Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2011

11:48 Uhr

Business-School-Dekan

„Die Spielregeln der Wirtschaft verändern sich rapide“

VonAstrid Dörner

Die renommierte Wirtschaftshochschule Wharton hat zahlreiche Wall-Street-Banker ausgebildet. Dekan Thomas Robertson über Lehren aus der Finanzkrise, Ethik und seinen Frust über das Fehlverhalten von Absolventen.

Thomas S. Robertson, seit 2007 Dekan der Wharton Business School an der University of Pennsylvania. Pressebild

Thomas S. Robertson, seit 2007 Dekan der Wharton Business School an der University of Pennsylvania.

Handelsblatt: Herr Robertson, die Ausbildungsstätten für Manager, die Business-Schools, stehen massiv in der Kritik. Was muss sich ändern?

Thomas Robertson: Die Hälfte unserer Studenten wird künftig in Branchen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Deshalb müssen wir sie so ausbilden, damit sie alle nötigen Instrumente zur Hand haben. Wir müssen Leute für eine Welt ausbilden, von der wir nicht wissen, wie sie aussehen wird. Die Welt ist sehr komplex. Die Studenten müssen lernen, in unsicheren Zeiten Entscheidungen zu treffen. Außerdem spielen heute die Regierungen in Europa und in den USA eine viel größere Rolle in der Geschäftswelt. Führungskräfte kümmern sich deshalb mehr Zeit denn je auch darum.

Reichen dafür ein oder zwei Jahre Management-Studium?

Wenn uns die Ereignisse der vergangenen Jahre etwas gelehrt haben, dann, dass sich die Spielregeln der Wirtschaft rapide verändern können - und damit auch die Ausbildung der Manager. Die globalen Führungskräfte der Zukunft müssen sich auf enorme Veränderungen in ihrem Leben einstellen. Damit muss sich auch die Ausbildung ändern. Wir haben uns dem lebenslangen Lernen verpflichtet. Bei Anwälten und Ärzten wird es vorausgesetzt, dass sie sich ständig weiterbilden. In der Geschäftswelt sollte es auch so sein.

Sie stellen den Lehrplan im Master of Business Administration (MBA) um. Was ändert sich ?

Wir haben uns entschlossen, nicht nur das Curriculum zu ändern, sondern den Studenten im MBA eine ganz andere Lernerfahrung zu bieten.

Was genau heißt das?

Das Curriculum wird flexibler. Die MBAStudenten wollen früher Kurse belegen, die sie auf ihr Praktikum vorbereiten. Oft ist es ja so, dass sie im Praktikum nach dem ersten Studienjahr Job-Angebote für die Zeit nach dem MBA bekommen. Die Studenten müssen jetzt nur noch neun statt zehn Pflichtkurse belegen. Bei sechs davon bieten die Professoren mindestens zwei verschiedene Niveaus an. Wer etwa schon Vorkenntnisse in Rechnungswesen hat, kann einen Kurs für Fortgeschrittene belegen.

Der Dekan der Insead Business School in Frankreich hat vor kurzem gesagt, dass die Business-Schools zwar noch immer volle Klassen haben, aber an Reputation verlieren. Stimmen Sie zu?

Ich denke nicht, dass der MBA in der Finanzkrise Schaden genommen hat. Es gibt mittlerweile so viele von Business-Schools, man könnte sagen, dass sie zu einem gewissen Grad ihre Exklusivität verlieren. Aber die Top-Schulen sind genauso wichtig wie eh und je. Man kann sogar sagen: Die führenden Business-Schools bieten bessere Inhalte als je zuvor, weil die Konkurrenz nun so groß ist.

Business-Schools sollen aber genau jene Typen von Entscheidern ausgebildet haben, die die Finanzkrise verursacht haben.

Ich habe die Kritik natürlich mitbekommen. Viele Leute werden für die Finanzkrise verantwortlich gemacht: Die Regierung, die US-Notenbank Federal Reserve, die Börsenaufsicht SEC, die nicht genug kontrolliert hat, die Ratingagenturen. Business-Schools waren ein Teil des Puzzles. Wir haben ein breit angelegtes Curriculum. Unsere Studenten gehen nicht nur in die Finanzwelt, sie arbeiten in vielen Branchen.

Viele Wharton Absolventen zieht es aber an die Wall Street .

Ja, viele neigen dazu. Aber neue Finanzinstrumente können für gute und für schlechte Zwecke genutzt werden. In der Krise wurden sie für schlechte Zwecke benutzt, beziehungsweise Manager wurden für kurzfristigen Erfolg belohnt, waren aber nicht verantwortlich für das langfristige Geschäft.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Auceza

16.12.2011, 01:34 Uhr

Die Spielregeln ändern sich rapide, die Welt von morgen wird durch starke Veränderungen geprägt sein, lebenslanges Lernen, die Wirtschaftsexperten haben eine zu kurze Perspektive, es mangelt an Kenntnissen der Ethik usw...
das ist doch alles schon längst bekannt!!!

Gibt es denn auch irgendwelche sinnvollen Lösungsvorschläge für diese Problemlagen??? Ich habe den Eindruck, dass sich der Dekan ziemlich in Allgemeinplätzen verliert und wenig Innovatives anzubieten hat, oder???

Wenn Absolventen dieser Business School auf dem Niveau argumentieren wie ihr Dekan, wundert es mich nicht, dass die US-Wirtschaft immer mehr ins Straucheln kommt. :(

Enttäuschte Grüße, Ihre Auceza

Auceza

16.12.2011, 01:34 Uhr

Die Spielregeln ändern sich rapide, die Welt von morgen wird durch starke Veränderungen geprägt sein, lebenslanges Lernen, die Wirtschaftsexperten haben eine zu kurze Perspektive, es mangelt an Kenntnissen der Ethik usw...
das ist doch alles schon längst bekannt!!!

Gibt es denn auch irgendwelche sinnvollen Lösungsvorschläge für diese Problemlagen??? Ich habe den Eindruck, dass sich der Dekan ziemlich in Allgemeinplätzen verliert und wenig Innovatives anzubieten hat, oder???

Wenn Absolventen dieser Business School auf dem Niveau argumentieren wie ihr Dekan, wundert es mich nicht, dass die US-Wirtschaft immer mehr ins Straucheln kommt. :(

Enttäuschte Grüße, Ihre Auceza

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×