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04.11.2011

10:46 Uhr

Burnout-Falle

Wie Sie sich vor Ausbeutung schützen

VonKatrin Terpitz

Hartmut Ostrowski bei Bertelsmann, der Privatkundenchef bei Lloyds - das Burn-Out-Syndrom macht vor Vorständen nicht halt. Die Unternehmen leiden mit, wenn ihre besten Köpfe aufgeben. Doch sie können gegensteuern.

Stress im Beruf führt immer häufiger zu Burn-out-Erkrankungen. obs

Stress im Beruf führt immer häufiger zu Burn-out-Erkrankungen.

DüsseldorfLange Zeit wurde Burn-out in der Unternehmenswelt mehr oder minder belächelt. "Ausgebranntsein" - das galt als Modekrankheit überspannter Promis und Karrieristen im mittleren Management. Doch nun trifft es auch oberste Konzernlenker.

Hartmut Ostrowski gab Mitte Oktober seinen Chefposten bei Bertelsmann auf: unter anderem wegen eines drohenden Burn-outs, ließ der Aufsichtsrat verlauten. Am Mittwoch nahm Antonio Horta-Osorio, Chef der Privatkundenbank Lloyds, eine Auszeit. Diagnose: Burn-out. Die Bank stürzt das in eine Führungskrise. Diese Fälle zeigen, wie psychische Überlastung die Leistungsfähigkeit von Firmen gefährden kann.

Psychischer Stress kann genauso krank machen wie körperliche Überlastung - das haben Arbeitgeber mit Weitblick schon lange erkannt. Sie tun deshalb einiges, um Mitarbeiter gesund und leistungsfähig zu halten.

Burnout: Wenn Körper und Seele streiken

Burnout

Wenn Körper und Seele streiken

Bertelsmann-Chef Ostrowski hat seinen Rücktritt erklärt - aus Sorge um seine Gesundheit. Aufsichtsratschef Thielen spricht offen über das bisherige Tabuthema: Burn-out in der Topetage.

Das Handelsblatt hat am Donnerstag in Frankfurt Firmen für ihr vorbildliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. Der "Corporate Health Award" wird mit dem Marktforscher EuPD Research und TÜV Süd Life Service vergeben. 237 Unternehmen hatten sich für den Preis in acht Branchen und drei Sonderkategorien beworben. Zu den Siegern gehören neben Konzernen wie Unilever, Steag, Boehringer Ingelheim oder Thyssen-Krupp Steel auch kleinere Organisationen wie Meyra-Ortopedia, das Umweltbundesamt oder das Uniklinikum Jena.

Tatsache ist: Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. "Dies lief zu einem Großteil auf Kosten der Beschäftigten", sagt Oliver-Timo Henssler, Experte für Gesundheitsmanagement von EuPD. "Die Arbeitsprozesse sind inzwischen so weit optimiert, dass immer mehr auf der Strecke bleiben."

Wie Sie sich vor Selbstausbeutung schützen

Der Fachmann gibt Rat

Kaum jemand hat mit dem Thema Burnout mehr praktische Erfahrung als Horst Conen. Der mehrfache Bestsellerautor coacht seit 25 Jahren einzelne Manager, Teams und berät Unternehmen sowie Institutionen. Jetzt ist auf Deutsche die umfangreiche überarbeitete Neuauflage seines Buches „Sei gut zu dir, wir brauchen dich". Hier einige seiner Tipps.

Was hindert Sie?

Wollen Sie endlich durchstarten? Vielleicht sogar einen neuen, spannenden Job, eine zweite Karriere beginnen? Aber sie tun es nicht. Erforschen Sie, was Sie hindert und wie Sie die Altlasten Ihrer Vergangenheit loswerden. Denn hier liegen die meisten Gründe verborgen.

Abwertende Sprüche aus der Vergangenheit

Prüfen Sie zuerst, was sich in Ihrer Kindheit, aber auch in den vergangenen Jahren in Ihnen festgesetzt hat. Wie sehen die Sprüche aus, die sie geprägt haben? Ihnen wird auffallen, dass vor allem abwertende Sätze hängen geblieben sind. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie diese negativen Botschaften gegen positive austauschen.

Verwenden Sie die Ist-Form

Wenn Sie solche positiven Botschaften formulieren, verwenden Sie die Ist-Form. Also nicht Worte wie würde, könnte, will, oder müsste. Und dann trainieren Sie solche Positiv-Botschaften: Schreiben Sie die Sprüche wie eine Regieanweisung auf Zettel oder Karteikarten.

Konfrontation mit schlimmen Erlebnissen

Greifen Sie einen Tag heraus, an dem Sie ungestört sind. Konfrontieren Sie sich ganz bewusst mit schmerzlichen Erfahrungen oder erniedrigenden Ereignissen, also heftigen Niederlagen und Enttäuschungen. Schreiben Sie es auf und verwenden Sie auch Fotos oder Briefe. Dann, am Ende des Tages, nehmen Sie den Haufen und begraben ihn irgendwo. Finden Sie dafür eine letzte Ruhestätte.

Sammeln Sie positive Ereignisse

Jetzt, wo Sie das hinter sich gelassen haben, erinnern Sie sich an besonders positive Momente und sammeln Sie neue Erfahrungen. Belohnen Sie sich und genießen Sie auch die kleinen Momente.

