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28.01.2010

12:51 Uhr

Burani

Die tapferen Schneiderlein aus der Emilia

VonKatharina Kort

Mariella Burani war die Kreative, ihre Männer die guten Geschäftsleute - vermeintlich jedenfalls. Am Dienstag ist der 46-jährige Giovanni Burani, den Ernst & Young noch Ende 2008 als Besten in der Kategorie "Finance" ausgezeichnet hatte, von seinem Posten zurückgetreten. Am Mittwoch ist der Termin beim Insolvenzrichter.

Rene Lazard-Filiale in Berlin: Auch Mariella Burani ist an dem Label beteiligt. Quelle: dpa

Rene Lazard-Filiale in Berlin: Auch Mariella Burani ist an dem Label beteiligt.

MAILAND. Giovanni Burani war lange Jahre ein Traum von einem Unternehmensnachfolger. Der Manager und Ironman-Triathlet erfüllte jeden Raum schon mit seiner physischen Präsenz. Mit seiner Art nahm er als Chef der Mariella Burani Fashion Group die Menschen für sich ein. Das galt für die Mitarbeiter ebenso wie für die Investoren. Überzeugend erzählte der Sohn von Mariella und Walter Burani die Erfolgsgeschichte aus Reggio Emilia und von seinen Wachstumsplänen. Die Konkurrenz staunte, das Geschäft lief, die Eltern waren stolz. Doch das war gestern. Am Dienstag ist der 46-jährige Manager, den Ernst & Young noch Ende 2008 als Besten in der Kategorie "Finance" ausgezeichnet hatte, von seinem Posten zurückgetreten, und am Mittwoch beschäftigt sich ein Insolvenzgericht mit den Finanzen der Holding, die 71 Prozent an der Gruppe hält. Aus dem Traum ist ein Alptraum geworden, und mit dem Sohn droht das Ende einer Erfolgsgeschichte, die Vater und Mutter einst schrieben.

Alles hatte so schön angefangen: Ende der 50er-Jahre hilft der junge Wirtschaftswissenschaftler Walter Burani der 18-jährigen Mariella bei einer Reifenpanne. Es funkt, und die beiden heiraten kurz darauf. Es dauert nicht lange, und Walter Burani, der damals bei Max Mara arbeitet, gründet gemeinsam mit seiner Frau 1960 eine Firma für Mädchenkleidung. Als eines Tages die Schneiderin ausfällt, springt Mariella Burani, die eigentlich Lehrerin werden wollte, ein und entwirft ihre erste Kollektion. Es ist der Grundstein für die Marke.

Ähnlich wie bei Miuccia Prada und Paolo Bertelli ist auch bei Mariella Burani sie der kreative Kopf und er der Mann fürs Geschäft. Später steigen auch die Söhne mit ein, und vor allem unter Sohn Giovanni Burani wächst "Mariella Burani" rasant, geht an die Börse und weitet das Geschäft mit Marken wie Mandarina Duck und René Lezard aus. Im Jahr 2008 setzt die Gruppe weltweit 700 Mio. Euro um - doppelt so viel wie Versace.

Doch heute lasten 492 Mio. Euro Schulden auf dem Konzern, und der Termin beim Insolvenzrichter könnte der Anfang vom Ende sein. "Der Zustand der Mariella Burani Fashion Group (Mbfg) ist extrem alarmierend", schreiben die Staatsanwälte Luigi Orsi und Mauro Clerici an das Mailänder Gericht. Die Aktie ist bereits seit August vom Handel ausgesetzt.

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