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25.07.2013

12:45 Uhr

Callcenter kämpft gegen Insolvenz

„Versuchen Sie es zum späteren Zeitpunkt“

VonMartin Dowideit

Die einst blühende Branche der Callcenter dümpelt vor sich hin. Die Nummer zwei im Markt, Walter Services, steht vor der Pleite. Schuld sind jene Firmen, die nicht mal mehr via Call-Center erreichbar sein wollen.

Kopfhörer in einem Callcenter: Einer der größten Betreiber steckt in Schwierigkeiten. dpa

Kopfhörer in einem Callcenter: Einer der größten Betreiber steckt in Schwierigkeiten.

Düsseldorf"Alle unsere Leitungen sind belegt. Versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt." Diesen Satz hören wir alle mehrmals im Monat. Er zeugt davon, dass es im Callcenter desjenigen, den wir erreichen wollen, turbulent zugeht. Die Branche, einst Hoffnungskind aller Wirtschaftsförderer, die nichts als Telefonleitungen zu bieten hatten, dümpelt vor sich hin, seit Auftraggeber versuchen, die Fragen ihrer Kunden schriftlich zu beantworten. Heute hat dieser Trend nach unten ein prominentes Opfer gefordert: Der Callcenter-Betreiber Walter Services, nach eigenen Angaben die Nummer zwei in Zentraleuropa, steht vor der Pleite und hat daher ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Unternehmen bleibt so drei Monate vor seinen Gläubigern geschützt, und das bisherige Management kann in dieser Zeit eine Sanierung versuchen. Andernfalls droht die endgültige Insolvenz. Zuletzt hatte der Fernsehhersteller Loewe als prominentes Beispiel diese neue Möglichkeit des Insolvenzrechts in Anspruch genommen.

Walter Services beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland noch 6000 Mitarbeiter und hat einem Fachmagazin zufolge im Jahr 2011 einen Umsatz von 190 Millionen Euro erzielt. 2.400 weitere Mitarbeiter gibt es im Ausland. Noch vor wenigen Jahren meldete die Firma insgesamt 10.000 Beschäftigte. Unter anderem hatte Walter Services in der Vergangenheit Callcenter-Standorte der Deutschen Telekom, von Karstadt-Quelle und dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft - was sich im nachhinein teilweise als Fehlgriff erwies. „Angesichts massiver Volumenrückgänge im Kernsegment Telekommunikation, die sich seit Juni deutlich beschleunigt haben, muss die Gruppe restrukturiert werden“, heißt es jetzt in einer Erklärung.

Größte Callcenter-Betreiber in Deutschland (Umsatz 2011)

Platz 6

Buw Holding

106,1 Millionen Euro

Platz 5

Avocis Deutschland

109 Millionen Euro

Platz 4

SNT Deutschland

120 Millionen Euro

Platz 3

Sitel

121,9 Millionen Euro

Platz 2

Walter Services

190,4 Millionen Euro

Platz 1

Arvato Customer Services

752,7 Millionen Euro

Quelle: callcenterprofi.de

Ziel von Geschäftsführer Joachim Hofsähs sei es, so viele Arbeitsplätze und Büros wie möglich zu sichern. An insgesamt 20 Standorten in Deutschland ist Walter Services vertreten. Die Geschäftsführung werde von Restrukturierungsexperten beraten. Auch die Mitarbeiter, Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi würden in das Verfahren eingebunden. Das Unternehmen gehört den Finanzinvestoren HIG Capital und Anchorage Capital.

Nach zähen Verhandlungen hatten Verdi und die Firma im Juni einen Tarifvertrag unterzeichnet. Schrittweise sollen die Stundenlöhne der Beschäftigten dadurch auf mindestens 8,50 Euro pro Stunde angehoben werden.

Kommentare (26)

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Murgtal

25.07.2013, 13:02 Uhr

Hier werden nur unschuldige Bürger belästigt!!! Je früher so ein Laden schließt, desto besser!!!

1111111111111111111111

25.07.2013, 13:07 Uhr

"die sich seit Juni deutlich beschleunigt haben, muss die Gruppe restrukturiert werden“,

Mal wieder das übliche Geschwätz. Der Laden ist einfach PLEITE, die Verantwortlichen hauen ab, die Schulden werden einfach gestrichen, die Gläubiger haben Pech und danach geht das Spiel von vorne los....Gähn.....wir machen das als Privatleute bald auch so, wir nehmen richtig FETTE Kredite auf, verleben sie und zahlen sie einfach nicht zurück, was unsere Volksbelügner können, können wir auch !

Account gelöscht!

25.07.2013, 13:13 Uhr

"Unter anderem hatte Walter Services in der Vergangenheit Call-Center-Standorte der Deutschen Telekom, von Karstadt-Quelle und dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft."
Auf großer Einkaufstour gewesen, um die Konkurrenz auszuschalten und nun andere als Schuldige bezeichnen, der Klassiker. Weshalb kann es denn keine Managerhaftung mit dem Prvatvermögen geben? Das müsste zuerst herangezogen werden, ehe die Sozialkassen wie z.B. ARGE einspringen.

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