Besiegen Sie den inneren Nörgler

Natürlich haben Sie die innere, negative Stimme noch lange nicht für immer besiegt. Kämpfen Sie mit diesen Taktiken gegen den inneren Nörgler an.

Sagen Sie hallo

Sagen Sie sich: „Na da bist du ja wieder, du Selbstzweifel, Selbstvorwurf oder Schuldgefühl! Was hast du dir heute ausgedacht, um mich vom Weiterkommen abzuhalten?“

Geben Sie dem Nörgeln ein Gesicht

Geben Sie dieser inneren Stimme einen Namen wie zum Beispiel „Meine kleine Nervensäge“. Stellen Sie sich vor, wie sie aussieht: Stampft sie mit dem Fuß auf? Ist sie eher unsichtbar oder wegen ihrer Hässlichkeit sogar zu bemitleiden?

Rufen Sie „Halt!“

Unterbrechen Sie diese innere Stimme sofort, wenn sie sich gegen Sie wendet, Ihnen Fehler vorwirft oder Unzufriedenheit schürt. Sagen Sie ihr Dinge wie: „Du bringst mich nicht dazu, mich wieder schlecht zu fühlen!“

Seien Sie entschlossen

Sagen Sie der inneren Stimme: „Ich weiß, ich kann das, versuche mich nicht, davon abzubringen!“ Das, was gestern war, interessiert nicht mehr. Ziehen Sie das entschlossen durch.

Überzeugen Sie ihn

Sprechen Sie sich Mut zu. Wenn Sie einen Fehler gemacht und die Erinnerung daran immer wieder aufkommt, gehen Sie im Kopf jedes Mal durch, wie Sie einen Schlussstrich unter das Thema setzen. Reagieren Sie mit Geduld, wenn die Selbstgespräche nicht sofort fruchten.


Kommentare (14)

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no.7

04.11.2011, 11:33 Uhr

Der gewinn ist hochgeschraubt, aus den Mitarbeitern wird es herausgepreßt. wir werden für diesen Spaß in der zukunft teuer bezahlen, die Psychiatrien sind jetzt schon voll. Die wirtschaft laugt die Leute aus und wirft sie weg- ganz nach dem großen vorbild USA. Das ging jetzt 15 Jahre lang gut. In der zukunft wird es aber nicht mehr länger gut gehen. Der bumerang kommt zurück, deutschland wird an wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Das kommt eben davon, wenn man sich von den Globalisierern so erbärmlich ins boxhorn jagen läßt wie wir das hier tun. Was wird uns diese ganze irrsinnige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf längere sicht einbringen ? Nur immer neue rechnungen wird sie uns einbringen, weil die anderen in europa so ausgelaugt sind, daß sie pleitegehen. Soll nur der burnout die von der Propaganda als Vorbild hochgejubelten "Top-Entscheider" in der wirtschaft ordentlich treffen ! So ist es gut ! Diese Leute haben uns diesen ganzen Shareholder-value-Müll hier mit eingebrockt.Sollen sie nur fühlen, wenn sie nicht hören wollen ! Dann wird es denen vielleicht dämmern, daß sie sich mit ihrem Exportwahn ihre gesundheit halt eben zerstört haben. Und man kann es nur noch einmal betonen, wir werden für dieses absurde Wachstum-um-jeden-Preis bezahlen, bis wir schwarz werden hier. Den Gewinn haben die "Anleger" schon längst in der Tasche, die Kosten dieses poltisch gewollten Ausverkaufs wereden wir alle bezahlen. aber das ist gut so. Nur ordentlich drauf hier, sonst wird es nie anders. Die "Anleger" sahnen ab und lachen sich ins fäustchen, wie wir uns hier von denen abziehen lassen. Die Zeche des Raubbaus trägt ja der Staat und die sozialversicherung.

Account gelöscht!

04.11.2011, 11:35 Uhr

"Tatsache ist: Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. "Dies lief zu einem Großteil auf Kosten der Beschäftigten"...

Wie wahr, wie wahr.

Dem Aktionär und vielen Chefs war´s sch..egal.

In DE kamm na sich dagege nur mit gelbem Schein, Frühverrentung oder kündigen (lassen) wehren.

Ich gehe häufiger auf einem in der Nähe sich befindenden, sehr schön angelegten Friedhof spazieren. An den Daten auf vielen Gräbern von verheiraten Paaren ist abzulesen, das die Frauen die Männer um ca. 10-15 Jahre im Schnitt überlebten. Bloßer Zufall? Rein geschlechtsspezifsiches Phänomen?

Glaube ich nicht.

no.7

04.11.2011, 11:59 Uhr

Die frauen haben sich ebenfalls mit dem lockmittel Geld auf die Shareholder-value-bahn locken lassen- das war auch nicht anders zu erwarten. Ich gehe jede wette, viele von denen merken es jetzt schon, wie sie vom system gnadenlos verschlissen werden. nur zugeben wollen sie es nicht, weil sie ja die starken frauen sind. aber auch diese fassade wird nicht mehr lang halten, und hinter der fassade der Stärke ist der scherbenhaufen.

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