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07.12.2015

12:10 Uhr

Business-Knigge für Geschäftsessen

Hilfe, ich habe ein Dinner mit dem Chef!

VonKerstin Dämon

Der Chef will seine Mitarbeiter besser kennen lernen und lädt zum Essen ein. Oder noch schlimmer: Er kommt zum Essen vorbei. Was nun? Stil-Experten klären über die Do's and Don'ts beim Geschäftsessen auf. Ein Interview.

„Und als ich den Kellner gefragt habe, warum er mir ein Fischbesteck gibt, hat er gesagt: Wir wissen, dass das nicht richtig ist, aber die Gäste verlangen es immer.“ dpa

Benimmregeln

„Und als ich den Kellner gefragt habe, warum er mir ein Fischbesteck gibt, hat er gesagt: Wir wissen, dass das nicht richtig ist, aber die Gäste verlangen es immer.“

Bernhard Zirkler ist Betriebswirt mit der Fachrichtung Personal und Ausbildung. Seit 1994 ist er Trainer für Stil und Etikette. Sandra Götsch ist selbständige zertifizierte Kniggetrainerin und Gründungsmitglied der Knigge Gesellschaft für Moderne Umgangsformen.

Wenn der neue Chef beschließt, dass er seine Mitarbeiter kennen lernen will…
Bernhard Zirkler: …ist die Aufregung groß. Es gibt zwei Sachen, die in letzter Zeit zu beobachten sind. Einmal, dass die Vorgesetzten zu ihren Mitarbeitern nach Hause kommen, das ist aber noch die Ausnahme.
Sandra Götsch: Diese Handlung vom Vorgesetzten entspricht auch nicht der Etikette. Man lädt sich nicht bei anderen ein. Wenn der Vorgesetzte zuerst zu sich nach Hause einlädt, kann er damit rechnen, dass eine Gegeneinladung folgt.
Bernhard Zirkler: Das Zweite ist, dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern Essen gehen.

Die Personen

Bernhard Zirkler

Bernhard Zirkler ist Betriebswirt mit der Fachrichtung Personal und Ausbildung. Seit 1994 ist er Trainer für Stil und Etikette.

Sandra Götsch

Sandra Götsch ist selbständige zertifizierte Kniggetrainerin und Gründungsmitglied der Knigge Gesellschaft für Moderne Umgangsformen.

Das klingt doch ganz nett.
Bernhard Zirkler: Dabei geht es aber darum zu sehen, wie sich die Angestellten bei einem Business-Essen verhalten. Das ist eine sehr interessante Sache.

Also geht es bei diesem Kennenlernen mehr darum, zu sehen, ob jemand Messer und Gabel richtig halten kann?
Bernhard Zirkler: Ja und auch darum, ob jemand mit ungewohnten Situationen fertig wird und die souverän meistert. Die Basics müssen natürlich auch stimmen: Wie benutzt man welches Besteck, welches Getränk kommt zu welchem Gang...
Sandra Götsch: Manchmal testen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter und legen schlechte Manieren an den Tag: Deshalb sollte man sich dem niemals anpassen.

Was gehört denn zu den Anforderungen? Muss ich einen Hummer aus seiner Schale lösen können?
Bernhard Zirkler: Nein, das ist gar nicht nötig. Ich kann selbst auch keinen Hummer zerlegen. Das ist eine manuelle Fertigkeit, die man üben müsste. Dafür gibt es Spezialisten, die das übernehmen. Ich war neulich mit Führungskräften bei einem Sieben-Gänge-Menü, bei dem wir auch die schwierigen Dinge geübt haben, also Fisch filetieren und welche Bestecke man dazu verwendet. Da sollte eine gewisse Souveränität gegeben sein.

Den Hummer zerlegt also der Kellner, die Scholle muss ich selber filetieren.
Bernhard Zirkler: Das sollte man können, ja. Sie sollten wissen, wie der Fisch aufgebaut ist, dass es Knorpelfische gibt, die ganz normal mit Messer und Gabel isst und dass es Grätenfische gibt, die mit einem Fischbesteck zerteilt werden, damit ich die Gräten nicht im Mund habe.

