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29.01.2016

08:23 Uhr

CEO-Karriere in Gefahr

Wenn der Chef in der Kommunikation versagt

VonCarina Kontio

Scheinbare Konzeptlosigkeit, schlechter Führungsstil, misslungene Kommunikation: das wird Firmenlenkern wie bei VW oder dem DFB öfter zum Verhängnis. Das zeigt eine aktuelle Studie. Was die Chefetage jetzt tun sollte.

Anschreien ist nie eine gute Methode. Viele Chefs kommunizieren falsch und unglücklich und können sich und ihr Unternehmen damit in Schwierigkeiten bringen. Getty Images

Ein No-Go

Anschreien ist nie eine gute Methode. Viele Chefs kommunizieren falsch und unglücklich und können sich und ihr Unternehmen damit in Schwierigkeiten bringen.

DüsseldorfErinnern Sie sich noch an die peinliche Interview-Panne von VW-Chef Matthias Müller? Was für ein Debakel, als ihm kürzlich auf seiner USA-Reise im Gespräch mit einem Journalisten Sätze rausrutschten, die für Zündstoff im Abgasskandal sorgten. Dabei wollte er vermutlich einfach nur das ramponierte Image des Wolfsburger Autobauers wieder aufpolieren, als er die Affäre als „technisches Problem“ bezeichnete.

Oder die Salami-Kommunikation des Deutschen Fußball-Bundes, der gerade durch seine Krise schlingert. Doch DFB und VW sind nicht die einzigen, die falsch und unglücklich kommunizieren. Schieben wir mal die moderne Phrase „Scheitern ist schön und wichtig“ für einen kurzen Moment beiseite – ja, da mag was dran sein, aber wer will schon wirklich Fehler machen? Ich nicht.

So kommunizieren Sie möglichst geschickt

Tipps vom Fachmann

Die Unternehmensberater Michaela Lang und Oliver Fritsch geben in ihrem Buch "Das Anti-Burnout-Buch" (MVG-Verlag) wertvolle Tipps in Form von 14 Denkwerkzeugen. Wir haben die wesentlichen Tipps für Sie zusammengefasst.

Worum geht's

Unsere Gedanken und das, woran wir glauben oder nicht glauben, spielen eine gewichtige Rolle in unserem Leben. Negative Glaubenssätze lassen uns etwas glauben, das vielleicht schon keine Gültigkeit mehr, und blockieren dadurch unsere Veränderungsfähigkeit.
Das ist insbesondere dann problematisch, wenn wir uns aus stressigen Stresssituationen, die zum Burnout führen können, befreien.

Ziel des Denktricks

Negative Glaubenssätze ans Tageslicht zu holen und zu hinterfragen, wo sie ihren Ursprung haben. Sie anschließend auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und bei Bedarf in positiv wirkende Glaubenssätze umzuwandeln.

Negative Glaubenssätze halten uns klein

Wir tragen negative Glaubenssätze in uns, die uns blockieren und zur Last werden können. Sie verhindern Veränderungen und zwingen uns dazu, in suboptimalen Zuständen zu verharren. Manche Menschen glauben zum Beispiel, dass es „die einen einfach drauf haben und andere leider nicht“.
Ein weiterer negativer Glaubensatz besagt, dass man im Leben sowieso nichts kontrollieren kann und letztlich alles vom Zufall abhängt.
Die gute Nachricht lautet, dass man negative Glaubenssätze auch wieder verlernen kann.

Negative Glaubenssätze loswerden

Notieren Sie zuerst, welche negativen Glaubenssätze Sie zurückhalten - und in wieweit diese Sie stressen. Beispiele: Männer bzw. Frauen haben es leichter; Ich bekomme ja sowieso keine Gehaltserhöhung; Keiner interessiert sich für mich.

Was müssen Sie tun, um sich selbst zu beweisen, dass Ihre negativen Glaubenssätze keine Gültigkeit mehr für Sie besitzen? Schreiben Sie es auf!

Zum Abschluss notieren Sie all Ihre positiven Glaubenssätze - und womit diese Sie schon weitergebracht haben. Bewahren Sie sie gut auf und ergänzen Sie sie von Zeit zu Zeit um weitere positive Glaubenssätze, die Ihnen in den Sinn kommen, oder auch um jene, die Sie vom Negativen ins Positive umgewandelt haben.

Worum geht's?

