermittlungsportal HRS vergibt seine eigenen Sterne, auch Reiseportale wie Holidaycheck und Tripadvisor liefern eigene Einstufungen. Eine Branchenumfrage ergab schon vor zwei Jahren, dass sich die Kunden etwas mehr an Online-Bewertungen orientieren als an den Sternen. Der Dehoga sieht in den Nutzer-Bewertungen aber keine Konkurrenz: „Es gibt ein Sowohl-als-auch: die objektiven, nachvollziehbaren Hotelsterne und die subjektive Bewertung im Netz“, sagt eine Dehoga-Sprecherin. „Beides hat seine Berechtigung.“ Die eigenen Sterne der Online-Portale funkeln dem Dehoga jedoch mittlerweile zu hell – hier fordert der Verband den Verzicht.

Wie sieht es im Ausland aus?

Es gibt kein weltweit einheitliches Bewertungssystem für Hotels. Drei Sterne in Spanien sind nicht das gleiche wie drei Sterne in Deutschland. Manche Länder verwenden Buchstaben, andere haben gar keine Klassifizierung. Während sich der Dehoga seit Längerem um ein einheitliches europäisches Sternesystem bemüht, haben viele Reiseveranstalter eigene Bewertungssysteme eingeführt. Beim deutschen Marktführer Tui beispielsweise sind es bis zu sechs Sonnen.

Der Prototyp der Hotelmarke Vib – der Name ist abgeleitet von „Vibrant“ – eröffnete bereits vor vier Wochen im türkischen Antalya. Weitere Häuser sollen in zahlreichen Städten der USA folgen, aber auch in Südkorea, Südafrika, Thailand und Laos.

„In Deutschland laufen derzeit Verhandlungen für zwei bis drei Standorte“, kündigte Smola an. Seit einem Jahr werde akquiriert. „Die ersten Unterschriften werden bald folgen“, sagte er. Wie viele Vib-Häuser insgesamt geplant sind, verriet er auf Anfrage nicht.

Das Vorbild Motel One zählt derzeit zu den erfolgreichsten Hotelkonzepten der Branche. Die vor 16 Jahren von Dieter Müller gegründete Kette wuchs inzwischen auf europaweit 55 Standorte. Im Herbstquartal 2016 übertrafen die Münchener nicht nur den Vorjahresumsatz um zehn Prozent, von den 97 Millionen Euro Quartalsumsatz blieben erstaunliche 16,3 Millionen Euro als Nettogewinn übrig.

Anders als Motel One ist Best Western lediglich ein loser Verbund selbstständiger Hoteliers. Für ihre Aktienanteile an der europäischen Dachgesellschaft Dehag erhalten sie die Erlaubnis, die Marke „Best Western“ zu nutzen. Die Europagesellschaft ist gleichzeitig über einen Generallizenz-Vertrag mit der US-Zentrale in Phoenix, Arizona verbunden.

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