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29.03.2016

10:40 Uhr

Caterer Aramark

Mit dem Smartphone zum Stadion-Bier

VonChristoph Kapalschinski

Catering-Anbieter wie Aramark stehen in den Stadien der Bundesliga unter Druck. Die Konzerne suchen daher neue Wege, um die Wartezeit an Getränkeständen zu verkürzen. Bislang aber mit eher mäßigem Erfolg.

Catering-Anbieter wie Aramark bekommen zunehmend Konkurrenz. Imago

Imbissstand im Frankfurter Stadion

Catering-Anbieter wie Aramark bekommen zunehmend Konkurrenz.

Neu-IsenburgEs ist ein Ärgernis, das Fußball-Fans regelmäßig nervt: lange Schlangen an den Getränkeständen, besonders vor dem Spiel und in der 15 Minuten kurzen Halbzeitpause. Der größte Stadion-Caterer in der Bundesliga, Aramark, will das Problem jetzt angehen. „Gastronomie wird ein immer wichtigerer Faktor im Stadion. Das Erlebnis für die Fans muss stimmen“, sagte Jürgen Vogl, Deutschland-Chef des Catering-Konzerns, dem Handelsblatt.

Was für Fußball gilt, gilt ebenso für die anderen Geschäftsfelder des Catering-Riesen aus den USA: Auch bei Kantinen, die Aramark lieber Betriebsrestaurants nennt, und bei der Versorgung von Altenheimen sowie Krankenhäusern wandelt sich der Trend.

Im Stadion will Vogl auch die Smartphones der Fans einsetzen – etwa für Getränkebestellungen per App. Allerdings: Den Königsweg hat er dazu noch nicht gefunden. Im Berliner Olympiastadion können Fans bereits auf Sitzplätzen in der Nähe von Kiosken per Smartphone Getränke an den Platz bestellen.

Deutschlands erfolgreichste Fast-Food-Restaurants

10. Edeka

Dass Edeka Zentrale im Ranking auftaucht, zeigt: Auch bei Bäckern und in Supermärkten wird das Gastronomie- und Snack-Geschäft wichtiger. In die Umsatzzahl von 198 Millionen Euro sind dabei viele Angebote der Kaufleute nicht mal eingerechnet.

Quelle für alle Zahlen: Fachzeitschrift „Food Service“

9. Ikea

Ikea wächst ebenfalls bei der Gastronomie – auch dank neuer Angebote wie vegetarischer Bällchen um 13 Millionen auf 204 Millionen Euro. In der ersten City-Filiale in Hamburg-Altona ist die Gastronomie sogar so erfolgreich, dass Ikea bereits am dortigen Bahnhof wirbt. „Bei uns gibt es neben Coffee auch Tische to go“.

8. Aral

Aral wächst mit Petit Bistro in den Filialen seiner 1137 Franchisenehmer und bringt es auf 212,1 Millionen Euro Umsatz. Der Ölkonzern sorgte für Aufsehen, weil die konzerneigenen Filialen schrittweise auf Rewe to Go umgestellt werden. Das Kölner Handelsunternehmen weitet so die Präsenz seiner Convenience-Linie deutlich aus.

7. Subway

Subway hat seine Krise in Deutschland überwunden und wächst wieder. Zwischenzeitlich hatte die Kette mit ihren Franchise-Nehmern zu viele Filialen in Deutschland eröffnet. Anschließend gab es Ärger mit mehreren Partnern, die sich über hohe Gebühren bei wenig Umsatz beklagten. Inzwischen ist das Filialnetz bereinigt, Subway läuft in Deutschland wieder recht geräuschlos – und wächst um zwölf Millionen Euro auf 215 Millionen Euro. Die Positionierung als gesunde Alternative hilft.

6. Yum

Yum betreibt Kentucky Fried Chicken und Pizza-Hut-Restaurants. Vor allem KFC sagen Experten wie „Food Service“-Herausgeberin Gretel Weiss großes Wachstumspotenzial in Deutschland (Umsatz: 267,8 Millionen Euro) nach. Wie in den USA wäre Platz an jeder Ecke. Doch im Konzern stehen Schwellenländer noch höher auf der Agenda als das reife Europa.