26 gute Gründe, lieber zu Arbeiten

1. Sorgen Sie angenehmer für Produktivität 

Menschen, denen es gut geht, leisten gern, sind effizienter und verdienen mehr. Denn Wohlbefinden ist ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsproduktivität. Das wurde in einer Metaanalyse von Sonja Lyubomirsky wissenschaftlich nachgewiesen.

(Quelle: Ilona Bürgel)

2. Nutzen Sie den Spitzenreiter in Sachen Wohlbefinden

Es gibt fünf Arten von Wohlbefinden. Das Tätigkeitswohlbefinden, soziales, finanzielles, physisches und Gemeinschaftswohlbefinden. Die Tätigkeit hat doppelt so großen Einfluss auf unser Gesamtwohlbefinden wie alle anderen. Dies hat die Beratungsfirma Gallup in einer weltweiten Studie herausgefunden.

3. Prüfen Sie Ihre Motivation

Was ist Ihnen wichtig im Job? Werden Sie sich klar darüber, welche Ziele Sie für die Zukunft haben, welche Änderungen in Ihrem Leben für Sie wichtig wären. In der TK Stress Studie 2013 konnte nachgewiesen werden, dass „Spaßarbeiter“ gegenüber „Broterwerbarbeitern“ weniger erschöpft und depressiv sind.

4. Entwickeln Sie ein flexibles Weltbild

Betrachten Sie die Welt aus einem optimistischen Blickwinkel, denn als Optimist haben Sie die Chancen einer Situation im Auge, als Pessimist die Risiken. Da Optimismus eine Geisteshaltung ist, geht es in erster Linie darum, negatives und pessimistisches Denken durch eher optimistisches Denken zu ersetzen.

5. Belohnen Sie sich selbst

Sehr viele Menschen lassen sich durch Belohnungen motivieren. Sie auch? Dann nutzen Sie das. Stellen Sie sich selbst Belohnungen für erfüllte Aufgaben in Aussicht. Denn Arbeit darf Spaß machen. Perfekt ist es natürlich, wenn die Belohnung die Tätigkeit selbst ist, sei es durch zufriedene Kunden, Wissenserweiterung oder die Freude daran, das Beste zu geben. Daniel H. Pink hat untersucht, was Menschen bei der Arbeit motiviert. Er fand heraus, dass Firmen, denen Selbstbestimmung wichtig ist, eine vier Mal größere Wachstumsrate haben und ein Drittel mehr erwirtschaften.

6. Genießen Sie Ihre Beziehungen

Haben Sie einen guten Draht zu ihren Kollegen? Ein gutes Verhältnis zu Arbeitskollegen ist für die meisten wichtiger, als Jobsicherheit. Und wer sich wohl fühlt, leistet mehr: Ein positives Arbeitsklima wirkt sich auf die Motivation, Kreativität und Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen aus. Die Ergebnisse der Onlineumfrage von www.stellenanzeigen.de zeigen, dass Mitarbeiterzufriedenheit durch ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Chef vor allem durch Lob und Anerkennung bestimmt wird.

7. Loben , loben, loben

Haben Sie heute schon gelobt? Hauptgrund für Frustration am Arbeitsplatz ist fehlende Anerkennung durch den Chef. Anerkennung, persönliche Unterstützung und sichtbare Fortschritte bei der Arbeit motivieren Mitarbeiter am meisten. Dies bestätigten Tagebucheintragungen, die Theresa M. Amabile und Steven J. Kramer von der Harvard Business School analysierten.

8. Nutzen Sie die Erfolgsformel 3:1

Negative Gefühle wirken wesentlich stärker als positive. Wenn Sie sich einmal ärgern, müssen Sie sich zum Ausgleich dreimal freuen: es braucht ein 3:1 von Positivem zu Negativem. Dies klingt anstrengender als es ist, denn unser Leben ist ja voll von schönen Dingen, wir schätzen sie nur nicht. Beginnen Sie Meetings mit positiven Informationen, schreiben Sie Ermutigendes in Ihren Mailabsender.