Ein Teil der Fremdbestimmung in unserem Leben entspringt unserer Kindheit. Durch unsere Erziehung wurden wir auf dem Weg ins Erwachsenenalter oft von tief verwurzelten Familientraditionen und -regeln geprägt. Als erwachsene leben wir in dieser Spur weiter, ohne uns groß Gedanken darüber zu machen, ob wir das wollen oder nicht.

Ziel des Denktricks

Herauszufinden, wie sehr wir das Leben unserer Eltern oder anderer wichtiger Menschen in unserem Leben weiterführen oder uns dagegen auflehnen. Dabei befreien Sie sich von den belastenden und einengenden Fesseln Ihrer Eltern und fangen an, Ihr eigenes Leben zu leben.

Befreien Sie sich vom Erbe Ihrer Eltern

Oft bewegen wir uns noch in den Fußstapfen derer, die während unserer Kindheit großen Einfluss auf uns hatten. Häufig passiert das allerdings eher unbewusst. Finden Sie heraus, wie sehr Sie noch das Leben Ihrer Eltern führen, oder ob Sie genau das Gegenteil machen.
Fragen Sie sich, ob Sie sich so wohlfühlen wie es ist, oder ob Sie etwas verändern möchten. Dabei helfen Fragen wie:

  • Welche Träume hatten meine Eltern oder andere mir wichtige Bezugspersonen?
  • Welche davon meine ich heute noch erfüllen zu müssen?
  • Welche negativen Erfahrungen machten meine Eltern?
  • Welchen davon versuche ich bewusst aus dem Weg zu gehen?usw.

Die Antworten und die daraus resultierende Erkenntnis sind ein weiterer wichtiger Schritt auf Ihrem Weg zu einem selbstbestimmten und stressfreien Leben.

Worum geht's?

Wenn wir Fortschritte machen wollen, gibt es immer Situationen, in denen wir aus zwei scheinbar gleich guten Alternativen eine wählen müssen. Oft geraten wir dabei ins Stocken weil wir unsicher sind - dieser Zustand kann uns mehr stressen als die Entscheidung selbst.

Ziel des Denktricks

Entscheidungen anhand hilfreicher Kriterien und Techniken besser und schneller zu treffen.

Ausweg aus der Entscheidungsfalle

Unsere Entscheidungen werden hauptsächlich gelenkt durch

  • Erfahrungen aus der Vergangenheit
  • unseren Verstand und
  • unser Gefühl.

65 Prozent der Frauen entscheiden eher nach dem Gefühl und 65 Prozent der Männer eher mit dem Kopf. Überlegen Sie, welcher Typ Sie sind!
Optimal ist immer eine gute Mischung aus beidem. Um beide Fähigkeiten - auf sein Gespür zu hören und seinen Verstand bei Entscheidungen einzuschalten - ein bisschen zu trainieren, kann man sich beispielsweise schriftlich mit einem Problem auseinandersetzen.

Worum geht's?

Schuldzuweisungen gehören zu den größten Hindernissen auf dem Weg aus dem Stress, denn wer die Verantwortung für die eigenen Probleme auf andere abschiebt, hat es nicht mehr in der Hand, seine Situation zu verbessern.

Ziel des Denkzeugs

Gezielt Verantwortung für die eigenen Stressthemen zu übernehmen.

Wie man ohne Schuldzuweisungen durch den Tag kommt
  1. Schieben Sie einen ganzen Tag lang niemandem die Schuld für irgendetwas zu, sondern überlegen Sie stattdessen jedes Mal, ob Sie selbst Verantwortung übernehmen könnten. Ziehen Sie sich dazu ein Gummiband über Ihr Handgelenk. Jedes Mal, wenn Sie sich dabei erwischen, eine Schuldzuweisung auszusprechen, ziehen Sie an dem Gummi und lassen es auf Ihr Handgelenk schnalzen.
  2. Streichen Sie in konfliktreichen Gesprächen das Wort „du“ aus deinem Wortschatz und ersetzen Sie es durch „ich“. Sie werden feststellen, wie schnell sich dadurch die Stimmung und der Ton entschärfen.
  3. Formulieren Sie Vorwürfe in Wünsche um und nehmen Sie damit gleich viel streitbare Energie aus einem Gespräch heraus.
Worum geht's?

Missverständnisse in der Kommunikation verursachen oft mehr Stress, als uns lieb ist. Besonders schwierig wird es, wenn die Kommunikation nicht auf Augenhöhe stattfindet.