5. Nordsee

Nordsee stagniert bei 297,9 Millionen Euro Umsatz. Die Gruppe von Heiner Kamps arbeitet an ihrem Konzept und will so mehr junge Kunden erreichen. Neben die klassischen Fisch-Angebote treten dazu Aktionen, die auch Trendthemen aufgreifen sollen. Auch der Werbeauftritt ist neu.

4. Tank & Rast

Autobahn Tank & Rast versorgt 400 Filialen, vor allem Raststätten. Der Umsatz stieg um 18 Millionen auf 621 Millionen Euro.

3. LSG Lufthansa

LSG Lufthansa ist der Caterer der Fluggesellschaft. Die „Sky Chefs“ gewinnen 34 Millionen Euro Umsatz auf 824 Millionen Euro.

2. Burger King

Burger King lässt den Skandal um Hygienemängel bei einem großen Franchise-Nehmer hinter sich. Der Umsatz stieg um 35 Millionen Euro auf 865 Millionen Euro. Dabei gibt es sogar eine Filiale weniger als im Vorjahr, nämlich 694. Offenbar haben die Kunden ein kurzes Gedächtnis für Skandale – oder glauben den Beteuerungen des Unternehmens, dass es nun besser laufe. Im Vorjahr hatte Burger King noch 5,7 Prozent Umsatz eingebüßt.

1. McDonald’s

McDonald’s ist mit riesigem Abstand Marktführer unter den Systemgastronomen in Deutschland. Mit neuen Angeboten wie dem Bio Burger sind die Amerikaner aus der Defensive gekommen. Die Fachzeitschrift „Food Service“ schätzt das Umsatzplus auf 70 Millionen Euro – obwohl nur eine Filiale dazugekommen ist. Damit würde der Konzern in Deutschland in 1478 Betrieben 3,08 Milliarden Euro umsetzen. Ein Zukunftsstore am Frankfurter Flughafen zeigt, wie die Filialen künftig aussehen sollen – unter anderem an Autobahnen, wo McDonald’s bei Tank & Rast einige Burger Kings ablösen wird.

Doch das führt auch zu Unmut. „Die Akzeptanz ist sehr unterschiedlich“, drückte es Vogl diplomatisch aus. Einige Fangruppen störe es, wenn häufig Servicekräfte durch die Reihen gingen und so die Sicht behinderten. Zudem sei es schwer, eingefahrene Gewohnheiten der Fans zu ändern. Daher werde Aramark die Technik nicht flächendeckend einführen, sagte Vogl: „Wir schauen, wo das Sinn ergibt.“

Entspannung sollen in einigen Stadien stattdessen zusätzliche Kioske bringen, ausgestattet mit Bildschirmen, damit Fans auch außerhalb der Halbzeit kein Tor verpassen. Außerdem plädiert der Manager dafür, ein attraktiveres Programm vor Spielbeginn zu bieten. Damit würden die Menschen länger im Stadion bleiben, die Wartezeiten entzerrt – und Aramark würde wohl noch mehr Getränke und Snacks absetzen.

Auch bei Arena One, Gastronomie-Anbieter in der Münchener Allianz Arena, sind die Getränke-Schlangen ein Thema. Doch viele Ideen scheiterten an der Praxis, weiß Betriebsleiterin Sabine Staude. So sei es zum Beispiel aus baulichen Gründen nicht möglich, Extra-Schlangen für Menschen einzurichten, die Getränke per App vorbestellen. Das Bestellen zum Platz hält sie ebenfalls nicht für eine umfassende Lösung: Die Wege zu den Fans wären zu weit. Obwohl verschiedene Anbieter solche Bestell-Apps entwickelt haben, hat Arena One daher solche Vorstöße verworfen.

Erleichterung bringe hingegen die Arena-Card. Die Prepaid-Bezahlkarte verkürzt den durchschnittlichen Bezahlvorgang von 50 Sekunden mit Bargeld auf 20 Sekunden mit Karte. Folge sind kürzere Schlangen.

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