9. Schalten Sie mal ab

Kommen Sie raus aus dem selbst gemachten Druck. Hier spielt uns unser Gehirn einen Streich, indem wir mehr Druck empfinden als real existiert, und wir in einer Art vorauseilendem Gehorsam „bereiter“ sind als nötig. Der DAK Gesundheitsreport 2012 ging der Frage nach, ob das Thema Erreichbarkeit ein Krankmacher ist. Dazu wurden 3000 Erwachsene befragt. 51,7 Prozent der Menschen, deren Kollegen und Vorgesetzte ihre privaten Nummern haben, werden nie angerufen, nur 7,5 Prozent der Befragten fühlen sich durch telefonische Erreichbarkeit etwas oder erheblich belastet. 78,9 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu „Mein Arbeitgeber akzeptiert, wenn ich außerhalb der Arbeitszeit nicht erreichbar bin“.

10. Lassen Sie sich von Stress nicht stressen

Vermitteln und erwerben Sie Wissen über Stress und Burnout, aber legen Sie darauf nicht den Fokus. Die Gehirnforschung zeigt: Je häufiger wir etwas wiederholen, umso stärker werden die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn. Also raus aus der Problem- hin zu Lösungsorientierung.

11. Sehen Sie, was Sie leisten

Viel zu lange haben wir darauf gewartet, dass uns Kollegen oder Chefs mal fragen, wie es uns geht, uns loben oder sehen, was wir leisten. Sie werden es nicht tun, so lange wir unsere Leistungen nicht selbst anerkennen und uns selbst wichtig nehmen.

12. Erwarten Sie das Glück bei Arbeit

Überprüfen Sie Ihre Einstellungen. Sind Sie dankbar, dass Sie diese Arbeit haben? Freuen Sie sich, dass Sie dort interessante Menschen treffen? Überall wartet das Wohlbefinden auf uns – wenn wir es treffen wollen und sehen können. Denn um etwas wahrzunehmen, müssen wir es kennen oder erwarten, sonst sehen wir es nicht.

13. Erteilen Sie sich ein Spekulationsverbot

Die Kollegin grüßt nicht, der Kunde ruft nicht zurück? Schluss mit den Spekulationen über die Ursachen. Sie rauben gute Energie. Bleiben Sie neutral. Was sind Tatsachen, und wo gehen Phantasie und Bewertungen mit Ihnen durch?

14. Legen Sie schwierige Termine auf Dienstag

Dienstags ist unsere Leistungsfähigkeit am größten. Das sollten Sie öfter nutzen, vor allem für ungeliebte Meetings.

Aber in einem guten Restaurant sollte ich doch das entsprechende Besteck zum jeweiligen Fisch bekommen…
Bernhard Zirkler: Ich habe es selbst in Düsseldorf bei einem Lehrgang in einem sehr guten Restaurant erlebt, dass ich einen Seeteufel bestellt habe und ein Fischbesteck dazu bekommen habe. Und als ich den Kellner gefragt habe, warum er mir ein Fischbesteck gibt, hat er gesagt: Wir wissen, dass das nicht richtig ist, aber die Gäste verlangen es immer.

Wie verhält es sich mit den Getränken? Muss es Wein sein oder ist auch Bier erlaubt?
Sandra Götsch: Wenn Sie ein Bier trinken wollen, trinken Sie ein Bier. Aber dann bleiben Sie bitte auch dabei: Einmal Bier, immer Bier. Das gilt auch beim Wein: Man trinkt von hell nach dunkel - Wasser, Weißwein, Rotwein - und wechselt dann nicht mehr von Rotwein zurück auf Weißwein.

Gibt es einen Fauxpas, den man auf jeden Fall vermeiden sollte?
Sandra Götsch: Zahnstocher bitte auf keinen Fall am Tisch verwenden – auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Dafür geht man in den Waschraum.
Bernhard Zirkler: Und ganz wichtig: Schlüsselbund, Handy, Geldbeutel, Zigaretten und Ellenbogen gehören nicht auf den Tisch.

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