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28.10.2015

19:22 Uhr

Büromöbel-Hersteller Haworth

„Jedes Büro sollte mehrere Sofas haben“

VonChristoph Kapalschinski

Die Einrichtung der Büros sagt eine Menge über die Kultur eines Unternehmens: Der Europachef des Büromöbel-Herstellers Haworth über Wohnmöbel bei der Arbeit, den schweren Weg zum Profit und Powernapping auf der Arbeit.

„Je näher ein Mensch am Boden sitzt, desto offener ist seine Einstellung und die Gespräche werden fruchtbarer.“ PR

Haworth „Openest Collection“

„Je näher ein Mensch am Boden sitzt, desto offener ist seine Einstellung und die Gespräche werden fruchtbarer.“

HamburgHenning Figge betritt den Konferenzraum des Handelsblatt-Büros in Hamburg. Höflich lobt er das moderne Backsteingebäude im Kontorhausviertel – doch richtig zufrieden sieht der Europachef des amerikanischen Büromöbel-Herstellers Haworth nicht aus.

Herr Figge, was würden Sie an diesem Raum ändern?
Die Atmosphäre. Der Raum ist relativ nüchtern, mit fehlt die Inspiration. Die Kombination aus Bürostühlen, einem Konferenztisch und einem Bildschirm an der Wand macht den Raum sehr formell. Das engt die Nutzung ein. Zusätzliche niedrigere Sitzgelegenheiten und weitere Lounge-artige Möbel würden mehr Kreativität bringen. Und noch etwas...

Ja?
Die Kombination aus Buchenholz beim Tisch und den Armlehnen der Stühle mit schwarzen Bezügen – das war vielleicht im Jahr 2000 beliebt. Danach kam eine Phase mit Ahorn und Aluminium, heutige Einrichtungen sind meist weiß.

Der Deutschland- und Europachef von Haworth musste als Sanierer schwierige Entscheidungen treffen. PR

Henning Figge

Der Deutschland- und Europachef von Haworth musste als Sanierer schwierige Entscheidungen treffen.

Wer erfindet solche Trends? Ihre Branche, um immer wieder neue Möbel zu verkaufen?
Jedes Unternehmen versucht natürlich, Produkte zu entwickeln, die in Farbe, Form und Haptik den aktuellen Geschmack der Kunden zu treffen. Die Trends aber erfindet die Büromöbelbranche nicht. Sie orientiert sich inzwischen am Wohn-Geschmack. Denn die Grenzen verwischen: Büros werden immer wohnlicher, und zuhause wird mehr gearbeitet.

Warum ist das so?
Durch Laptop, Skype und Smartphone kann man heute fast überall arbeiten: im Café, zu Hause – und natürlich auch im Büro. Arbeitgeber, die die Anwesenheit im Büro vorschreiben, sterben aus. Dabei hat das Büro ja auch Vorteile: Man trifft Kollegen, tauscht sich aus, entwickelt Ideen. Daher müssen die Arbeitgeber ein Umfeld schaffen, das ihre Mitarbeiter aufsuchen, weil es ihnen einen Mehrwert gegenüber anderen Arbeitsorten bietet. Dazu gehört ein angenehmes Ambiente.

Haworth und sein Sanierer

Der Manager

Henning Figge ist seit 2012 Deutschland- und Europachef des Büromöbelherstellers Haworth. Zuvor arbeitete er beim Konkurrenten Steelcase. Zu Haworth kam er mit 43 Jahren als Sanierer. Einen schrumpfenden Markt und hohe Rabatte sah er als Ursachen für die Krise des Deutschlandgeschäfts, zudem zu hohe Kosten. Die Konsequenz: Er schloss den Standort Ahlen.

Das Unternehmen

Der US-Konzern Haworth aus Michigan ist mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz einer der größten Hersteller von Büromöbeln. Weltweit beschäftigt der Konzern 6000 Menschen. Das Unternehmen ist in Europa durch Zukäufe gewachsen. 2014 kam die italienische Poltrona-Frau-Gruppe mit den Marken Poltrona Frau, Cappellini und Cassina dazu. Die Deutschlandzentrale liegt in Bad Münder.

Andererseits sparen ja Unternehmen Geld, wenn sie weniger Büroplätze bereithalten müssen – unter anderem Kosten für Möbel.
Das ist noch der geringste Posten, entscheidender sind natürlich die Raummieten. Aber viele Unternehmen brauchen einfach einen Ort der Begegnung, gerade weil die Wissensarbeit zunimmt. Und jedes Büro erzählt eine Geschichte über die Kultur des Unternehmens. Deshalb hat die Einrichtung Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter.

Wie meinen Sie das?
In einem sachlichen Konferenzraum wie hier wird es selten ein wildes Brainstorming geben – das finden Sie eher in einer informelleren Atmosphäre. Jedes Büro sollte daher mehrere Sofas haben. Je näher ein Mensch am Boden sitzt, desto offener ist seine Einstellung und die Gespräche werden fruchtbarer. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Deshalb braucht ein Unternehmen verschieden eingerichtete Räume.

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