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28.01.2010

12:56 Uhr

Carlos Slim

Der Puppenspieler von Mexiko

VonLukas Bay

Vom Migrantensohn zum Multimilliardär - die Geschichte des Carlos Slim klingt nach einem modernen Märchen. Der reichste Mann von Mexiko verdankt seinen Aufstieg seinem außergewöhnlichen Investitionsgeschick - und seinen weit verzweigten politischen Seilschaften.

Carlos Slim hält die Fäden der mexikanischen Wirtschaft in der Hand. Reuters

Carlos Slim hält die Fäden der mexikanischen Wirtschaft in der Hand.

DÜSSELDORF. Wenn Carlos Slim Helú mit seiner gepanzerten Limousine durch die Straßen von Mexiko City fährt, muss er nur einen Blick aus dem Fenster werfen, um sein Vermögen wachsen zu sehen. Der Raucher an der Straßenecke, der Geschäftsmann mit Mobiltelefon, die Jugendlichen im Enchilada-Restaurant – sie alle machen den reichsten Mann von Mexiko noch ein kleines bisschen reicher.

Denn egal welche Branche: Die mexikanische Wirtschaft ist fest in der Hand des Multimilliardärs mit libanesischen Wurzeln. Ob Tabakkonzern, Telekommunikationsunternehmen oder Restaurantkette – Slims Imperium reicht bis in den letzten Winkel Mittelamerikas und darüber hinaus. Jeder fünfte Peso, der in Mexiko kursiert, geht durch die Hände seines Firmenimperiums. Mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 35 Mrd. Euro ist er der mit Abstand reichste Südamerikaner. Im Jahr 2005 schaffte er sogar den Sprung an die Spitze der Forbes-Liste der Superreichen. Seinen Spitzenplatz musste er nach der Krise wieder an Bill Gates abgeben.

Trotzdem bleibt Slim, der heute 70 Jahre alt wird, der südamerikanische Gegenentwurf zu Gates. Als „moderner König Midas“ mit einem goldenen Näschen für lukrative Investitionen verdankt er seinen Reichtum keiner revolutionären Idee oder Erfindung, sondern kalkulierter Berechnung - und guten Kontakten.

Denn Carlos Slim hat es keineswegs von ganz unten an die Spitze geschafft, sein Familienhaus erleichterte seinen Start. 1940 wurde er als Sohn des libanesischen Einwanderers Julián Slim Haddad geboren. Sein Vater hatte es mit seiner Handelsfirma "Stern des Orients" und Immobiliengeschäften zu Wohlstand gebracht und vererbte Slim nicht nur kaufmännisches Geschick, sondern auch gute Kontakte zu den politischen Elite des Landes – vor allem zur herrschenden Staatspartei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Der junge Slim verstand schnell, dass wirtschaftlicher Aufstieg in Mexiko nur denen vergönnt war, die den engen Kontakt zur Macht suchten.

Nach seinem Studium als Bauingenieur arbeitete „El Ingeniero“ zunächst als Aktienhändler an der mexikanischen Börse. Mit 25 gründete er sein erstes Brokerunternehmen, mit 26 war er Peso-Millionär. Mitte der 80er-Jahre begann er schließlich, sein Firmenimperium aufzubauen.

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