Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

10:28 Uhr

Bundesgerichtshof gewährt Anrecht bei verhindertem Urlaub

Bei Hotel-Überbuchung gibt es künftig eine Entschädigung

Wer wegen Überbuchung des Urlaubshotels zu Hause bleiben muss, kann vom Reiseveranstalter neben der Rückerstattung seiner Anzahlung die Hälfte des Reisepreises als Entschädigung verlangen.

HB KARLSRUHE. Der verhinderte Urlauber müsse sich in der Regel nicht auf ein Ersatzquartier verweisen lassen, entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Selbst wenn der Kunde eine andere - nicht vom selben Reiseveranstalter angebotene - Ersatzreise unternimmt, steht ihm laut BGH eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu.

Damit gab das Karlsruher Gericht zwei Klägern Recht, die einen Tauchurlaub auf einer Malediven-Insel gebucht hatten, aber wegen Überfüllung des Hotels nicht antreten konnten. Ein vom Reiseveranstalter TUI angebotenes Hotel auf einer anderen Malediven- Insel lehnten sie ab, weil die Insel kein Hausriff hatte. (Aktenzeichen: X ZR 118/03 vom 11. Januar 2005) Nach den Worten des BGH entsteht der Anspruch - eine Art Schmerzensgeld für den fehlgeschlagenen Urlaub -, sobald der Kunde ein Ersatzangebot abgelehnt hat und die Reise damit gescheitert ist. Er müsse nicht beweisen, dass er zu Hause geblieben sei. Unerheblich sei zudem, ob er statt des geplanten Urlaubs seine Ferien anderweitig verbringe oder arbeiten gehe. Der BGH deutete aber an, dass die Ablehnung eines absolut gleichwertigen Ersatzangebots unzulässig sein kann.

Der BGH bestätigte ein Urteil des Landgerichts Hannover und billigte dessen Festsetzung der Entschädigung auf die Hälfte des Reisepreises. Ausnahmsweise kommt auch ein Ausgleich in Höhe des vollen Preises in Betracht - und zwar dann, wenn der Urlauber seine Reise angetreten hat, sich dabei aber wegen gravierender Mängel überhaupt nicht erholen konnte. Die Gerichte der unteren Instanzen müssen sich dem BGH zufolge bei der Höhe des Ausgleichs am Reisepreis orientieren - eine Anlehnung an das Einkommen des Kunden ist dagegen unzulässig.

(Bundesgerichtshof: www.bundesgerichtshof.de)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×