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02.01.2006

07:00 Uhr

Carlos Brito

Brasilianisch-belgisches Gebräu

VonAlexander Busch

Der weltgrößte Bierkonzern Inbev wird nun vom Brasilianer Carlos Brito geleitet. Die Offensive der brasilianischen Manager im belgischen Konzern hat vor 18 Monaten mit der Übernahme des größten südamerikanischen Braukonzerns begonnen.

SAO PAULO. Sie sehen aus wie entspannte junge Menschen aus der Mittelschicht São Paulos: flink, locker, höflich. Fleißig sicher, aber auch nicht übertrieben ehrgeizig wirken sie. Kein einziger von ihnen trägt Anzug oder Kostüm. Und so käme wohl niemand auf den Gedanken, dass es sich um brasilianische Topmanager handeln könnte, die in diesem Moment die Krönung eines Kopfs aus ihrer Mitte feiern: Carlos Brito, 45, ein hagerer Mann mit schon sehr hoher Stirn ist zum Jahreswechsel zum neuen CEO von Inbev, dem größten Braukonzern der Welt, aufgestiegen.

Schon länger findet am Konzernsitz im belgischen Leuven die schleichende brasilianische Machtübernahme statt: In den Abteilungen Finanzen, Einkauf, IT, Marktforschung und Controlling haben inzwischen rund 30 brasilianische Manager das Sagen. Die meisten sind zwischen Ende 20 und Anfang 40 Jahre alt – und haben damit alleine schon vom Alter her in dem altehrwürdigen Brauhaus eine Art sanfter Revolution in Gang gesetzt. Der Amerikaner John Brock, der in den vergangenen drei Jahren den Konzern führte, könnte ihr Vater sein, genauso wie Pierre Jean Everaert, der im Mai von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten und dort dem Deutschen Peter Harf Platz machen wird.

Die Offensive der brasilianischen Manager im belgischen Konzern hat vor 18 Monaten mit der Übernahme des größten südamerikanischen Braukonzerns begonnen, der brasilianischen Ambev durch die damalige Interbrew aus Belgien. Jener von drei belgischen Adelsfamilien kontrollierte Konzern stellte die Akquisition in Südamerika zwar als eine „Fusion unter Gleichen“ dar. Doch die blaublütigen Clans der de Spoelberchs, de Mevius und van Dammes besitzen nach dem Aktientausch mit den Brasilianern weiter die Mehrheit im neuen Unternehmen. Mit der Übernahme sicherten sich die Belgier einen der lukrativsten Biermärkte der Welt: Heute trägt Lateinamerika rund die Hälfte zum Gesamtgewinn von Inbev bei. Europa und Nordamerika steuern dagegen weniger als ein Drittel hinzu.

Schon in den Jahren zuvor hatten die Belgier kräftig zugekauft, auch in Deutschland mit Beck’s, Diebels und Paulaner. Bei der brasilianischen Ambev aber holten sich die Belgier vor allem Know-how ins Haus. Denn die brasilianischen Manager haben in Südamerika bewiesen, dass sie weltweit am effizientesten Bier brauen können. „Der Gewinn ist jetzt das alles überragende Ziel“, sagt Marc Leemans, Analyst der Bank Degroof. Mindestens 30 Prozent operative Rendite soll Inbev bis Ende 2007 erreichen.

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