Ziel des Denktricks

Zu erfahren, wie Sie sich im Austausch mit anderen verhalten, und die richtige Kommunikationsebene zu finden.

Kommunikation auf der richtigen Ebene

Wenn wir auf einer Ebene kommunizieren, die in der jeweiligen Situation nicht angebracht ist und zum Beispiel im Austausch mit anderen Erwachsenen in die Eltern- oder Kind-Ich-Rolle fallen, blockieren wir uns damit selbst. In der Regel fühlen wir uns in einer solchen Situation nicht verstanden oder ernst genommen. Das lässt sich immer wieder gut beobachten in Gesprächen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.

Achten Sie also darauf, auf der richtigen Kommunikationsebene zu bleiben. Konkret heißt das, im Austausch mit Erwachsenen die Rolle des Erwachsenen-ICHs einzunehmen und nur dann die Rolle des Eltern-ICHs zu übernehmen, wenn Sie mit kleinen Kindern oder auch mit pflegebedürftigen Personen zu tun haben.

Worum geht's?

Warum nimmt unsere Leistungen keiner wahr? Dem wollen wir hier auf den Grund gehen. Denn wer sich ständig verausgabt, sich nicht bemerkbar machen und anderen keine Grenzen aufzeigen kann, ist besonders gefährdet für einen Burnout.

Ziel des Denktricks

Sich der eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden, um stärker wahrgenommen zu werden.

Moderne Kommunikationsmittel machen unsichtbar

Viele verlieren den Kontakt nach außen, weil sie zu oft in der virtuellen Welt ihrer Computer sind. Tipps:

  • Über ein großes persönliches Netzwerk zu verfügen, das sich auch außerhalb des direkten Arbeitsplatzes befindet und dem man regelmäßig neue Kontakte hinzufügt.
  • Eine Art „Währung“ in Form von Fachwissen, Informationen oder Kontakten zu besitzen, um nachhaltig für das eigene Netzwerk interessant zu sein.
  • Sich regelmäßig der Kontakte im eigenen Netzwerk zu bedienen und sich in Erinnerung zu rufen.
Tipps zum Aufbau eines Netzwerkes

Stellen Sie eine Liste von Menschen zusammen, die Sie gerne kennenlernen wollen/müssen. Überlegen Sie sich Strategien, um diese kennenzulernen.
Überlegen Sie sich: Wie groß ist Ihr momentanes Netzwerk? Wie viele Menschen möchten Sie in Ihrem Netzwerk haben? Bedenken Sie, dass auch das Wissen und der Einfluss Ihrer Kontakte eine Rolle spielen.
Wie viel Zeit stellen Sie wöchentlich bereit, um Ihr Netzwerk zu vergrößern? Was können Sie ihm als „Währung“ anbieten?

Doch immer mehr Chefs, das zeigt die Studie „Revealing the Chief Strategist’s Hidden Value“ von Roland Berger und den Universitäten Genf und St. Gallen, leisten sich peinliche Fehltritte und tun sich mit der Kommunikation nach außen schwer.

Zunehmend, so die Studie, werden den Managern Konzeptlosigkeit und schlechter Führungsstil zum Verhängnis – mit unangenehmen Folgen, denn wenn das Unternehmen dadurch intern und extern kritischer wahrgenommen wird, steigt natürlich auch der Erfolgsdruck in den Chefetagen. Zerreißproben für jede Führungskraft.

Auch die Kommunikation mit Investoren, Kunden, Mitarbeitern und bohrenden Journalisten wird dann zu einer Herausforderung. Stakeholder seien in den vergangenen Jahren viel aktiver geworden und würden genau zuhören, wenn Führungskräfte sich zu einem Thema äußern, erklärt Torsten Oltmanns von Roland Berger.

Die meisten Führungskräfte scheitern aber nicht nur an harten Fakten, sondern immer öfter auch an weichen Faktoren: Scheinbare Konzeptlosigkeit, schlechter Führungsstil oder misslungene Kommunikation. Oltmanns weist darauf hin, dass Strategie und Kommunikation heute nicht mehr trennbar seien und die Chefetage deshalb über ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten verfügen müsse.

Heißt: Transparente Kommunikation nach innen und nach außen wird für eine erfolgreiche Unternehmensstrategie immer relevanter. Andernfalls droht die Krise für die gesamte Firma. Doch wie kommuniziert man eigentlich am besten, wenn das Unternehmen so richtig im Schlamassel steckt?

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